Neues Geschäftsfeld der Firma Essedea zeigt viel Innovationskraft

Von: Daniel Gerhards
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Die Essers-Gruppe setzt auf Wachstum: Essedea entwickelt dreidimensionale Textilien, die zum Beispiel als Nebelfänger im Atlasgebirge eingesetzt werden. Foto: Trautwein, WasserStiftung Aqualonis
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Die dreidimensionale Textilien werden auch als Matratzen eingesetzt. Das Unternehmen arbeitet daran, solche Textilien für den Einsatz in industriellen Beschichtungsprozessen und in der Wasseraufbereitung zur Marktreife zu bringen. Foto: Daniel Gerhards
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In der Schärerei werden Fäden von Hunderten Spulen große Rollen und später auf sogenannten Kettbäume gewickelt. Foto: Daniel Gerhards
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In der Schärerei werden Fäden von Hunderten Spulen große Rollen und später auf sogenannten Kettbäume gewickelt. Foto: Daniel Gerhards
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Sie setzen auf Wachstum: Heinz-Willy Essers (v.l.), Julia Essers-Gullanger und Philipp Essers. Foto: Brunn

Wassenberg. Man muss schon etwas genauer hinschauen, um die vielen dünnen Fäden, die von Hunderten Rollen herunterlaufen, genau zu verfolgen. Dass daraus irgendwann einmal Auto-Airbags, Flughafen-Transportbänder oder Funktionsjacken werden, ist an dieser Stelle noch sehr schwer vorstellbar.

Die Schärerei Essers aus Wassenberg steht mit ihrer Arbeit eben ziemlich am Anfang der Produktionskette. Mit ihren industriellen Dienstleistungen ist die Schärerei Essers seit vielen Jahren erfolgreich am Markt. Daneben soll Essedea, das zweite Unternehmen der Essers-Gruppe, neue Geschäftsfelder auftun. Wie viel Innovationskraft in der Firma steckt, zeigte sie kürzlich beim Wettbewerb AC2, bei dem sie den zweiten Platz im Wachstumswettbewerb belegte.

Die dreidimensionalen Textilien, die optisch etwas an Bienenwaben erinnern, könnten zum Beispiel auch zum Filtern von Farbbeschichtungen in der Industrie eingesetzt werden oder zur Wasseraufbereitung in Kläranlagen. So haben es Seniorchef Heinz-Willy Essers, Tochter Julia Essers-Gullanger und Sohn Philipp Essers jedenfalls in ihrem Wachstumsplan vorgesehen. Zumindest die textilen Filter könnten im kommenden Jahr marktreif werden, sagt Julia Essers-Gullanger.

Strategische Fragen

Einen solchen Wachstumsplan zu erstellen, war für die Führungsriege des Familienunternehmens ein Anlass, noch einmal über das Grundsätzliche nachzudenken. „Ab und zu muss man innehalten und sich strategische Fragen stellen“, sagt Heinz-Willy Essers. Es ging um die Zukunft der Firma: „Wo wollen wir hin mit dem Unternehmen?“

Ein Projekt, das Essedea bereits seit einigen Jahren verfolgt, zeigt, wie vielfältig die Möglichkeiten in diesem Geschäft sind. Im nebel- und windreichen aber ansonsten sehr trockenen Antiatlasgebirge in Marokko stehen Nebelfänger, die das Wassenberger Unternehmen mit entwickelt hat. Und die funktionieren so: Der Wind treibt den Nebel durch feinmaschige Kunststoffnetze, die senkrecht aufgehängt sind. Dabei lagern sich kleinste Tropfen am Netz ab und vergrößern sich durch nachfolgende Tröpfchen, bis die Schwerkraft sie nach unten zieht. Dort kann das Wasser über eine Rinne in den Auffangbehälter fließen.

Bei dem Projekt im Antiatlasgebirge seien 1750 Quadratmeter Netzfläche installiert worden, das bringe an sehr nebelreichen Tagen bis zu 35 000 Liter Wasser, womit 800 Menschen und mehr als 1000 Tiere versorgt werden könnten. „Bisher sind die Mädchen und Frauen dort den ganzen Tag zum Brunnen gegangen, um Wasser zu holen. Jetzt können die Kinder in die Schule gehen“, sagt Julia Essers-Gullanger.

Auch in diesem Geschäftsfeld gibt es Wachstumschancen für Essedea. Denn die Nebelfänger funktionierten in vielen Regionen auf der Welt, und kalifornische Weinbauern seien auch schon an der Technik interessiert, sagt Heinz-Willy Essers.

Um solche Projekte voranzutreiben, braucht es viel Innovationskraft, die die Essers-Gruppe zum Beispiel auch durch Kooperationen mit Universitäten stärkt. „Wir sind auf sehr vielen Feldern Pioniere. Es gibt keine direkt vergleichbaren Produktlösungen“, sagt Julia Essers-Gullanger. Dafür braucht der 55 Mitarbeiter große Familienbetrieb eine Menge Know-how. „Wir profitieren dabei von unserer mehr als 100 Jahre langen Erfahrung“, sagt Heinz-Willy Essers.

1912 ist das Unternehmen als klassische Weberei gegründet worden. Als 1977 auf dem innerstädtischen Gelände nahe der Burg Wassenberg Bergschäden auftraten, verkaufte man das Areal an die Zeche Sofia-Jacoba und zog hinaus in das Industriegebiet Forst. Man konzentrierte sich in der Folge auf das Schären von sogenannten Kettbäumen, was noch heute das Kerngeschäft von Essers ist. Ab 1985 vergrößerte sich das Unternehmen sukzessive auf heute 5300 Quadratmeter bei der Schärerei Essers und 1500 Quadratmeter bei Essedea.

In dieser Zeit habe das Unternehmen den Wandel von der Arbeit mit reiner Seide und Baumwolle zu modernen Kunststoffen und Glas durchgemacht. „Ziel unserer Aktivitäten war immer, uns als Spezialist für viele Aufgaben zu qualifizieren“, sagt Heinz-Willy Esser.

Mit 67 Jahren denkt Heinz-Willy Essers natürlich auch schon mal an den Ruhestand. „Wenn es Essedea nicht gäbe, wäre ich eher geneigt gewesen, aufzuhören. Aber diese interessanten Themen lassen einen nicht los“, sagt er. Und wenn man mit Heinz-Willy Essers durch die Produktionsräume seiner Firma geht, dann spürt man diese Begeisterung, wenn er erklärt, wie die vielen Fäden von den einzelnen Spulen zusammenlaufen.

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