Orgelkonzert in der Propsteikirche St. Gangolf

Von: Johannes Bindels
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Zu Gast in Heinsberg: Arno Kerkhof spielt im Rahmen des Limburger Orgelfestivals auf der Seifert-Orgel in St. Gangolf. Sopranistin Bianca Lenssen begleitet ihn. Foto: Johannes Bindels

Heinsberg. Wenn Walzersequenzen in einem Orgelkonzert erklingen, dann darf getrost von einem ungewöhnlichen Programm gesprochen werden. Erleben durften dies die Freunde der Orgelkonzerte in der Propsteikirche St. Gangolf im Rahmen des Orgelfestivals Limburg.

Musikdirektor und Organist Arno Kerkhof spielte Werke von Maurice Duruflé, Flor Peeters, Hendrik Andriessen, Marcel Dupré und Maurice Ravel. Die Sopranistin Bianca Lenssen begleitete ihn beim Liedkreis „Miroir de Peine“ von Hendrik Andriessen.

„Auf der Seifert-Orgel in Heinsberg spielen zu können, lässt auch eine ungewöhnliche Auswahl an Interpreten und ihrer Werke zu“, erläuterte Arno Kerkhof im Gespräch die Auswahl seiner Programmpunkte. Auch wenn die Orgel für französische Musik nicht gebaut sei, die Funktionalität der Seifert-Orgel mache die vorgesehenen Werke zu einem gut kalkulierbaren Experiment, fügte Kerkhof noch an.

Arno Kerkhof, Musikdirektor und Organist an den Hauptkirchen in Sittard und Valkenburg, gestaltete mit seiner Musik- und Lebenspartnerin Bianca Lenssen, die mit „Agonie auf Jardin, Flagellation und Couronnement d‘épines“ die ersten drei Lieder aus dem Zyklus „Miroir de peine“ bravourös interpretierte, ein 70-minütiges, alle Sinne ergreifendes Orgelkonzert.

Die Kompositionen aus der Zeit des Interbellum (der Zeit zwischen den Weltkriegen) spiegelten den Umbruch der Gesellschaft und das Ende der kulturellen Epoche des „Fin de Siécle“ wider, wie die Künstler das Publikum wissen ließen.

Mit der Suite op. 5 von Maurice Duruflé in drei Teilen – Prélude, Sicilienne und Toccata – belegte Kerkhof die ganze Bandbreite seines Könnens wie auch die Möglichkeiten der Orgel. Die düstere und schwermütige „Prélude“ ließ nicht nur den Blick zurück in die Zeit der zwanziger Jahre zu, sondern ließ ebenso die aktuellen Ereignisse in der Türkei und Frankreich vor dem inneren Auge als Bilder erscheinen.

Wenn im zweiten Teil „Sicilienne“ der Kirchenraum sich mit den leichten Passagen füllte und das Publikum zum Träumen verführte, war dies nichts anderes als die Ruhe vor dem Sturm der „Tocatta“. Brausend und wie ein gewaltiges Tosen, welches die Zuhörer mit seinen Sequenzen verschlingend überrollte, präsentierte der Organist hier eines der längsten und schwierigsten zu spielenden Stücke des Orgelrepertoires.

Mit Flor Peeters „Van Liefden Comt Groot Liden“ durfte sich das Publikum akustisch bei der niederländischen Version des „Stabat Mater“ – der Leidensgeschichte Marias, der Mutter Jesus – erholen.

Das Thema der „Stabat Mater“ auch im Liederkreis des „Miroir de Peine“ – Spiegel der Schmerzen – von Hendrik Andriessen aufgreifend, belegte Kerkhof, dass die Orgel zurückhaltend und als Begleitinstrument zur Sopranstimme von Bianca Lenssen gespielt werden konnte.

Bei „Poème héroique, op. 33“ von Marcel Dupré kam das Orgelspiel wieder zur vollen Fahrt. Von den Trompetensignalen am Anfang bis zum im Zentrum des Werks stehenden Gebets, das Leben zu erhalten, war das Soldatensein im ersten Weltkrieg nachvollziehbar.

Höhepunkt des Außergewöhnlichen aber waren die Walzeranklänge in Maurice Ravels Werk „La Valse, Poème Choréographique“. La Valse, der Walzer, begann, als komme er aus dem Nichts. Wenn Ravel das Werk für zwei Klaviere arrangierte, wurde die Orgelfassung von Arno Kerkhof mitverfasst. Die wie in einem Kaleidoskop immer wieder anklingenden Walzertöne wurden überzeugend und bis zur Verherrlichung steigernd von Kerkhof auf der Orgel präsentiert.

Das fachkundige Publikum dankte mit Applaus für die mutige Auswahl der Stücke und den Künstlern für ihre gekonnten Interpretationen.

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