Erkelenz - Neue Therapien am Herzen: Wenn Eiseskälte Leben rettet

Neue Therapien am Herzen: Wenn Eiseskälte Leben rettet

Von: Helmut Wichlatz
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Er setzt auch eiskalte Therapie: Kardiologie-Chefarzt Dr. Klaus-Dieter Winter. Foto: Wichlatz

Erkelenz. Eiskalte Herzen haben ein schlechtes Image. Dabei kann Kälte Leben retten, wie Kardiologie-Chefarzt Dr. Klaus-Dieter Winter vom Erkelenzer Krankenhaus berichtet. Bei Herzrhythmusstörungen und als Intervention nach Herzkreislauf-Stillstand findet Kälte mit guten Therapieergebnissen gezielten Einsatz. „Diese eiskalte Therapie ersetzt heute die früher übliche Behandlung mit Hitze“, sagt er.

Mit einem manuell steuerbaren Katheter wird bei Herzrhythmusstörungen ein mit Lachgas gefüllter Ballon über die Leiste eingeführt. Die Besonderheit: Der Ballon wird auf minus 60 Grad abgekühlt. „So friert er am Eingang der Lungenvene des Herzens an und erzeugt eine kreisförmige Verödungszone“, erläutert Winter. Dadurch kann die Ursache für das Vorhofflimmern beseitigt werden. Ausgelöst wird es durch Störimpulse, die den Herzrhythmus unterbrechen.

Die Behandlung erfolgt im künstlichen Tiefschlaf und dauert rund zweieinhalb Stunden. Ein Aufwand, der sich lohne. Denn im Schnitt könnten die Patienten schon nach vier Tagen in die ambulante Behandlung entlassen werden. 80 Prozent der Behandlungen verliefen laut einer Studie schon beim ersten Mal erfolgreich. Lediglich in 20 Prozent der Fälle muss eine zweite Behandlung stattfinden.

Zahlen, die Winter aus der Praxis durchaus bestätigen kann. Seit 2012 setzt man im Erkelenzer Krankenhaus auf die eiskalte Therapie. Rund 70 Patienten werden im Jahr auf diese Weise behandelt. Seit April ist das Hermann-Josef auch Ausbildungszentrum für diese Form von Therapie.

Auch Patienten mit vorhergegangenem Herz- und Kreislaufstillstand profitieren von der Kälte. Zumeist treten die Herzstillstände außerhalb des Krankenhauses auf. Die Patienten werden reanimiert und ins Krankenhaus gebracht, wo sie zumeist eine Herzkatheter-Untersuchung benötigen. Die wiederbelebten Patienten werden mit einem Kühl-Katheter behandelt, der die Körpertemperatur kontinuierlich von 37 auf 33 Grad absenkt.

Diese Methode heißt Hypothermie und findet in der Intensivmedizin weltweit Einsatz, um das Hirn vor Schäden infolge des Sauerstoffmangels zu schützen. Auch hier habe das Erkelenzer Krankenhaus eine positive Statistik aufzuweisen, wie Winter betonte. Die Zahl der Patienten, die einen Herzstillstand überleben, sei erheblich angestiegen.

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