Nicht nur die Musik des Don-Kosaken-Chores berührt

Von: mb
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Ein Genuss: Das Ensemble unter der Leitung von Wanja Hlibka verzückte die Zuhörer in Beeck. Foto: Monika Baltes

Wegberg-Beeck. Die kraftvollen Stimmen füllten nicht nur den weiten hohen Kirchenraum der St.-Vincentius-Kirche in Beeck, sondern die Herzen ihrer 500 Zuhörer gleich mit. Bis auf den letzten Platz besetzt war die Kirche, als der Don-Kosaken-Chor Serge Jaroff unter der Leitung von Wanja Hlibka im Altarraum Aufstellung nahm.

Russisch-orthodoxe Kirchenmusik, Volksmusik und Folklore präsentierte das 16-köpfige Ensemble in seinem unverwechselbaren Sound.

Im ersten Teil des Konzertes – der Kirchenmusik gewidmet – erklang die große Bittlitanei mit dem Vater unser, wurde das Erbarmen des Herrn erfleht, die Mahnung zum Gebet ausgesprochen. Im zweiten Teil erklangen berühmte Weisen aus der Volksmusik. Ein „Schneegestöber“ wurde durch die Kirche gewirbelt, die wahre Geschichte der „Zwölf Räuber“ besungen und die sehnsuchtsvollen „Abendglocken“ geläutet. Es gab kein Entkommen vor der Gänsehaut und dem Staunen, was 16 außergewöhnliche Stimmen bewirken können. Jede einzelne Darbietung wurde vom Publikum mit langanhaltendem Applaus belohnt.

Serge Jaroff gründete den Chor 1921 und führte ihn zu Weltruhm. Er trat in den größten Konzertsälen und Kathedralen der Welt, in Königshäusern und vor Staatsmännern auf. 1967 wurde Wanja Hlibka als jüngster Solist in den Chor aufgenommen. Serge Jaroff starb 1985, sein Wunsch war, dass Wanja Hlibka den Chor weiterführen sollte.

Bereits zum vierten Mal wurde der Don-Kosaken-Chor vom Kulturförderkreis Opus 512 präsentiert. Und doch gab es an diesem Tag auch eine Premiere, denn einen Teil seiner Begrüßungsrede hielt Geschäftsführer Heinrich Heinen englischsprachig. Eine Reminiszenz an die eingeladenen 35 Flüchtlinge. Die Geschichte des Don-Kosaken-Chores hatte Opus 512 zum Anlass genommen, Flüchtlingen, die in Wegberg auf ihre Registrierung warten, auf Anerkennung und Asyl hoffen, für ein paar Stunden den Alltag vergessen zu lassen.

Serge Jaroff hatte den Chor in einem Internierungslager bei Istanbul gegründet. Er bestand aus Flüchtlingen, internierten Offizieren der russischen Armee, die aus Russland in die Türkei geflohen waren. „Nehmen sie ihr Leben in die Hand und seien sie uns herzlich willkommen“, begrüßte Heinrich Heinen die Flüchtlinge, zu denen sich auch der Hausherr der Kirche, der Wegberger Pfarrer Franz Xaver Huu Duc Tran gesellt hatte. „Wir wollen durchaus aus Vorbild verstanden werden“, sagte Heinen am Rande der Veranstaltung und hoffte, dass auch andere Veranstalter sich entschließen, Flüchtlinge in das kulturelle Leben einzubinden.

Ein besonderer Abend, der in vielfältiger Weise berührte und den klangvollen Beweis lieferte, dass Musik die Menschen über Grenzen und Nationalitäten hinweg verbindet.

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