Nicht zur Wahl zu gehen, ist keine Option

Von: Christina Handschuhmacher
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Reichensteuer, Solidaritätszuschlag, EU-Hilfen: Alles Themen, die Lehrerin Birgit Fluher-Leithoff in ihrem Leistungskurs Sozialwissenschaften behandelt hat. Die Erstwähler fühlen sich dementsprechend gut vorbereitet auf den Wahlsonntag. Foto: Handschuhmacher

Hückelhoven. Donnerstag ist Nico Giesen 18 Jahre alt geworden. Er darf nun Auto fahren, Verträge abschließen, sich auch nach 24 Uhr noch in Clubs rumtreiben – und wählen. Wie passend, dass in zwei Tagen Bundestagswahl ist. Nico ist wohl einer der jüngsten der rund 700.000 Erstwählern in Nordrhein-Westfalen, die bei der Bundestagswahl am Sonntag an die Wahlurne treten werden. Drei Millionen sind es bundesweit. Nicht nur zahlenmäßig eine wichtige Zielgruppe für die Politiker.

Doch wie ticken die Erstwähler? Was bewegt sie? Und wie bereiten sie sich auf den Wahlsonntag vor? Dominik Peicka, Dominik Konrad, Verena Mahr, Vebi Bajranov und Nico Giesen sind Schüler am Hückelhovener Gymnasium – und sie sind Erstwähler. Intensiv angesprochen vom Bundestagswahlkampf fühlen sie sich aber nicht. „Die einzige Partei, die uns mit einem Brief direkt als Erstwähler angeschrieben hat, ist die CDU“, sagt Dominik Peick. „Das fand ich gut.“ Die anderen nicken zustimmend.

Erst- und Zweitstimme?

Doch das große Werben der Parteien ist gar nicht unbedingt nötig – das Interesse an Politik ist bei den fünf Oberstufenschülern schon vorhanden. Sie alle wissen bereits, welcher Partei sie am Sonntag ihre Erst- und Zweitstimme geben werden. Die Entscheidung haben sie sich dabei nicht leicht gemacht.

„Ich habe mir die Programme aller Parteien im Internet durchgelesen und verglichen“, erzählt Verena. Das TV-Duell haben alle fünf verfolgt, auch wenn keiner der Kandidaten für sie als Sieger daraus hervorgegangen ist. Und sie haben den Wahlomat – ein Orientierungsangebot der Bundeszentrale für politische Bildung, bei dem die aktuellen Positionen der Parteien mit den eigenen abgeglichen werden können – genutzt.

Hundertprozentig überzeugt sind sie von diesem Angebot dennoch nicht. „Das Ergebnis ist nicht wirklich konkret“, kritisiert Vebi. „Wenn man bei einer These nicht mit einer Partei übereinstimmt, wird man direkt in eine ganz andere politische Ecke gedrängt.“

Wahlomat – ja. Aber bestenfalls als Entscheidungshilfe. „Ich denke, dass viele das, was da bei ihnen als Ergebnis rauskommt, einfach für bare Münze nehmen. Ohne noch einmal darüber nachzudenken und sich wirklich mit den Inhalten auseinanderzusetzen“, befürchtet Dominik Konrad.

Reichensteuer, Solidaritätszuschlag, EU-Hilfen – für die fünf Schüler sind das keine Fremdbegriffe. Im Leistungskurs Sozialwissenschaften haben sie sich mit vielen dieser Themen auseinandergesetzt. „Derzeit behandeln wir den europäischen Integrationsprozess“, sagt Lehrerin Birgit Fluher-Leithoff. „Alles rund ums Thema Wahl stand schon in der Mittelstufe auf dem Stundenplan.“

Dementsprechend gut vorbereitet fühlen sich die fünf Gymnasiasten auch vor ihrer ersten Wahl. Von Politikverdrossenheit und Desinteresse keine Spur.

„Ich kenne einige Leute, die nicht wählen gehen. Die sind einfach zu faul, um sich mit dem Thema Politik auseinanderzusetzen“, sagt Vebi Bajranov. Für die fünf Erstwähler vom Gymnasium Hückelhoven ist es keine Option, nicht zur Wahl zu gehen. Nico wird mit der Familie zum Wahllokal gehen, Verena hat sich mit ihrem Freund verabredet und Dominik Peick und Dominik Konrad wollen mit der ganzen Clique zusammen ins Wahllokal.

Verständnis für frustrierte Nichtwähler haben die fünf Jugendlichen nicht. „Ich glaube, dass viele denken, dass ihre Stimme alleine nichts bringt. Aber das ist doch totaler Quatsch“, sagt Verena. „Wo würde das denn hinführen, wenn alle so denken würden?“

„Wir können froh sein, dass wir das Recht haben, wählen zu gehen“, sagt Nico. „Ich kann nicht verstehen, dass es Leute gibt, die das nicht nutzen.“

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