Opferschutz: Wenn ein Ereignis einen nicht loslässt

Von: Nicola Gottfroh
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Bildnummer: 54045131 Datum: 25.04.2010 Copyright: imago/imagebroker Nach Unfall ausgebranntes Motorrad, zwischen Berglen und Schornbach, Baden-Württemberg, Deutschland, Europa Objekte kbdig xsk 2010 quer abgebrannt abgebrannte abgebrannter abgebranntes am außen Außenaufnahme ausgebrannt ausgebranntes aussen Aussenaufnahme Aussenaufnahmen Baden Baden-Württemberg Baden-Wuerttemberg bei Berglen BRD Bundesrepublik deutsch deutsche deutscher deutsches Deutschland draußen draussen Einsatzfahrzeug Einsatzfahrzeuge Einsatzwagen europäisch europäische europäischer europäisches Europa europaeisch europaeische europaeischer europaeisches Fahrzeug Fahrzeuge kaputt kaputte kaputter kaputtes liegen liegend liegende liegender liegendes liegt menschenleer Motorräder Motorrad Motorradunfälle Motorradunfaelle Motorradunfall Motorraeder Nach niemand Polizei Polizeiauto Polizeiautos Polizeieinsätze Polizeieinsaetze Polizeieinsatz Polizeifahrzeug Polizeifahrzeuge polizeilich polizeiliche polizeilicher polizeiliches Polizeiwagen Süddeutschland Schäden Schaden Schaeden Schornbach Schrott schrottreif schrottreife schrottreifer schrottreifes Straße Straßen Straßenränder Straßenrand Straßenverkehr Strasse Strassen Strassenraender Strassenrand Strassenverkehr Streifenwagen Sueddeutschland Tag Tage Tageslicht tagsüber tagsueber Totalschäden Totalschaden Totalschaeden und Unfälle Unfaelle Unfall Unfallort Unfallorte Unfallstelle Unfallstellen Unschärfe Unschärfen Unschaerfe Unschaerfen unscharf unscharfe unscharfer unscharfes verbrannt verbrannte verbrannter verbranntes Verkehrsunfall Württemberg Wuerttemberg zwischen Bildnummer 54045131 Date 25 04 2010 Copyright Imago image broker after Accident ausgebranntes Motorcycle between and bath Wuerttemberg Germany Europe Objects Kbdig xSK 2010 horizontal burned spent Abgebrannter Abgebranntes at exterior Outside view burnt out ausgebranntes exterior Outside view Outside bath bath Wuerttemberg bath Wuerttemberg at GERMANY Federal German German German German Germany outside outside Use vehicle Emergency vehicles Use cars Euro European European European Europe Eisch Europe european Europe Eischen Europe Eischen Vehicle Vehicles broken broken Kaputter Broken lie lying lying Liegender lying is deserted Motorcycles Motorcycle Motor accidents Motorradunfaelle Motor accident Motorcycles after Nobody Police Police car Police cars Police operations Polizeieinsaetze Police use Police vehicle Police vehicles the police Police police Police Police cars South German country Damage Damage Damage Scrap schrottreif schrottreife Schrottreifer Schrottreifes Road Roads Road edges Roadside Road transport Road Roads Strassenraender Roadside Road transport Patrol car Sueddeutschland Day Days Daylight during the day during daytime Total damage Total damage Totalschaeden and Accidents Accidents Accident Accident Accident places Accident site Accident Blur Blurred Blur Fuzziness focus Blur vague blurred burned burned burnt Verbranntes Traffic accident Wuerttemberg Wuerttemberg between
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Niklas Spetter, Fabian Pfeiffer und der Opferschutzbeauftragte Frank Meuffels. Foto: Gottfroh

Kreis Heinsberg. Der 4. Juli ist ein schöner, sonniger Tag. Der perfekte Tag zum Motorradfahren. Und so steigt auch Niklas Spetter an diesem Tag auf seine geliebte Maschine, um die Routen am Niederrhein, der seit wenigen Wochen seine neue Heimat ist, auszukundschaften.

Der 25-Jährige fährt durch prächtige Alleen, entlang blühender Felder, denkt an vieles, den Umzug, seine Familie, seine Freundin, biegt in die nächste Straße ein, fährt auf der L 400 an Wegberg vorbei, freut sich darüber, was für einen schönen Tag er sich für seine Tour ausgesucht hat – und dann stehen seine Gedanken still. Er sieht von links ein Auto auf sich zufahren. Millisekunden später reißt es ihn von seiner Honda, brutal wird er durch die Luft geschleudert und er bleibt einige Meter entfernt von der Stelle, an der er sich gerade noch befunden hat, am Boden liegen. „Ich lebe noch“, ist sein erster Gedanke. Dann greift er sich an den Kopf, auch da scheint alles in Ordnung, an die Arme, den Rumpf, alles heil, und zuletzt an die Beine. Da stimmt etwas nicht. Er hebt seinen Blick – und dann erkennt er, dass da etwas fehlt…

Das Geräusch, das die Kollision der beiden Fahrzeuge verursacht hat, ist auch im Garten der Familie Speier und Pfeiffer, nur wenige Meter Luftlinie von der L 400 entfernt, zu hören. Dort kickt Fabian Pfeiffer (11) gerade zusammen mit seinem Stiefvater Ewald einen Ball über den Rasen. Nach dem Knall ist das Spiel nicht mehr halb so interessant wie das, was draußen auf der Straße los ist. Der Elfjährige will unbedingt wissen, was geschehen ist. Fabian rennt raus auf die Straße, sieht als erstes das Motorrad, das auf der Seite liegt, dann den Motorradfahrer auf dem Boden, bei dem schon die Ersthelfer hocken. Und dann den schwarzen Stiefel, in dem noch ein linker Fuß steckt.

Dieses Bild und der Rest der Ereignisse dieses Tages haben sich in Fabians Gedächtnis gebrannt. Er erinnert sich, wie er wieder ins Haus gelaufen ist, um seinen Stiefvater zu holen. Daran, wie Ewald Speier mit einer Plastiktüte und Eis hinausrannte, um den Fuß des Fremden zu retten, an Blaulicht, Sirenen und den Rettungshubschrauber, der nicht weit der Unfallstelle landet.

Auch als der Hubschrauber schon längst am Aachener Klinikum gelandet und der Motorradfahrer Stunden später mehrfach operiert worden ist, kreisen Fabians Gedanken noch um den Fremden.

Selbst Tage und Wochen später erzählt der Elfjährige immer und immer wieder von diesem Tag. „Fabian wurde durch dieses Ereignis nicht traumatisiert, aber es hat ihn sehr stark beschäftigt. So stark, dass er morgens mit dem Gedanken an den Motorradfahrer aufgestanden ist und abends damit ins Bett gegangen ist“, sagt Fabians Mutter Alexandra Speier. Selbst Monate danach habe ihr Sohn noch oft über den Unfall gesprochen. „Immer wieder hat sich Fabian gefragt, wie es dem Mann wohl geht, ob er überlebt hat, ob die Ärzte seinen Fuß retten konnten oder ob er jetzt wohl im Rollstuhl sitzt“, erzählt seine Mutter.

„Für mich war klar, dass mein Sohn einen Abschluss braucht, dass die Geschichte um den Motorradfahrer für ihn zu Ende erzählt werden muss“, sagt Alexandra Speier.

Ein halbes Jahr nach dem Unfall fasst sich Alexandra Speier ein Herz und meldet sich bei der Polizei. „Und diese Idee war goldrichtig“, betont die Mutter des Elfjährigen. „Eigentlich hatte ich befürchtet, die Polizei könnte da nicht helfen“, sagt sie. Doch die Heinsberger Behörde hat für Opfer von Unfällen – indirekt ist ja auch Fabian ein Opfer dieses Unfalls – eigens einen Opferschutzbeauftragten.

Polizeioberkommissar Frank Meuffels (48), als junger Mann selbst Opfer eines schweren Verkehrsunfalls geworden, hilft Opfern von Verkehrsunfällen, Unfallbeteiligten, deren Angehörigen, Ersthelfern und Zeugen. „Und manchmal bringe ich sie auch zusammen“, sagt er. So wie Niklas Spetter und Fabian Pfeiffer. „Natürlich habe ich mich direkt an die Arbeit gemacht, um Fabian zu helfen“, sagt er.

Nur Stunden nachdem Alexandra Speier ihr Anliegen bei der Polizei vorgebracht hatte, klingeln zwischen dem Opferschutzberater Meuffels, der Familie Speier/Pfeiffer und Niklas Spetter die Telefone heiß. „Man kann sich vorstellen, wie überrascht ich war, als mich Frank Meuffels zurückrief und mir sagte, dass er den Motorradfahrer erreicht habe – beim Gassigehen mit seinem Hund auf dem Feld“, sagt Speier.

Groß ist auch die Überraschung über die unverhoffte Anteilnahme an seinem Schicksal beim Unfallfahrer Niklas Spetter. Der hatte sich in den vergangenen Monaten zwangsläufig noch viel mehr mit den Folgen seines Unfalls beschäftigen müssen. Immerhin folgten sechs Operationen, Reha-Maßnahmen und das Laufenlernen mit einer Prothese – denn seinen abgetrennten Fuß konnten die Ärzte nicht mehr retten. „Ich war sehr überrascht, als mich Frank Meuffels angerufen und von dem kleinen Jungen erzählt hat“, sagt Spetter. Selbstverständlich sei er direkt bereit gewesen, sich mit Fabian zu treffen.

„Das ist doch Ehrensache – damals hatten er und seine Familie mir geholfen, jetzt konnte ich Fabian helfen, die Geschichte auch für sich zu einem Abschluss zu bringen“, sagt Spetter. Nur wenige Tage später kommt es zu einem ersten Treffen zwischen Niklas Spetter und seiner Freundin mit Fabian und seinen Eltern. „Da konnte ich Niklas alles fragen. Wie es ihm im Krankenhaus ergangen war, wie sich eine Prothese anfühlt und alles andere, das mich interessiert hatte“, erzählt Fabian.

Inzwischen hat sich zwischen der Gruppe eine echte Freundschaft entwickelt. Frank Meuffels gehört für die Gruppe fest dazu. „Wir haben dieses Happy End ja auch dank Frank Meuffels. Hätte ich vorher gewusst, wie hilfsbereit man bei der Polizei ist, hätte ich mich viel früher beim Opferschutzbeauftragten gemeldet“, sagt Alexandra Speier. Auch Niklas Spetter ist Frank Meuffels dankbar: „Nicht nur die Erfahrungen mit Fabian und der Familie Speier sind eine tolle Sache, Frank Meuffels hat mir durch seine Unterstützung bei verschiedenen Einrichtungen ebenfalls sehr geholfen“.

Dieser Unfall ist einer von vielen, die Frank Meuffels bearbeitet. „Aber er zeigt sehr deutlich, wie wir als Opferschützer den Menschen helfen können. Im Verkehrs- und Kriminalitätsbereich ist dies heute ein wichtiger Bestandteil der polizeilichen Arbeit. Daher freue ich mich auch sehr, dass es für Fabian und letztlich für alle Beteiligten so gut ausgegangen ist.“

Weitere Infos zum Opferschutz finden sich unter www.polizei.nrw.de/heinsberg unter der Rubrik Aufgaben auf den Seiten Kriminalität und Verkehr.

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