Neues Kunstprojekt für Patienten im Fachkrankenhaus für Psychiatrie

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Entwicklungsschritte von der Raupe zum Schmetterling – so die Beschreibung der Kreation. Künstlerisch aus und in der Natur empfunden von Patienten der Fachklinik.

Gangelt. „Die Atmosphäre in der wunderschönen Heidelandschaft inspirierte mich in einer Art und Weise, die ich nicht mehr für möglich gehalten hätte“, sagt Michael A. „Nicht zuletzt durch meine Erkrankung war vorher jegliche Kreativität in mir erloschen.“

Der 49-Jährige war einer von elf Patienten des Krankenhaus Maria Hilf in Gangelt, die an dem Projekt „Land Art“ teilgenommen haben. Hierbei fuhr Ende September eine Gruppe psychisch kranker Menschen in Begleitung zweier Therapeutinnen in die Brunssumer Heide. Dort erlebten sie ein kunsttherapeutisches Angebot, das es so vorher für Patienten des Fachrankenhauses für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik noch nicht gegeben hatte.

Ausgerüstet mit einem Leinenbeutel zum Sammeln von Utensilien, kreierten die Patienten ganz individuelle Kunstwerke – und das lediglich aus Materialien, welche die Natur bot. Blätter, Äste, Steine, Blüten, Tannenzapfen und vieles mehr verarbeiteten die Patienten einzeln oder in Kleingruppen.

Die Idee zu diesem Ausflug und dem Projekt „Land Art“ stammten von der Kunsttherapeutin Jana-Maria Schütz und der Sozialpädagogin Anja Klevers. „In meinem Studium durfte ich selbst erfahren, auf welche besondere Art und Weise die Natur helfen kann, sich mit der eigenen Identität und den Themen Wertschätzen und Loslassen auseinanderzusetzen. Das wollte ich auch den Patientinnen und Patienten ermöglichen“, sagt Jana-Maria Schütz.

Ihre Kollegin Anja Klevers fügt hinzu: „Außerdem war es uns sehr wichtig, dass die Patienten, die stationär oder ambulant von uns betreut werden, keinen Druck empfanden. Grundsätzlich war es zwar das Ziel, etwas zu gestalten, aber das war kein Muss.“

Mit den an Depressionen, Persönlichkeits- oder Angststörungen Erkrankten fuhren die beiden Mitarbeiterinnen des Fachkrankenhauses bewusst an einen abgeschiedenen Ort. In der Brunssumer Heide in den Niederlanden hatte die heterogene Patientengruppe – bestehend aus Frauen und Männern im Alter von 25 bis 70 Jahren – die Möglichkeit, sich konzentriert und entspannt dem Projekt zu widmen.

„So gelang es, dass sich die Patienten intensiv mit sich selbst und ihren Kunstwerken auseinandersetzen konnten“, berichtet Jana-Maria Schütz.

„Beim Erstellen der Kunstwerke sollten die Teilnehmer des Ausflugs nur das nutzen, was die Natur uns bietet – ohne zusätzliche Hilfsmittel. Es sollte so sein wie auch im realen Leben, wo jeder Mensch mit dem Vorhandenen zurechtkommen muss, auch wenn die Situation nicht perfekt ist. Trotzdem macht man im optimalen Falle das Beste daraus“, so die Kunsttherapeutin.

Bewusst genießen

Sogar von Kleinigkeiten, wie beispielsweise einer Baumrinde, und auch der Schönheit der Natur an sich seien die Patienten begeistert gewesen: „Schon nach kurzer Zeit konnten sie das Projekt ganz bewusst genießen. Hierdurch geriet die jeweilige Erkrankung für einige Stunden komplett in den Hintergrund“, sagt Anja Klevers. Und bei vielen sei sogar eine dauerhaft positive Auswirkung bemerkbar gewesen.

Aufgrund des großen Erfolges des ersten Termins fand bereits ein zweiter statt. Mitte Oktober fuhren die beiden Frauen mit zwölf Patienten in den Wassenberger Wald. Weitere Ausflüge sind schon geplant: „Auf jeden Fall möchten wir auch den Winter nutzen, wenn Schnee liegt. Und ganz tolle Kunstwerke ließen sich sicher im Sand am Meer schaffen. Diese und viele andere Möglichkeiten, die die Natur uns bietet, wollen wir gerne noch ausschöpfen.“

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