Orgelfestival: Ein Feuerwerk spielerischer Virtuosität

Von: Johannes Gottwald
Letzte Aktualisierung:

Heinsberg. Das Limburger Orgelfestival gehört seit vielen Jahren zu den herausragenden kulturellen Ereignissen in der Ferienzeit. In zahlreichen Konzerten, Vorträgen und Exkursionen wird den Musikfreunden der Euregio grenzüberschreitend die reiche Fülle der Orgellandschaft in den Bereichen von Lüttich, Maastricht, Venlo und des Niederrheines nahe gebracht.

Vor allem die Niederlande verfügen über einen wahren Schatz an bedeutenden historischen Instrumenten, aber auch in den Kreisen Aachen und Heinsberg wurden alte Orgeln vorbildlich restauriert und beachtliche Neubauten geschaffen. Ein schönes Beispiel stellt auch 2003 die von Martin Scholz errichtete Orgel in der Kirche St. Nikolaus zu Waldenrath dar, auf der der niederländische Organist Jo Louppen im Rahmen des Festivals konzertierte.

Jo Louppen schloss seine Ausbildung am Maastrichter Konservatorium 1990 mit dem Examen als Konzertorganist ab, absolvierte aber auch Meisterkurse bei Jean Ferrar in Brüssel und bei Wolfgang Rübsam. 2003 war er Preisträger des renommierten Orgelwettbewerbes „L´Europe et L´Orgue“ in Lüttich und ist heute in Heerlen und Landgraaf als Kirchenmusiker sowie in Maastricht als Dirigent tätig.

Für sein Konzert in Waldenrath hatte er ausschließlich Werke von Johann Sebastian Bach ausgewählt, dessen Orgelschaffen wohl zum bedeutendsten gehört, was je für dieses Instrument geschrieben wurde.

Das Programm begann mit der groß angelegten Fantasie und Fuge g-moll BWV 542. Monumentale Akkordschläge und rezitativische Läufe wechseln im ersten Teil des Werkes mit streng polyphonen Abschnitten. Im Kontrast dazu verläuft die Fuge sehr lebhaft und stellt mit ihrem anspruchsvollen Pedalpart eine technische Herausforderung für jeden Organisten dar. Jo Luoppen meisterte sie auf souveräne Weise und brachte den prunkvollen barocken Charakter des Stückes auf überzeugende Weise zum Ausdruck.

Dann folgte der Orgelchoral „Nun danket alle Gott“ BWV 654 aus den späten Leipziger Orgelchorälen. Das dichte Liniengewebe wurde vom Interpreten gut herausgearbeitet, allerdings hätte die Wirkung durch ein etwas zügigeres Tempo und eine kräftigere, obertönigere Registrierung noch gesteigert werden können.

Letzteres ist allerdings auf der eher romantisch konzipierten Scholz-Orgel nur begrenzt möglich. Hübsche und transparente kammermusikalische Effekte zauberte Louppen anschließend bei der Triosonate in Es-Dur BWV 525 aus der Orgel hervor. Beim Adagio unterhielten sich gewissermaßen drei Flötenregister miteinander, das finale Allegro wurde zu einem schwungvollen Kehraus.

Beim Orgelchoral „O Lamm Gottes unschuldig“ BWV 656 wurden die drei Verse konsequenterweise unterschiedlich registriert, die detailfreudige Interpretation mit ihren zahlreichen kleinen Ritardandi wirkte mitunter etwas aufgesetzt, eine flüssigere Vortragsweise im strengeren Metrum wäre hier wohl besser gewesen.

Auch beim Orgelchoral „Von Gott will ich nicht lassen“ BWV 658 war die Melodie den regelmäßigen Kirchgängern aus dem Publikum geläufig – sie steht unter den Adventsliedern im Gotteslob. Den effektvollen Schlusspunkt des Konzertes setzte „Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564, bei dem Jo Louppen ein wahres Feuerwerk an spielerischer Virtuosität entfalten konnte. Dass Bach das Werk wohl in besonders gute Laune konzipiert hatte, glaubte man dem Interpreten gern.

Den rasanten einleitenden Tonleiterkaskaden folgte ein stürmisches Pedalsolo und ein Allegro-Abschnitt, der unverkennbare Parallelen zu Bachs Orchesterkonzerten aufweist. Nach dem ruhig-verhaltenen Adagio bildete die brilliante Fuge den prachtvollen Ausklang.

Die Registrierung mit vollem Werk mutete zwar etwas bombastisch an, aber das tat der Wirkung keinen Abbruch: Die Zuhörer waren restlos begeistert und feierten den Organisten am Ende mit stehenden Ovationen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert