Hückelhoven-Ratheim - Ollertz-Werke ermöglichen auch den Blick in uns selbst

Ollertz-Werke ermöglichen auch den Blick in uns selbst

Von: hl
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Auf der Canthe-Ausstellung von Werken des verstorbenen Künstlers Burkhard Ollertz herrschte großer Andrang im Alten Rathaus in Ratheim. Auch seine Weggefährten bewunderten mit Canthe-Vorsitzenden Dr. Hans Latour (rechts) die Bilder. Foto: Koenigs

Hückelhoven-Ratheim. In einem Saal hätte man gesagt „Bis auf den letzten Platz besetzt.“ So viele Besucher konnte der Vorsitzende von Canthe sehr selten im Alten Rathaus in Ratheim begrüßen bei der Vernissage zum Andenken an Burkhart „Ölli“ Ollertz. „Schein und Sein“ war der Titel der Ausstellung, in deren Mittelpunkt sein 40-jähriges Schaffen stand.

Hans Latour stellte Ölli als dreifachen Künstler vor: als Arzt (ärztliche Kunst), Musiker und Maler und Zeichner. Er dankte den langjährigen Mit-Künstlern im gemeinsamen Atelier, die diese Ausstellung vorbereitet hatten: Theo Heinen, Andreas Jörißen und Georg Kohlen. Er erwähnte auch, dass Ölli samstags noch an einem Porträt aus diesem Kreis gearbeitet hätte und am Dienstag darauf gestorben sei. Und damit sei schon ein wesentlicher Charakterzug von Ölli genannt, nämlich keine Angst vor dem Tod zu haben und diesen als Teil des Lebens zu verstehen, voller Glück, das Musik und Kunst ihm bereitet hätten. Ölli habe auch Humor gehabt, und dieses Wort sei sprachlich verwandt mit Humanitas, Menschlichkeit.

Der Vorsitzende ging auch auf das Thema der Ausstellung ein: Schein und Sein. „Im allgemeinen Verständnis bedeutet Schein so etwas wie Täuschung, Trugbild.“ Das Sprichwort „Der Schein trügt“ führe auf diese Spur. Über das Sein hätten die Philosophen dicke Bücher geschrieben. Und die Frage, die im Titel von Erich Fromm „Haben oder Sein“ stecke, sei in Bezug auf Ölli eindeutig mit „Sein“ zu beantworten.

Latour erinnerte auch an Hamlets Frage zu Beginn seines großen Monologes: „To be, or not to be, that is the question.“ (Sein, oder nicht sein, das ist die Frage.) Und diese Frage müsse jeder für sich selber beantworten.

Zum Schluss sagte Latour, Ölli sei in jedem seiner Bilder anwesend. Und er las das Gedicht von Hermann Hesse: „Stufen“.

Gleich im Eingangsbereich des Alten Rathauses steht man als Erstes vor einem Teil des Arbeitsplatzes, an dem Burkhard „Ölli“ Ollertz in den letzten Jahren viel Zeit verbracht hat. Und gleich sieht man, dass der Kopf, und vor allem sein Kopf, das herausragende Motiv für ihn in 30 Jahren künstlerischen Schaffens war, wobei er ständig die Techniken beim Malen und Zeichnen wechselte.

Dabei war der Malgrund sowohl wichtig als auch unwichtig: Er malte auf Leinen, Brötchentüten, Briefumschlägen oder Frittenschälchen. Neben den Selbstporträts waren auch Menschen aus seiner Umgebung willkommene Motive. So entstand über viele Jahre eine beachtliche Sammlung von Bildern, die neben dem Kopf auch viele Aktzeichnungen enthielt, mit groben Strichen gemalt, spontan und manchmal auch skurril inszeniert, so dass man oft eine ganze Zeit brauchte, um sie (vielleicht) zu verstehen.

Auch am nächsten Sonntag

Alles in allem ein Gesamtwerk, das mehr ist als nur die Darstellung von Porträts und abstrakten Bildern: Es kann auch ein Blick in uns selber sein.

Die Ausstellung ist noch geöffnet am nächsten Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

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