Noch viele offene Fragen zur Umsiedlung

Von: Helmut Wichlatz
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Ein Anblick, der bald Vergangenheit sein wird: Keyenberg muss den Braunkohlebaggern weichen. Foto: Stefan Klassen

Erkelenz-Keyenberg. Jetzt wird’s ernst. Die Keyenberger Umsiedler in spe waren zur Ortskonferenz in die Gemeinschaftsgrundschule eingeladen worden, wo es um Details und noch zu klärende Fragen bezüglich des neuen Ortes ging, der ab 2017 im Norden von Erkelenz entstehen wird. Vier weitere Ortskonferenzen in den anderen vom Tagebau betroffenen Orten gibt es dieser Tage.

Rund die Hälfte der aus fünf Umsiedlungsorten bestehenden Siedlung wird von Keyenberg eingenommen. Die Orte Unter- und Oberwestrich, Kuckum und Berverath teilen sich die zweite Hälfte des rund 40 Hektar großen Areals neben Borschemich (neu). Darauf hatten sich die Umsiedler und Städteplaner in einem langwierigen Prozess geeinigt, in dessen Verlauf aus zuerst elf Standortvorschlägen zwei Favoriten ausgewählt wurden.

Erinnerung an die Niers

Die Wahl fiel auf den Standort an der B 57, der in einer gemeinsamen Umsiedlung erschlossen werden soll. Im zehnten Forum dieses Prozesses hatten sich rund 90 Prozent der betroffenen für die Lösung „zwei Teile, eine Mitte“ entschieden. Gemeint ist damit der verbindende und zugleich trennende Grünstreifen, der mitten durch die Siedlung läuft und neben Bäumen und Parkflächen auch einen Wasserbereich aufweisen wird. Das Wasser war den Umsiedlern als Erinnerung an ihre Niers wichtig, wie auch der Städteplaner Professor Rolf Westerheide von der RWTH Aachen betonte.

Die Planung, die vorgestellt wurde, sei wiederum nur eine „Annäherung an das Thema“, erklärte Westerheide. Ihm und seinem Kollegen Ulrich Wildschütz war es zuerst darum gegangen, die jeweilige Anzahl der sieben verschiedenen Grundstücksgrößen auf dem zur Verfügung stehenden Areal unterzubringen. Die meisten Gebäude (95 Prozent) sind freistehend geplant, Doppelhäuser oder Mehrfamilienhäuser bilden die Ausnahme.

Von den Zuhörern kritisiert wurde, dass die Befragung, die der Aufteilung des Plans zugrunde liegt, „zwischen Tür und Angel“ stattgefunden habe. Schließlich könne man nicht aus dem Stegreif entscheiden, welche Grundstücksgröße man wirklich benötige. „Es passt alles rein“, beruhigte Westerheide die Anwesenden. „Und die Grundstücke werden so, wie Sie sie wünschen.“ Eine erneute Befragung wurde angeregt und auch versprochen.

Kontakt müssen die Planer auch schleunigst mit den Gewerbetreibenden und Landwirten aufnehmen, die die Lage und Nutzung ihrer Gewerbeflächen am Ortsrand planen müssen. Das Modell, das noch keinen Anspruch auf Endgültigkeit hat, priesen Westerheide und Wildschütz noch einmal an, als ginge es darum, es den Umsiedlern erneut schmackhaft zu machen.

Prägende Charakterzüge

Da wurde von den Entwicklungsmöglichkeiten rund um den Keyenberger Markt geschwärmt und das Freizeitpotenzial des Platzes zwischen Mehrzweckhalle und dem modernen Kirchenersatzbau in der grünen Mitte angepriesen. Einigen Zuhörern war es ein wenig zu viel Vision und viel zu wenig Konkretes. Sie wurden von Fragen getrieben – wie der nach der idealen Grundstücksbreite für den Bungalowbau.

Radwege wird es in dem neuen Ort nicht geben, denn ab dem Eingang von der B 57 oder der Düsseldorfer Straße kommend gilt Tempo 30. Eine Ringstraße verbindet alle Ortsteile. Von ihr gehen dann die Stichstraßen zu den einzelnen Wohnquartieren ab. Dazwischen verlaufen die Gassen und Wege „hinten rum“, die auch heute nach Westerheides Aussage den Charakter des Ortes mitprägen. Die Grundstücksstruktur, altersgerechte Wohnformen und eine Erinnerungskultur an die alten Orte werden auch weiterhin Thema sein, bevor umgesiedelt wird.

Mit den Worten „Das wäre Ihr neues Keyenberg“ beendete Professor Rolf Westerheide seinen Vortrag. Das alte Keyenberg wird spätestens bis 2023 leer sein. Dann kommt der Bagger.

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