PC-Kurse für Senioren: Selbst das Hochfahren wird zum Problem

Von: André Schaefer
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Auch im „hohen Alter“ macht das Surfen im Internet Spaß. Doch zuvor müssen zunächst die EDV-Grundlagen erlernt werden. Die VHS im Kreis Heinsberg schult regelmäßig Menschen ab 60 Jahren. Foto: André Schaefer

Hückelhoven. Den Internetvertrag hat Kurt Erdmann beim Anbieter seines Vertrauens bereits vor mehr als einem Monat abgeschlossen. Einen PC, ausgestattet mit dem neusten Betriebssystem, besitzt der Mann aus Erkelenz ebenfalls. Nichts Besonderes, mag man meinen. Eigentlich. Denn Kurt Erdmann ist bereits 72 Jahre alt. Doch noch viel wichtiger: Er hat noch nie in seinem Leben eine Computer-Maus in der Hand gehalten.

Warum auch? Schließlich ist der 72-Jährige sein „ganzes Leben lang sehr gut ohne Computer zurecht gekommen“. Als langjähriger Straßenbauer im Kreis Heinsberg war er auch beruflich nie verpflichtet, Maus und Tastatur zu bedienen.

Das wird an diesem Abend in der Grundschule An der Burg in Hückelhoven allerdings auch (leider) allzu deutlich. Schon beim Hochfahren des Rechners gerät Kurt Erdmann ein wenig ins Stocken. „Ich finde den On-Knopf nicht“, sagt er. Doch zu seinem Trost stellt er fest, dass er nicht der einzige ist, für den die Welt der Technik absolutes Neuland ist. Denn Erdmann besucht zusammen mit neun anderen Senioren den von der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg angebotenen Anfänger-Computerkurs „60plus“.

Während die jüngere Generation angesichts solcher Geschichten wie die von Erdmann wahrscheinlich nur müde lächelt, gehören die derzeitigen zehn Teilnehmer des laufenden Grundlagenkurses keinesfalls zur Ausnahme.

Gleich mehrmals im Jahr ermöglicht die VHS Heinsberg Senioren ab 60 Jahren den Einstieg in die Welt von Windows und des World Wide Web. Tendenz steigend. „Unser Angebot wird immer häufiger wahrgenommen“, sagt Sigrid Görtz, Fachbereichsleiterin für EDV und Berufswelt. „Immer mehr Senioren ab 60 wollen das System eines Computers oder die Möglichkeiten des Internets erlernen.“

Tanja Kroll hilft den zehn Teilnehmern an diesem Abend auf die Sprünge; sie ist die Leiterin des Kurses. „Ich finde es klasse, dass sogar Menschen im hohen Alter den PC und das Internet noch für sich entdecken wollen. Aber das ist auch wichtig – schließlich möchte man ja nicht außen vor sein“, sagt Kroll.

Handouts für die User von morgen

Die Kursleiterin hat Glück: Schon auf den ersten Blick wird deutlich, dass der Spaß den Teilnehmern trotz der Komplexität der Technik nicht abhanden kommt. „Die Atmosphäre innerhalb der Gruppe ist hervorragend“, lobt sie. „Aber natürlich ist es auch oft anstrengend, Dinge wirklich fünf- ,sechs- ,siebenmal erklären zu müssen“, sagt Kroll.

Nicht ohne Grund verteilt sie daher mehrfach Handouts an die Internetuser von morgen. „Sie müssen sich die Blätter zu Hause nochmals durchlesen. In der nächsten Stunde frage ich Sie ab“, kündigt die Kursleiterin an.

Ein Blick auf die Handouts verrät, wo der Hebel bei den Teilnehmern angesetzt werden muss. Unterschied zwischen Hardware und Software, Funktion der linken und rechten Maustaste und nicht zuletzt eine Anleitung zum Entleeren des Papierkorbs: Bis die Kursteilnehmer erstmals den Doppelklick auf dem Symbolfeld mit der Aufschrift „Internet Explorer“ wagen, werden noch einige der insgesamt zwölf Veranstaltungen à 90 Minuten verstreichen.

Auch Hella Piechotka wird sich noch etwas gedulden müssen, ehe sie ihre ersten Suchbegriffe bei Google eingeben kann. „Bisher haben meine Enkelkinder mir oft helfen können, aber die kommen mich auch nicht mehr jede Woche besuchen“, sagt die 76-Jährige. Die Wassenbergerin hatte jahrelang als Schaufensterdekorateurin gearbeitet, ehe sie bis zu ihrer Rente bei der Deutschen Post ihr Geld verdiente. „Da habe ich höchstens das Lochkartensystem gelernt, aber nicht, wie man einen PC benutzt“, erzählt sie.

Mit dem Handy bereits vertraut

Immerhin: Mit der Maus scheint Hella Piechotka schnell vertraut zu sein. Die gezeigten Übungen ahmt sie nach, als sei das Arbeiten mit Windows 7 gar ein Kinderspiel. „Ich habe kein Verständnis dafür, wenn ältere Menschen sagen, sie müssten den Umgang mit einem Computer nicht mehr erlernen. Das ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt die 76-Jährige.

Schon vor sechs oder sieben Jahren habe sie sich ein Handy zugelegt, um auf dem Laufenden zu bleiben, wie sie verrät. „Meine Enkel haben mich damals schon gelobt, dass ich die einzige Oma sei, die Kurzmitteilungen verschicken könne“, sagt sie stolz. Die Chancen stehen gut, dass in ein paar Wochen die nächsten Lobeshymnen erklingen könnten: Denn dann verschickt die 76-Jährige vielleicht sogar ihre erste E-Mail an ihre Enkelkinder.

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