Nichts hilft gegen die Hundekot-Plage

Von: Mirja Ibsen
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Anrüchiger Haufen: Was beim besten Freund des Menschen hinten rauskommt, sorgt immer wieder für Ärger – wenn es liegenbleibt. Hundekottütenspender helfen nur dort, wo sie stehen. Die Ordnungsämter können nur an die Einsicht der Halter appellieren. Foto: Mirja Ibsen
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Vorbildlich: Eva Ronkartz zieht ein Tütchen, für den Fall, dass Berner Sennenhündin Vanny ihr großes Geschäft am Wegesrand erledigt. Foto: Mirja Ibsen

Kreis Heinsberg. Glück? Ja, das könnte man haufenweise gebrauchen! Und es darf auch gerne an einem kleben bleiben. Aber woher bitteschön kommt der Aberglaube, dass der Tritt in einen Haufen Glück bringt? Es klebt, es schmiert, es stinkt! Wahrscheinlicher ist, dass Menschen, die nach einer Schuh-Hundekot-Begegnung die Nummer des Ordnungsamtes wählen, von einem Igitt- und keinem Glücksgefühl getrieben sind.

In der Gemeinde Selfkant erreichen die Anrufer Ordnungsamtsleiter Frank Bienwald, der voller Verständnis ist, weil das Problem kein neues ist. Bußgelder? Gibt es bereits. Verbotsschilder? Wirkung nicht nachweisbar.

Die Gemeinde versucht es seit Anfang 2016 mit Hundekotbeutelspendern. Sechs stehen bereit, sechs weitere sollen folgen.In dem Eimer darunter können die Beutel direkt entsorgt werden. Die Tüten werden regelmäßig aufgefüllt und die Behälter wöchentlich geleert. Für die Mitarbeiter des Bauhofes sei das keine besondere Belastung, sagt er. Unangenehmer sei es, wenn ihnen im Frühjahr bei den Freischneidearbeiten in den Grünanlagen die hündischen Hinterlassenschaften um die Ohren fliegen.

Ob das Aufstellen von Hundekotbeutelspendern hilft? „Die einen sagen ja, die anderen nein“, sagt Leo Lenzen-Polmans, Sachgebietsleiter Bereich Abfall in Erkelenz. „Es gibt Leute, die benutzen die Beutel und schmeißen sie doch in die Landschaft“, sagt er. Womit das Kotproblem durch ein Plastikproblem erweitert werde. Die Beutel landen in Gärten, Pflanzbeeten und auf Feldern. Mehr Mülleimer? Die würden gerne für Hausmüll zweckentfremdet, sagt Lenzen-Polmans.

Er persönlich hält es für zumutbar, den Beutel bis zum nächsten Mülleimer mitzunehmen. Das müffelnde Verdauungsprodukt des Vierbeiners sei ja gut verpackt. Er kennt sich aus, er hat selbst einen Hund. Er kauft sich auch seine Hundekotbeutel („ein Pfennigsprodukt beim Discounter“) selbst.

Wer keinen Beutel dabei hat, für den gibt es seit 2012 ebenfalls Hundekottütenspender in Erkelenz. Mit einem hat es auf eine private Initiative hin angefangen, inzwischen sind es 14. An der ersten Station wurden in einem Jahr 27 500 Beutel gezogen, im vergangen Jahr hat das Amt im Juli 150.000 Stück bestellt und im November bereits die selbe Anzahl nachgeordert.

Auch Wassenberg setzt schon länger auf Hundekottüten und in Heinsberg gibt es laut Pressesprecher Carsten Cordewener acht Beutelstationen, die meisten davon rund um das Naherholungsgebiet am Lago Laprello. „Sie werden gut frequentiert“, lautet die Auskunft, manche so gut, dass ganze Beutelrollen fehlen. „Die konnte dann jemand wohl gut gebrauchen.“

Gebrauchen konnten die Tüten auch die Kinder am Wasserspielplatz in Hückelhoven, erzählt Andrea Krebs, Leiterin des Ordnungsamtes der Stadt. Deshalb, und auch aus Umweltschutzgründen, hat die Stadt dort Papiertüten mit Pappschaufel in die Spender gefüllt. „Aber die wurden nicht gut angenommen“, sagt sie. Wahrscheinlich passten sie nicht so gut in die Jackentasche oder das Häufchen wollte nicht aufs Schäufelchen.

Hückelhoven hat die längste Erfahrung mit den Beutelspendern. Bereits im Jahr 2002 haben sie den ersten aufgestellt, zwei weitere folgten in 2004, den vierten allerdings hat die Stadt wieder abgebaut. Nach nur zwei Wochen hatten Unbekannte die Säule zerstört.

Die Häufchenplage bleibt. An Kindergärten, auf Spielplätzen, auf Feldern. Auch mit den Beuteln bekomme man das Problem nicht in den Griff, sagt Ulrich Lambertz, Pressesprecher der Stadt Wegberg, die seit 2008 Hundebesitzern die kostenlosen Tüten spendiert und auf den guten Willen der Halter hofft. An 16 Orten können sie sich die Häufchenhüllen ziehen, rund 100.000 Tüten gibt die Stadt jährlich raus. „Man kann immer nur an die Halter appellieren und das Thema regelmäßig ins Bewusstsein rufen“, sagt Lambertz.

In Wegberg haben die Hundehalter es deshalb noch mal schriftlich bekommen, wie mit dem Hundekot zu verfahren ist. Und zwar gleichzeitig mit dem jährlichen Abfallkalender. Denn Kot ist Müll und gehört in den selbigen. „Die Rücksichtslosigkeit von ein paar Hundebesitzern reicht aus, um das Hundekotproblem zum Thema zu machen“, sagt Bernd Görtz, Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales der Gemeinde Waldfeucht (eine Tütenstation am Waldweg), der überzeugt ist, dass viele sich daran halten, und das tierische Abfallprodukt ordnungsgemäß entsorgen, die wenigen Häufchenignoranten aber das Problem groß machen.

Weil Verbotsschilder, Steuererhöhung und Kacktüten gegen das große Igitt nicht helfen, hat Tönisvorst, eine mittelgroße Stadt am Niederrhein, jetzt Ighid – die Initiative gegen Hundekot in Deutschland. Ein Pilotprojekt, das helfen soll, die Stadt von Häufchen zu befreien. „Hundekot schürt Hundehass, Du und ich verhindern das“, so lautet der Wahlspruch der Ighid. Ihr Glücksrezept: „Das Sackige muss ins Eckige“.

Und weil das mit dem erhobenen Zeigefinger nicht funktioniert, setzt Initiator Burkhard Küppers auf Humor. Deshalb hängen jetzt an einigen Tönisvorster Zäunen und Haustüren Aufkleber mit markigen Sprüchen: „Kacktüte vergessen? Klingeln Sie ruhig. Wir beißen nicht.“ Freundschaftliche Angebote statt miesepetriger Verbotsschilder.

Wenn bei Wolfgang Schouten, Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung der Stadt Tönisvorst, das Telefon klingelt, geht es in den vergangenen Monaten ziemlich oft um die Wurst, weil Kollegen anderer Ordnungsämter wissen wollen, ob es funktioniert. Er sagt: Ja!

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