Nicht nur an der Küste wird gesegelt

Von: Anna Petra Thomas
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Gerade erst haben wieder 13 Kinder ihren Jüngstenschein im Seglen bestanden, beim Angebot „Segeln für Kids“ in Kooperation mit dem Kreissportbund. Foto: Anna Petra Thomas
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Der Spaß kommt beim Segeln der Kinder nie zu kurz. Da geht es auch schon mal richtig bunt zu.

Wassenberg-Effeld. Eine bewegte Geschichte liegt hinter einem Effelder Verein, der am Freitag, 18. August, mit einem Festbankett im Bürgerhaus sein 50-jähriges Bestehen feiert. Dabei betreibt er einen Sport, den man auf Anhieb so gar nicht ins Rheinland verorten würde.

Dennoch fanden sich in den 1960er-Jahren, als das Segeln zudem für die meisten Menschen der Region noch als eher elitärer Sport galt, etwa 20 Frauen und Männer zusammen, um am Effelder Waldsee einen Segelclub zu gründen. Und das, obwohl die Kiesbaggerei, die den damals rund 50 Morgen großen See hinterlassen hatte, noch in Betrieb war.

Fast gescheitert wäre die Gründung im Jahre 1967 daran, dass der damalige Pächter des Sees den Club nur für ein Jahr zur Probe zulassen wollte. So geht es aus dem Protokoll der Gründungsversammlung des „Segelclub Effelder Waldsee 1967“ im Haus Wilms vom 11. August 1967 hervor.

Als man sich dann auf mindestens drei Jahre geeinigt hatte, legte sich die „stürmische Diskussion“, so das Protokoll. Unter der Ägide des Gründungsvorsitzenden Theo Krifft begann der Verein im Juni 1968 mit dem Bau eines ersten Steges am See. 1969 gab‘s die erste Regatta mit sieben Booten. 1971 wurde der Verein in den Seglerverband Nordrhein-Westfalen aufgenommen.

Obwohl die Fläche des Waldsees inzwischen auf etwa 80 Morgen angewachsen war, war er mehreren Clubmitgliedern zu klein. Sie wanderten ins nahe gelegene Roermond ab zum Yachthafen Hatenboer. Um sie als Mitglieder im Verein zu halten, wurde er 1974 offiziell in „Segelclub Wassenberg- Roermond 1967“ umbenannt. Vor 40 Jahren entstand dann das erste Clubheim am See, noch in Form eines fest verankerten Zelts.

Weitere zehn Jahre später zählte der Verein bereits 95 Mitglieder, davon 24 Jugendliche. 1990 wurde der Segelclub Mitglied der Interessengemeinschaft Effelder Vereine. Heute ist er aus dem Dorfleben nicht mehr wegzudenken, nicht nur mit seinem eigenen Sommerfest, sondern auch dank seiner leckeren Reibekuchen, die er jedes Jahr wieder auf dem Effelder Spargelfest verkauft.

Für seine Mitglieder organisiert der Verein nicht nur Regatten auf dem Waldsee, sondern auch Segel- und Motorboottörns im In- und Ausland. Zudem nahmen in mehreren Jahren zwischen 1998 und 2003 Vereinssegler mit seegehenden Yachten erfolgreich an Regatten teil, die für den NRW-Cup gewertet wurden.

2010 kam der Schock

2010 kam dann der Schock für den Verein, als er von den neuen Plänen der Stadt für den Effelder Waldsee erfuhr. Schweren Herzens räumte auch er dann Anfang 2013 seine Habe in einen Seecontainer, der ihm vom neuen Pächter zur Verfügung gestellt worden war mit der Zusage, nach der Neugestaltung des Geländes an alter Stelle wieder heimisch werden zu dürfen. Im Mai 2014 wurde dann mit einem Tag der offenen Tür das neue hölzerne Clubheim des Vereins eröffnet.

Mehr als 15 seiner Mitglieder habe der Verein in dieser Übergangszeit verloren, erzählt Vorsitzender Manfred Peggen. „Wir hatten Angst auszubluten. Aber wir haben heute wieder das Niveau erreicht, das wir vorher hatten.“ 75 Mitglieder zählt der Verein derzeit. Davon sind 30 Jugendliche. Und gerade am vergangenen Wochenende haben wieder 13 Kinder im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren ihren Jüngstenschein bestanden beim „Segeln für Kids“, das der Verein als Kooperationsprojekt mit dem Kreissportbund anbietet.

„Wir sind zufrieden“, sagt Peggen. „Wir haben den Verlust wieder aufgeholt.“ Henry Maessen, neuer Pächter des Waldsees, ist Schirmherr der Jubiläumsfeierlichkeiten. „Wir kommen nebeneinander vernünftig aus“, so Peggen, der jetzt für den Verein wieder in eine gute Zukunft blickt. Nicht nur Segelscheine bietet er an auf elf eigenen Jugendbooten, vier Jollen und zwei Kielbooten. Erst im vergangenen Jahr wurde auch ein Motorboot angeschafft, das für offizielle Führerscheinprüfungen zugelassen ist.

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