Neues Jobcenter: Sechs Millionen Euro schaffen kurze Wege

Von: Rainer Herwartz
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In der ehemaligen Landwirtschaftsschule an der Westpromenade ist derzeit das Hauptzentrum des Jobcenters untergebracht. Foto: Herwartz
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Der große Kran steht ziemlich genau in der Mitte des zukünftigen Neubaus. Links davon ist das Amtsgericht zu erkennen und im Hintergrund rechts das Hauptgebäude der Raiffeisenbank Heinsberg. Foto: Herwartz
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Rainer Florack zeigt, wie das 56 Meter lange Jobcenter einmal aussehen wird. Foto: Herwartz

Heinsberg. Der Kran, der auf dem 5000 Quadratmeter großen Grundstück hinter dem Heinsberger Amtsgericht in den Himmel ragt, markiert das Zentrum eines riesigen Neubaus, der ab September nächsten Jahres die neue Heimat des Jobcenters Kreis Heinsberg sein soll. Zu sehen ist davon derzeit noch kein Stein.

 Am Ende jedoch, da ist Rainer Florack sicher, wird hier ein imposantes Gebäude stehen mit einer Nutzfläche von 2855 Quadratmetern und 102 Parkplätzen. Der Bedarf nach einer Zentralisierung der Niederlassungen an der Heinsberger Westpromenade, der beiden an der Schafhausener Straße und der an der Schulstraße in Waldfeucht-Bocket sei in einer Ausschreibung kundgetan worden, sagt Florack.

„Vor etwa zwei Jahren entstanden die ersten Planungsentwürfe, die allerdings noch sieben Mal aktualisiert werden mussten.“ Florack erinnert sich noch gut an die spannende Zeit. Schließlich ging es um eine Gesamtinvestition von 5,8 Millionen Euro. Und eine nicht unerhebliche Summe, die schon durch die Planungen verschlungen wird, ohne dass die Gewissheit eines Zuschlags besteht.

Das Jobcenter wird lediglich der Mieter der Immobilie sein. Um das ambitionierte Projekt zu finanzieren, holte sich Florack noch eine weitere heimische Größe der Wirtschaftswelt mit ins Boot.

Gemeinsam mit Jozef Ravnak, dem überaus erfolgreichen Chef und Eigner des Zierfischspezialisten Sera gründete Florack zu diesem Zweck die Flora 50 KG. Der Name Flora setzt sich dabei zusammen aus den ersten Namensteilen von Florack und Ravnak. Die Zahl 50 steht für die spätere Hausnummer des neuen Gebäudes.

„Wir fangen stets mit dem Brandschutz an, noch vor der Statik, denn Personenschutz ist immer noch das Wichtigste“, erzählt Florack von den Anfangsüberlegungen. In der Rohbauphase, die spätestens im Januar nächsten Jahres abgeschlossen sein soll, seien etwa 25 Mitarbeiter auf der Baustelle beschäftigt.

Doch dann wird diese Zahl ebenso rasant in die Höhe schnellen wie der Bau. „Von dann ab dürften etwa 100 Arbeitskräfte für den schlüsselfertigen Ausbau sorgen.“

Fünf Etagen werden bis auf 16 Meter empor wachsen. Die Fassade wird in grauem und weißem Putz gehalten sein. Das Portal entsteht aus Stahlbeton-Fertigteilen. Allein 330 Fenster werden sich über eine Länge von 56 Metern auf Vorder- und Rückseite des Gebäudes verteilen.

An den Kopfenden des 12,5 Meter breiten Baukörpers werde es hingegen keine Fenster geben, erläutert Florack, „weil die Fluchttreppen hier angelegt sind“. Ach ja, da dominiert er dann wieder, der Gedanke an den Brandschutz.

75 Mitarbeiter des Jobcenters dürfen sich laut Florack auf neue, moderne Räume freuen. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass sich ebenso viele Kunden nahezu ständig in den Räumen aufhalten werden.

Das Gebäude ist bereits für 15 Jahre angemietet. Genauer gesagt, bis zum 31. August 2029. „Nach den 15 Jahren stellt sich für uns die Frage, bleibt das Jobcenter oder nicht?“ Eventuell würden ja auch wieder Teile ausgegliedert.

„Dann müssten wir gegebenenfalls in der Lage sein, das Gebäude kleinteilig für Nachmieter bereitzustellen, daher war die Teilbarkeit ein vorrangiges Planungselement.“

Aus diesem Grund erstrecken sich über die fünf Etagen auch insgesamt zehn eigenständige Einheiten. „Das reicht von der separaten Heizung über die Stromzähler und WC-Anlagen bis hin zu eigenen EDV-Leitungen. Ja sogar der eigene Klingelknopf und der jeweilige Türöffner sind schon vorhanden.“

Besonders wichtig ist Florack in diesem Zusammenhang das Thema Energie. Denn die Wärmeversorgung erfolge mit Biogas. „Hinter dem Gebäude in Richtung Robert-Bosch-Straße wird ein Blockheizkraftwerk entstehen zur Versorgung, das sein Biogas aus der Biogasanlage in Schafhausen bezieht.“

Für den Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Heinsberg, Helmut Nobis, bedeutet die Zentralisierung der Abteilungen im Neubau an der Schafhausener Straße eindeutig eine Optimierung der Arbeitsmöglichkeiten. Das Jobcenter als Anlauf- und Betreuungsstelle für alle Menschen, die Leistungen zur Eingliederung in Arbeit und zur Sicherung des Lebensunterhalts in Form von Arbeitslosengeld II, Sozialgeld und Leistungen für Bildung und Teilhabe nach dem Sozialgesetzbuch II beziehen, erhalte eine neue Struktur, erläutert er.

„Zurückgehend auf einen Ende 2010 gefassten Beschluss der Trägerversammlung der damaligen Arge im Kreis Heinsberg und des heutigen Jobcenters erfolgt eine Konzentration auf vier Standorte in den Städten Heinsberg, Geilenkirchen, Erkelenz und Hückelhoven.

Damit wird die bisher auf zwölf Geschäftsstellen an acht Standorten aufgegliederte Struktur auf künftig noch vier Geschäftsstellen zentralisiert, wo die rund 240 Mitarbeiter als Ansprechpartner für die Kunden zu finden sein werden.“ Letztere würden von der Zentralisierung auf jeden Fall profitieren, da die oftmals recht komplexen Verwaltungsabläufe verbessert werden könnten, ebenso wie die gesamte Aufbau- und Ablauforganisation.

Bisher sei die Arbeit der vielen Geschäftsstellen mit entsprechenden Kleinsteinheiten nur sehr schwer zu steuern gewesen. „Unvermeidbare Personalausfälle vor Ort werden in Zukunft in größeren Geschäftsstellen wesentlich besser aufgefangen werden können, um längere Bearbeitungszeiten zu verhindern“, ist Nobis zuversichtlich.

„Nach der Umsetzung der Umstrukturierung und der räumlichen Konzentration werden die Kunden ihre Ansprechpartner in der Regel unter einem Dach vorfinden und müssen nicht mehr örtlich voneinander getrennt liegende Geschäftsstellen zur Erledigung ihrer Angelegenheiten aufsuchen.“ Bis Ende 2014 soll die Standortkonzentration und die damit einhergehende Neuorganisation des Jobcenters Kreis Heinsberg abgeschlossen sein.

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