Neuer Karnevalsverein: „Grubenrandpiraten“ mit Klobürste als Zepter

Von: hewi
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Sie lassen sie die gute Laune nicht vermiesen. Die Grubenrandpiraten aus Keyenberg begegnen dem heranrückenden Tagebau Garzweiler II mit Narretei und Frohsinn. Foto: Wichlatz

Erkelenz-Keyenberg. Eigentlich stehen in Keyenberg alle Zeichen auf Umbruch. Gerade noch hat man über den Umsiedlungsstandort abgestimmt und innerlich bereitet man sich schon auf die Entschädigungsverhandlungen mit RWE Power vor. Trotzdem tun die Keyenberger etwas, das ihren Glauben an eine Zukunft und an den Fortbestand der Dorfgemeinschaft unterstreicht: Sie gründen einen Karnevalsverein.

Die „Grubenrandpiraten“ sind der jüngste der vielen Erkelenzer Karnevalsvereine. Und der Name ist Programm, denn natürlich versteht er sich als Anspielung auf den näher rückenden Tagebau, der in einigen Jahren den Ort schlucken wird. „Wir wollten ein Zeichen setzen und ein Bekenntnis zu unserer Heimat abgeben“, berichtet Gründungsmitglied Bernd Pieper, der auch Brudermeister der Keyenberger St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft ist.

Die Idee kam den Keyenbergern am 11. November 2011, also einem durchaus närrischen Datum. Der Name war ebenso schnell gefunden wie der Schlachtruf: „Bretlooch“, was so viel bedeutet wie „Breitlauch“, die plattdeutsche Bezeichnung für Porree.

Der Karneval hat in Keyenberg eine lange und gute Tradition. Bis vor 16 Jahren sorgte der „Juppe Club“ auf seinen Sitzungen für Stimmung, stellte dann aber die Arbeit ein. Was blieb, war der Karnevalszug am Veilchendienstag, der aber auch einen eher familiären und dörflichen Charakter hatte.

Im Januar luden die Grubenrandpiraten zur ersten Sitzung in die Mehrzweckhalle ein – und hatten gleich Bedenken, denn der Vorverkauf lief schleppend, wie sich Geschäftsführer Stefan Kirsten erinnert. Umso erfreuter war man, als die Halle dann bei der Sitzung sehr gut gefüllt war.

Dabei gab es ausschließlich hausgemachten Karneval aus Keyenberg und Besuch von den Venrather Jecken und dem Erkelenzer Karnevalsprinz. Heinz-Peter Weynen, ein Urgestein aus „Juppe Club“-Tagen, war eigens aus Hamburg angereist, um auf der ersten Keyenberger Karnevalssitzung dieses Jahrtausends seinen närrischen Senf beizusteuern.

Der Erfolg der Sitzung und der gute Zuspruch aus der Bevölkerung sorgten schließlich dafür, dass die Grubenrandpiraten keine Eintagsfliege oder jecke Laune des Karnevals bleiben. Als eingetragener Verein wollen die 28 Piraten aus Keyenberg zukünftig in der fünften Jahreszeit mitmischen. Und das mit allem, was ein ordentlicher Karnevalsverein braucht, auch Tollitäten.

Das Dreigestirn der kommenden Session steht schon fest. Die goldene Klobürste als Zepter wird Prinz Ingo Bajerke schwingen. Ihm zur Seite stehen werden Jungfrau Frank Törker und Bauer Holger Hermanns. Einen eigenen Orden hat die Karnevalsgesellschaft auch. Darauf abgebildet ist „Der Blödmann“, der stellvertretend für die Keyenberger Jecken steht.

Abgesehen von seinem zarten Alter weist der Verein noch weitere Besonderheiten auf. Zum Beispiel seine Vorsitzende Nina Klauth, die mit gerade einmal 18 Jahren ihres gleichen erst suchen muss. Ansonsten kann man sich schon mit einer Tanzgarde, einer Showtanzgruppe und einem Herrenballett schmücken, die auch in den derzeitigen Temperaturen regelmäßig in der Mehrzweckhalle trainieren.

Wie beim Fußball ist im Keyenberger Karneval der „zwölfte Mann“ entscheidend. „Ohne unsere Nachbarn und Mitbürger und deren Unterstützung hätten wir den Verein nicht gegründet“, betont die Vorsitzende. Sicher ist auch, dass der Verein am neuen Standort weiterbestehen und seinen Beitrag zum Zusammenleben leisten wird.

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