Heinsberg/Wassenberg - Opfer des rechten Übergriffs in Wassenberg sagen aus

Opfer des rechten Übergriffs in Wassenberg sagen aus

Von: Daniel Gerhards
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 Wassenberger Bushof
Am Wassenberger Bushof sollen die Angeklagten über ihre Opfer hergefallen sein. Foto: Daniel Gerhards

Heinsberg/Wassenberg. Als er den Tritt von hinten gegen sein rechtes Bein spürte, habe es sich angefühlt, als sei ein Stromschlag durch seinen Kopf gefahren, sagte der 37-jährige Asylbewerber am Montag vor Gericht. Er sei zu Boden gefallen, die Angreifer hätten nicht von ihm abgelassen, sondern mit einem Schlagstock zugeschlagen und mit Füßen getreten.

Ein Tritt sei gegen seinen Kopf gegangen. Er verlor das Bewusstsein. Dieser Moment wirkt bis heute nach.

Für die Attacke, weitere fremdenfeindliche Angriffe und rechtsmotivierte Straftaten müssen sich seit Mitte Februar fünf junge Männer und der Vater eines Mannes vor dem Heinsberger Amtsgericht verantworten. Die Attacke auf den 37-Jährigen und zwei weitere Flüchtlinge vom 27. Januar 2015 ist die schwerste Tat, die den Angeklagten vorgeworfen wird.

Schon vor dem Angriff hätten mehrere junge Männer den 37-Jährigen und einen weiteren Asylbewerber provoziert, beleidigt und angespuckt. „Ich bekam Angst. Ich habe nicht verstanden, was sie gesagt haben“, sagte der 37-Jährige. Aber er habe zu seinem Begleiter gesagt, dass sie besser gehen sollten. Ein 25-jähriger Asylbewerber, der wie die beiden Männer im Wohnheim am Ossenbrucher Weg wohnte, kam hinzu. Dann griffen die rechten Schläger an.

Einer sei mit einem Schlagstock auf den Begleiter des 37-Jährigen losgegangen. Dieses Opfer konnte dazu vor Gericht keine Angaben machen, weil die Behörden nicht wissen, wo er sich aufhält. Der 25-Jährige sei dann mit Faustschlägen attackiert worden. Er identifizierte Kevin A. als Angreifer.

Der 37-Jährige habe noch überlegt, dazwischen zu gehen – doch dann kam der Tritt gegen sein Bein. Und die, wie er sagte, immensen Schmerzen.

Der Flüchtling trägt noch immer eine Schiene am Bein, er sei zweimal operiert worden und wisse, dass sein Bein nicht wieder vollständig in Ordnung kommen werde. Das alles habe sich auf seine Psyche ausgewirkt. Er lebe mit der Angst, dass so etwas noch einmal passiert, sagte der Asylbewerber: „Der Enthusiasmus, nach Deutschland zu kommen, war groß.“ Er habe von einem besseren Leben geträumt. Aber dieser Traum sei am Tag der Attacke „zerplatzt“.

Der 25-jährige Asylbewerber sei zwar nicht schwer verletzt worden. Die Faustschläge hätten ihn lediglich am Oberkörper getroffen. Aber auch er habe Angst – und könne deshalb nachts nicht schlafen. „Ich möchte nach dem, was passiert ist, nicht mehr in Wassenberg wohnen“, sagte er.

Bei der Attacke habe er den 37-Jährigen schreien gehört und sich kurz zu ihn umgedreht. „Ich sah, dass er am Boden lag und getreten wurde“, sagte er. Er habe ihm aber nicht helfen können, weil er selbst angegriffen wurde.

Als Zeugen die Polizei riefen, ließen die Schläger von den Asylbewerbern ab. Der 37-Jährige sei etwa fünf Minuten bewusstlos gewesen. Er kam mit dem Krankenwagen ins Heinsberger Krankenhaus. Allein das Verlesen des Klinikberichts mit den ersten Diagnosen dauerte mehrere Minuten.

Die Rolle von Aaron C. blieb am Montag weiter im Unklaren. Nach Zeugenaussagen soll er zwar provoziert und gespuckt haben, ob er bei der Attacke noch dabei war, ist aber weiter offen. Die Zeugen konnten sich nicht erinnern, ihn gesehen zu haben.

Manchmal, wenn er sein Bein falsch bewegt oder irgendwo anstößt, dann ist die Attacke wieder im Kopf des 37-jährigen Flüchtlings. Dann kommt wieder dieser Schmerz. So als fahre ein Stromschlag durch seinen Kopf.

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