Niederländischer Autor stellt sein Buch „Irrfahrt“ vor

Von: Anna Petra Thomas
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Zwei Vorleser mit einem Buch in zwei Sprachen: Der niederländische Autor Ton Heijmans (rechts) las im Original „Op Zee“, Ilja Braun im Wechsel mit Heijmans in der deutschen Übersetzung „Irrfahrt“. Foto: anna

Heinsberg. Sechs Bücher, je zwei in Französisch, Deutsch und Niederländisch, die aber auch in Übersetzungen der beiden anderen Sprachen erhältlich sein müssen, werden in jedem Jahr für den Euregio-Schüler-Literaturpreis nominiert. Aus dieser Vorauswahl küren Schüler aus der gesamten Euregio einen Preisträger.

Erstmals stellen sich in diesem Jahr die Autoren der nominierten Werke im Vorfeld der Entscheidung nicht nur den Schülern vor, sondern auch einer breiten Öffentlichkeit.

So war Toine Heijmans aus den Niederlanden, nominiert mit seinem 2011 erschienenen Erstlingswerk „Op Zee“, auf Deutsch „Irrfahrt“, im Rahmen des neuen Projekts „Die Euregio liest“ zu einer Abendlesung in der Buchhandlung Gollenstede zu Gast. Und er kam nicht allein, sondern hatte den deutschen Übersetzer seines Buches, Ilja Braun, gleich mitgebracht. „Ein ganz besonderes Projekt“, also, wie Buchhändler Marcus Mesche befand, „mit ganz besonderen Gästen“, zu denen dann auch Oliver Vogt vom Verein Euregio-Schüler-Literaturpreis gehörte.

„Wir wollen so versuchen, Sprachen über die Grenzen zu transportieren“, erklärte Vogt. Das Werk von Heijmans sei bereits in mehrere Sprachen übersetzt worden. „Auf Deutsch, das war die erste Übersetzung… und die beste“, erwiderte Heijmans. „Es ist auch Iljas Buch. Ich habe es gelesen auf Deutsch. Es ist sehr, sehr gut“, lobte er seinen Übersetzer. „Mein Deutsch ist nicht so gut“, gestand er und brachte dann das Publikum gleich zum ersten Mal zum Schmunzeln. „Ein Übersetzer kann ein Buch auch verknallen“, erklärte er. „Versauen“, berichtigte ihn sein Übersetzer. Aber auch die französische Übersetzung sei sehr gut, so Heijmans weiter. Immerhin hat er in Frankreich mit seinem Werk bereits einen Literaturpreis (Prix Médicis) gewonnen.

Die Geschichte war schnell erzählt, von Heijmans selbst, auch auf Deutsch: Ein Vater nimmt seine sieben Jahre alter Tochter mit auf einen Segeltörn. In zwei Tagen wollen die beiden von Dänemark in die Niederlande segeln. Die Mutter ist dagegen, doch der Vater setzt sich durch. „Das Mädchen verschwindet. Das ist ein Thriller, das Ende werde ich nicht erzählen“, erklärte Heijmans.

Abwechselnd lasen die beiden dann die ersten beiden Kapitel in ihrer Muttersprache, wobei immer Braun in Deutsch begann. Das ermöglichte es den Zuhörern, auch dem in Niederländisch Vorgelesenen sehr gut folgen zu können. Und deutlich wurde in beiden Versionen eine sehr bildhafte Sprache. „Die Wolken scheinen an Angeldraht zu hängen: enorme, schwebende Ovale“, schreibt der Autor zum Beispiel über das drohende Unwetter, oder über die Angst seiner Tochter: „Kinderangst ist anders. Die lässt sich leicht vertreiben. Wie eine Lampe, die man an- und ausknipst: Man braucht bloß etwas vorzusingen oder sich eine Geschichte auszudenken.“ Aber auch philosophisch ist seine Sprache: „Kinder unterscheiden weiniger klar zwischen Traum und Wirklichkeit. Es wäre gut, wenn Erwachsene das auch öfter mal so hielten. Die Wirklichkeit ist manchmal ein Traum, würde ich sagen. Und umgekehrt.“

Was aber vor allem auffällt, sind die kurzen Sätze in ebenso kurzen Kapiteln in dem von Jenna Arts in Schwarz und Weiß interessant illustrierten Werk. „Ich wollte das Meer in das Buch holen“, so Heijmans. Er wolle den Leser geradezu spüren lassen, wie es ist auf einem kleinen Boot in der Nordsee. „Und wenn es spannend wird, ab Kapitel 20, dann werden die Sätze noch kürzer“, erklärte er. Diesen Rhythmus auch in der Übersetzung beizubehalten, sei eine große Herausforderung gewesen, so Braun, ebenso wie die Fachbegriffe des Segelns.

Wie sein erster Roman nach drei Sachbüchern entstanden ist, verriet Heijmans, der ansonsten als Journalist arbeitet, auch. Die ersten Seiten habe er als passionierter Segler schon lange im Kopf gehabt, erzählte er. Entstanden sei die eigentliche Geschichte jedoch dann erst beim Schreiben. Angst um seine Tochter habe er bei einem Ausflug in die Wüste in Marokko gefühlt, als sie plötzlich hinter einer Sanddüne verschwunden sei. Diese habe er aufs Boot transferiert. Enden habe es drei verschiedene gegeben, ehe er sich für eines entschieden habe. „Das ganze Buch war ein organischer Prozess“, so Heijmans.

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