Neues Gerätehaus der Feuerwehr: Myhler fürchten um Sicherheit der Kinder

Von: Rainer Herwartz
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Der Neubau soll auf dem Parkplatz mit Kinderhaltestelle an der Schulstraße entstehen, gleich links neben dem Gebäudekomplex der Kindertagesstätte Rosengarten und der KGS Myhl. Foto: Herwartz
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Das alte Feuerwehrgerätehaus in Myhl an der St.-Johannes-Straße ist nicht mehr zeitgemäß. Nach Ansicht von Franz Phlippen wäre jedoch ein Grundstück an der L 19 (hinter der Baumgruppe) weit besser geeignet. Foto: Herwartz
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Nach Ansicht von Franz Phlippen wäre jedoch ein Grundstück an der L 19 (hinter der Baumgruppe) weit besser geeignet. Foto: Herwartz
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Franz Phlippen glaubt an eine bessere Lösung für den neuen Standort des Myhler Feuerwehrgerätehauses. Foto: Herwartz

Wassenberg. In einem Punkt sind sich alle einig: Die Löscheinheit Myhl braucht dringend ein neues Feuerwehrgerätehaus, denn das alte an der St.-Johannes-Straße wirkt nicht nur äußerlich antiquiert, es genügt auch nicht mehr den modernen Anforderungen.

Was nun jedoch die Lage des neuen Feuerwehrgerätehauses angeht, sind nicht alle in der Bevölkerung glücklich mit der im Stadtrat bereits getroffenen Entscheidung, es an der Schulstraße, genau auf dem Parkplatz neben der Kindertagesstätte Rosengarten, der KGS Myhl und nicht weit vom Katholischen Kindergarten zu bauen. Sie fürchten um die Sicherheit der Kinder auf der Straße im Falle eines Einsatzes, bei dem es um jede Sekunde geht. Schließlich sei ja auch dort extra eine „Kinderhaltestelle“ eingerichtet worden. Franz Phlippen, einer der Skeptiker und selbst früher Unterbrandmeister in der Löscheinheit Myhl, hat die Gründe, die seiner Meinung nach gegen den Standort sprechen, zusammengefasst und an Stadt und Fraktionen geschickt.

„Wir wissen ja alle, dass bei Einsatzfahrten immer Besonnenheit und Ruhe herrschen“, kann sich Phlippen ein wenig Polemik nicht verkneifen. „Ich war nur sechs Jahre aktiv in der Feuerwehr. Damals war das erste Gebot bei Einsätzen, Gefahr von Menschen und besonders von Kindern abzuwenden. Heute gibt es scheinbar höhere Ziele, die Kosten, denn sonst würde man niemals ein Einsatzzentrum neben einer Schule und zwei Kindergärten bauen.“ Was übrigens keine der Kommunen im Umkreis so praktiziere.

Wassenbergs Bürgermeister Manfred Winkens teilt die Befürchtungen von Phlippen und den Eltern nicht. „Selbst der Pastor war bei mir“, sagt er auf Nachfrage. Dieser hatte die Sorge geäußert, was denn wohl geschehe, wenn es etwa um acht Uhr morgens zu einem Einsatz käme, wenn die Straße von Kindern wimmele, die zur Schule oder zu den Kindergärten müssten. Winkens sieht jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass dies geschehe, als verschwindend gering an, wie die Vergangenheit gezeigt habe. „Der Standort ist optimal. Wir legen die Feuerwehrgerätehäuser nicht mehr nach draußen, weil wir sonst die Einsatzzeiten verlängern würden. Es war auch der Wunsch der Feuerwehr.“

Bei Phlippen stößt dies auf Unverständnis: „Man macht auch kein Lagerfeuer neben einer Strohmiete mit der Aussage, der Wind kommt immer nur von Westen und es ist noch nie was passiert, mit dieser Verantwortung könnte ich nicht ruhig schlafen.“ Damit die Stadtväter jedoch auch weiterhin einen geruhsamen Schlaf finden könnten, schlägt Phlippen als Standort für das neue Gerätehaus ein Grundstück am geplanten Kreisverkehr zwischen B221n und L19 vor, etwa 650 Meter entfernt vom jetzt geplanten Standort. Dieses müsste allerdings noch vom Land gekauft werden. „Die Anfahrtszeit verkürzt sich so zu allen Einsatzorten außer Myhl Unterdorf, und vor allem die Gefahr für die Kinder ist beseitigt“, glaubt Phlippen, der selbst nach einem Motorradunfall im Rollstuhl sitzt. „Ich stehe mit Herz hinter der Feuerwehr“, sagt Phlippen, der der Alters- und Ehrenabteilung der Myhler Wehr angehört, „nur ist der Standort Schulstraße völlig falsch.“

Kämmerer Willibert Darius teilt diese Sicht nicht. In einem Schreiben an Phlippen erklärt er: „Entgegen Ihrer Auffassung wurde sachgerecht in zentraler Lage auf einer städtischen Liegenschaft mit einer bereits vorhandenen Grundinfrastruktur (Ver- und Entsorgung, Stellplätze u. ä.) ein Gebäudestandort ausgewählt.“ Dies habe auch der Gutachter, der den Brandschutzbedarfsplan erstellte, ausdrücklich bestätigt. Mit dem bloßen Erwerb eines Grundstückes wie dem von Phlippen angedachten und einer Bauvoranfrage sei es zudem keineswegs getan. Das unterstreicht auch der Bürgermeister. „Das würde den Preis intensiv verteuern.“ Derzeit seien rund 650.000 Euro für das Feuerwehrgerätehaus angesetzt.

„Standorte unmittelbar angrenzend an städtische Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen sind keine Besonderheit“, erläutert Darius weiter. „Auch in der Stadt Wassenberg befinden sich seit Jahrzehnten in den Stadtteilen Orsbeck und Birgelen Feuerwehrgerätehäuser an Schulen und Kindergärten. Gefährdungen an Kindergärten und Schulen entstehen nicht durch Feuerwehreinsätze, sondern eher durch Eltern, die häufig unter Zeitdruck ihre Kinder zu diesen Einrichtungen bringen und schnellstmöglich die Anfahrbereiche dieser Einrichtungen wieder verlassen wollen, und gerade in diesen Stoßzeiten ergeben sich Gefährdungssituationen mit Kindern, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad derartige Einrichtungen erreichen wollen. Nach den uns zugegangenen Informationen lehnen Myhler den Standort auch deshalb ab, weil sie befürchten, nicht mehr ausreichend Platz zur ,Anlieferung‘ ihrer Kinder mittels Kraftfahrzeug dort zu finden bzw. dadurch künftig Zeit zu verlieren. Unabhängig davon, dass dies nicht gegeben ist, ist sicherlich insgesamt bedenklich, dass – und dies ist bei vielen Einrichtungen festzustellen – viele Eltern die Kinder mittels Kraftfahrzeug ,am liebsten bis ins Gebäude transportieren‘ möchten. Feuerwehreinsätze zu den Bring- und Abholzeiten der Kindergärten und Schulen in den Stadtteilen werden Sie in den Statistiken der letzten zehn Jahre vermutlich nicht finden.“

Und was sagt die Feuerwehr selbst zum gewählten Standort in Myhl? Phlippen liegt hierzu ein Schreiben des Löschgruppenchefs an Stadtbrandinspektor Holger Röthling vor. Darin heißt es unter anderem: „Die Nachfrage nach einem anderen Grundstück wurde seitens der Wehrleitung verneint, da die Stadt zusätzliche Grundstückkosten nicht tragen könne. Da das Grundstück auf der Schulstraße damit seitens der Stadt alternativlos ist, wird sich die Löschgruppe damit arrangieren. Die Stadt ist Träger der Feuerwehr und der Neubau des Gerätehauses ist eine städtische Baumaßnahme.“ Weder der Standort noch die Finanzierungsmöglichkeiten seien die Wahl oder lägen in der Verantwortung der Löschgruppe. Und dann ist da noch zu lesen: „Eine wiederholte Drohung, dass die Maßnahme in weite Ferne rückt, halten wir für unnötig und nicht zielführend. Das Schreiben des Franz Phlippen drückt die Meinung eines mündigen Bürgers aus und wird unsererseits nicht weiter gewertet.“ Gleichwohl: Die Löschgruppe freue sich auf den Neubau.

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