Neujahrsempfang in Erkelenz: Positiver Rückblick auf das Jahr

Von: Helmut Wichlatz
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Immer wieder ein Thema in Erkelenz: der Braunkohletagebau Garzweiler. Die Stadt möchte gemeinsam mit den Kommunen Mönchengladbach, Titz und Jüchen „den Strukturwandel vor Ort und in der Region selbst gestalten“, sagte Bürgermeister Peter Jansen. Foto: Gerhards
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7000 Quadratmeter Fläche sinnvoll vermarkten: Bürgermeister Peter Jansen sprach über die Entwicklung des Areals am alten Amtsgericht. Foto: Wichlatz

Erkelenz. Den Neujahrsempfang in der Stadthalle nutzte Bürgermeister Peter Jansen zu einem Rückblick auf das Jahr 2016 sowie einem Ausblick auf die Ziele und Aufgaben des neuen Jahres. Jansen fand aber auch kritische und warnende Worte zum derzeitigen Zustand der Gesellschaft.

Respektlosigkeit, Aggression und Gewalt nähmen in der Gesellschaft zu. Dies erlebten vor allem Menschen, die „im Dienst der Allgemeinheit stehen“. Gleichzeitig sei die Erwartungshaltung an den Staat und seine Einrichtungen gestiegen. Dabei sei das Gefühl von Krise nicht neu.

„Es hat zu allen Zeiten Krisen und Katastrophen gegeben“, sagte Jansen. Er erinnerte unter anderem an die Terroristen der Rote-Armee-Fraktion, die jahrelang die Republik in Atem gehalten hatte. „Es gab immer Zeiten der Trauer und Probleme, die es zu lösen galt“, sagte er. „Und es gab immer Menschen, die angepackt und Verantwortung übernommen haben.“

Bekenntnis zum Rechtsstaat

Jansen forderte ein klares Bekenntnis zur rechtsstaatlichen und demokratischen Gesellschaftsform. „Wir alle sind aufgefordert, zu zeigen, dass sich unsere Staatsform gegen Angriffe zur Wehr setzen kann“, sagte er. Diese Botschaft gebe er auch den Bundes- und Landtagsabgeordneten, die zum Neujahrsempfang gekommen waren, mit auf den Weg: „Der Staat muss im Einsatz für unsere Werte Zähne zeigen. Lassen Sie radikalen Strömungen keinen Freiraum.“

Dann richtete Jansen die Aufmerksamkeit wieder auf Erkelenz und eine gute Nachricht. Denn im November vorigen Jahres konnte erstmals die „magische Grenze“ von 46 000 Einwohnern geknackt werden. „Noch nie lebten mehr Menschen in Erkelenz“, betonte er. Und dies, obwohl Teile des Stadtgebietes dem Tagebau zum Opfer fallen. Diese Zahlen seien das Ergebnis der Standortpolitik. Auch weiterhin werde auf den Zuzug und die Förderung junger Familien und Unternehmen gesetzt. Aber auch die Integration der rund 700 Flüchtlinge, die derzeit in Erkelenz leben, gehörten zu diesen Aufgaben.

Möglich geworden sei diese positive Entwicklung auch durch die finanziellen Spielräume, die sich die Stadt in den vergangenen Jahren erarbeitet habe. „Früh agieren und nachhaltig entscheiden, bedeutet Probleme zu verhindern oder zu minimieren“, fasste er die Arbeitsweise von Stadtverwaltung und Politik zusammen. Die Ergebnisse dieser Politik ermöglichten es, die Gebühren und Steuern nicht anheben zu müssen, wovon die Bürger direkt profitierten. Kurz: Erkelenz ist attraktiv. Dies schlage sich auch auf die Geburtenzahlen nieder, die weiter ansteigen. 1046 Geburten verzeichnete das Hermann-Josef-Krankenhaus im vergangenen Jahr.

Eine weitere Erfolgsgeschichte in Erkelenz ist der Gewerbe- und Industriepark Gipco. Dort wird wieder gebaut und in den kommenden Wochen werden die letzten Kaufverträge unterschrieben. Nun rückt das Gelände des alten Amtsgerichts sowie des angrenzenden Gesundheitsamtes und der Polizeiwache am Bahnhof in den Fokus. Rund 7000 Quadratmeter Fläche gilt es sinnvoll zu vermarkten. Das Interesse der Anwohner und des Handels an der Planung sei groß, betonte Jansen.

„Wir bleiben dran“

Bei so vielen Erfolgsgeschichten fiel der Wermutstropfen Bahnunterführung kaum ins Gewicht. Das Projekt im Planungs- und Prüfverfahren musste gestoppt werden, weil „die Bahn nicht so schnell vorankommt, wie sie gewollt hat“, sagte Jansen. Daher konnten die Fördermittel seitens des Landes nicht zugesagt werden. Nun bleibe abzuwarten, ob zukünftig ein ähnliches Förderprogramm erneut aufgelegt werde. „Wir bleiben dran“, versprach er.

Die Entwicklungen beschränkten sich jedoch nicht auf den Stadtkern. Auch in den Ortschaften, die in ihrer Gesamtheit das Bild der Stadt prägen, wird in die Infrastruktur investiert. In Venrath und Kaulhausen haben die Bürger mit dem Dorfentwicklungsprozess begonnen. Unter professioneller Anleitung erarbeiten sie Zukunftsperspektiven für ihre Orte am Tagebaurand. Dass dieser Rand nicht wie in Holzweiler 400 Meter vom Ort entfernt liegen werde, sei dem „mangelnden Mumm“ der Landesgremien geschuldet, dies in der Leitentscheidung durchzusetzen.

Jansen hob die Bedeutung des Zweckverbandes hervor, den Erkelenz gemeinsam mit den Kommunen Mönchengladbach, Titz und Jüchen gründet. Er sei wichtig, damit nicht „über uns hinweg geplant wird und wir den Strukturwandel vor Ort und in der Region selbst gestalten“, betonte Jansen.

Musikalisch wurde der Empfang von der Juniorband des Städtischen Musikvereins begleitet. Zu Beginn des Empfangs wurde auch das „Liber Juris patriae“ überreicht. Das Rechtsbuch stammt aus der Feder von Mathias Baux und kehrte nach 98 Jahren nach Erkelenz zurück, wo es im Stadtarchiv seine neue Heimat finden wird. Zuletzt war es im Aachener Stadtarchiv aufbewahrt worden.

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