Heinsberg-Schafhausen - Nostalgie: Mundarttreff des Heimatvereins Schafhausen

Nostalgie: Mundarttreff des Heimatvereins Schafhausen

Von: Johannes Bindels
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Auch Arbeitskreisleiter Theo von Birgelen las auf Platt. Foto: jwb

Heinsberg-Schafhausen. Wenn beim Heimatverein Schafhausen Gäste und Mitglieder ihre Gespräche „op Platt“ führen, dann ist der Arbeitskreis Mundart aktiv. Zum achten Mal hatte der Verein zum Mundarttreff eingeladen.

Inhaltliche Programmpunkte waren der Rückblick auf das Fest zum 800-jährigen Bestehen des Ortes Schafhausen, die Vorträge des Arbeitskreisleiters Rektor a.D. Theo von Birgelen und Dr. Heinz Hansen und spontane Beiträge aus dem Publikum.

Nicht nur die Pflege der Mundart stehe auf dem Programm, sondern auch das leibliche Wohl in Form der Bewirtung der Gäste mit „Ledderkes Fla“, ließ die Vorsitzende Dr. Ursula Gellissen die dreißig Anwesenden wissen.

„Enn Flaa met Ledderkers, dick on rondch, met schwarze Spieß, lecker on jesonch“ hieß es in dem Gedicht „Langbrook uut et Selfkantlandch“ von Christine Classen, welches Theo von Birgelen vorlas, während auf den Tellern der Teilnehmer Fladenstücke mit Pflaumenmus, Apfelmus oder Aprikosenmus bedeckt lagen. Verziert waren diese Kuchenstücke mit Streifen aus nach Marzipan schmeckendem Kuchenteig, den „Ledderkes“.

Mit einer emotional aufgeladenen Ode „Dank aan Schoppese“ begann der Arbeitskreisleiter seinen vollständig auf Platt vorgetragen Rückblick auf die 800-Jahre-Feier. „Ett 800-Joar-Fäes, dett hau-e se joot jeviert“, lautete sein Fazit. Weit gereist sei das Mitglied des Heimatvereins, Dr. Heinz Hansen aus Wesel, kündigte Hans-Josef Heuter einen Gastredner an.

Er werde „Stöckses op Bröker on Drömmer Platt“ vortragen. Dr. Heinz Hansen, in Oberbruch geboren und aufgewachsen und rund 27 Jahre im Schwarzwald lebend, hatte einige seiner Geschichten und Gedichte mitgebracht.

Die ließen erkennen, dass die Verbundenheit zur alten Heimat nie abgerissen war. „Um nicht aus der Übung zu kommen, habe ich auf Platt manchmal Selbstgespräche geführt“, verriet Hansen dem Publikum. „Spreak noch enns Platt, Du kanns et noch, moss et maar probeere! För völl van oss woar et de ieschte Sproak, die kann man net verliere. Diese Sprache, die klingt echt: „Mönkesmoat“ statt mundgerecht, „jood jefluppt“, meint gut gelungen“, ließ Hansen die Gedanken um das Ringen des eigenen Dialektes nachempfinden.

Mit seinem Gedicht „Kennze dat“, warf Hansen einen Blick zurück auf die Erlebnisse zur Kirmes und Karnevalszeit, auf geschwänzte Schulstunden, die ersten Erfahrungen mit dem Biertrinken oder auf die Arbeit im Gemeinderat. Sein Appell an die Menschen im Heinsberger Land lautete denn auch: „Schpreakt Platt op Deuvel komm ´eraus, dat wönsch ech mech, denn ech ben on bliev enne van öch.“

Zum unterhaltsamen Abend trugen auch die spontanen Beiträge von Magda Hausmann oder Klaus Mülstroh bei. Besonders eindringlich wirkte Magda Hausmanns Geschichte vom Einfluss der Supermärkte auf die alten Einkaufsgewohnheiten bei den kleinen, vorher vorhandenen Läden in den Dörfern.

Mit Kopfnicken bestätigten die Zuhörer die geschilderten Erfahrungen. Ein wenig Wehmut klang in diesen Momenten durch. Wenn es gelingt, die nachfolgenden Generationen für die Mundartpflege zu begeistern, dann wäre dies ein Rezept gegen reine Nostalgie. An diesem Abend war der jugendlichste Teilnehmer wohl auch schon im sechsten Lebensjahrzehnt.

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