Neuer Trend-Sport „Parkour“: Sich nie aufhalten lassen

Von: Simon Schiffers
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Der 32-jährige „Parkour“-Trainer Daniel Hoffmann und seine Schüler trainieren in der Sporthalle beim TV Eintracht Heinsberg mit Begeisterung, aber auf sicherem Terrain. Foto: defi
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Ob an der Stange hängen (links) oder über eine solche laufen (rechts), in der Turnhalle lassen sich viele Outdoor-Hindernisse gut darstellen. Foto: defi

Heinsberg. Ganz genau sieht sich Robin Kaus den fast zwei Meter hohen Turm vor sich an. Ein kurzer Moment der Konzentration, ein paar Schritte Anlauf, Fuß gegen die Wand und hoch stoßen. Was zuvor noch wie ein unüberwindbares Hindernis schien, ist bezwungen. Doch wie kommt Robin Wände hoch, bei denen andere die Leiter holen würden? Die Antwort ist „Parkour“.

Eine Sportart, die in den späten 80er Jahren in Frankreich entstanden ist. Der ursprünglich spielerische Hindernislauf von Jugendlichen entwickelte sich in den Vororten von Paris zu einem ernstzunehmenden Sport. Dabei werden Zäune, Treppen, Bänke, Mauern und vieles mehr möglichst effizient überwunden. Mit den Jahren wurde „Parkour“ immer populärer, vor allem durch die Präsenz in den Medien. In Film und Fernsehen zeigten die Traceure, so nennt man die Sportler, die „Parkour“ ausüben, ihr Können und sorgten so für die Verbreitung. Schließlich fand diese Sportart auch den Weg nach Deutschland – und sogar bis nach Heinsberg.

In der Kreisstadt trainieren seit Sommer 2013 rund 22 Mädchen und Jungen aller Altersgruppen in der Parkourabteilung des TV Eintracht Heinsberg einmal pro Woche alle Techniken. Geübt wird von der „Katze“, ein Sprung zur Überwindung kleinerer Mauern, über gezielte Sprünge von Balken zu Balken, den „Prezis“, bis hin zu akrobatischen Einlagen wie dem Vorwärtssalto. Auch wenn der „natürliche Lebensraum“ der Sportart die Straße ist, bietet das Training in der Halle die Möglichkeit, auch schwierige Tricks unter sicheren Bedingungen zu üben.

Auf den ersten Blick wirken diese Aktionen gefährlich. Regel Nummer eins ist jedoch, nur das zu tun, was man auch sicher schafft. Diese Prämisse war auch schon David Belle, der als (Mit-)Begründer der Sportart gilt, wichtig. Er wollte durch „Parkour“ eigene Grenzen überwinden lernen, ohne sich dabei gefährlichen oder waghalsigen Situationen auszusetzen.

Übermut und Angeberei sind bei „Parkour“ fehl am Platz. So ziehen die Traceure sich zwar manchmal kleinere Verletzungen wie Schürfwunden oder Blasen an Händen und Füßen zu. Doch das kennen Fußball- und Tennisspieler auch. Beim „Parkour“ wird sehr darauf geachtet, nichts zu beschädigen. Ziel ist es zwar, schnell von A nach B zu gelangen, aber nicht auf Kosten von Material und Umwelt.

Beaufsichtigt wird das Training in Heinsberg durch den 32-jährigen Daniel Hoffmann. Er ist bereits seit drei Jahren begeisterter Traceur und kam wie die meisten anderen auch über Internetclips und Filme wie „Yamakasi“ zum „Parkour“.

„Ich will mehr Menschen diesen Sport näher bringen.“ Mit dieser Motivation absolvierte er den Übungsleiterschein und fand mit dem TV Eintracht Heinsberg einen guten Partner. Das Angebot fand sofort riesigen Anklang, sodass mittlerweile das Hallenkontingent ausgeschöpft ist. Es wird aber versucht, mehr Trainingskapazität zu schaffen, um den Andrang zu bewältigen. Bis dahin können sich alle Interessierten auf einer Warteliste eintragen.

„Du darfst vor dem Hindernis nicht abbremsen“. Diesen Satz hören die meisten Neulinge häufig von Daniel. „Parkour“ benötigt nicht nur Kraft und die richtige Technik, es ist auch viel Kopfsache. So erscheinen die Schikanen meist höher und weiter als sie tatsächlich sind und es fehlt nur der entscheidende Funke Mut.

„Man erfährt seine eigenen Grenzen und sieht, wie viel der Körper schafft“, berichtet Robin Kaus (15). „Außerdem ist es eine sehr besondere Sportart“, ergänzt seine Schwester Julie (14). Sich immer weiter austesten und anfangs für unmöglich gehaltene Barrieren zu überwinden, dafür steht „Parkour“, und das nicht nur im sportlichen Bereich.

Daniel: „Man kann die Philosophie auch auf das restliche Leben übertragen. Mit der richtigen Herangehensweise und genügend Ehrgeiz schafft man alles.“ Mit „Parkour“ die Hürden des Lebens meistern, auch das ist Bestandteil der Sportart.

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