Erkelenz-Lövenich - Neue Pfarrerin setzt auf Elan und Offenheit

Neue Pfarrerin setzt auf Elan und Offenheit

Von: Ingo Kalauz
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Wird am Sonntag in der Baaler Kirche ins Amt eingeführt: Friederike Lambrich, die neue Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Lövenich. Foto: Ingo Kalauz

Erkelenz-Lövenich. Das ist, gar keine Frage, etwas ganz Neues für sie: „Ja, jetzt trage ich die Verantwortung. Jetzt bin ich halt der Chef. Und wenn ich Chef bin, dann bin ich das auch.“ Friederike Lambrich sagt das mit einem gewinnenden Lächeln – von autoritärem Anspruch ist aus diesen Sätzen nicht die Spur herauszuhören.

Die 32-Jährige stellt sich mit entwaffnender Offenheit ihrer neuen Aufgabe: „Ich habe so viele Fragen, für mich ist hier alles neu. Aber man wächst ja mit der Aufgabe“, sagt sie gleich anschließend. Friederike Lambrich ist die neue Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Lövenich, am Sonntag wird sie in einem Gottesdienst in der Evangelischen Kirche in Baal in ihr Amt eingeführt. „Das ist so was wie meine Vereidigung vor der Gemeinde. Auch für die mehr als 2000 Gemeindemitglieder ist das ganz wichtig“, sagt sie.

Ja, sie freut sich auf das, was da in nächster Zeit auf sie zukommt. Die Evangelischen Kirchengemeinde Lövenich ist die erste Stelle, deren Leitung in ihre Hände gelegt wird. „Die Pfarrstelle war nach dem Ausscheiden von Sven Dreiser vor mehr als einem Jahr vakant. Die Stelle wurde ausgeschrieben, Friederike Lambrich hat sich beworben, es gab ein Gespräch, es folgte ein Probegottesdienst – und dann wurde sie vom Presbyterium gewählt.

„Als ich mich für die Stelle interessierte, bin ich erst mal hier im Ort mit meinem Mann rumgelaufen, wir haben uns alles angeguckt, wir haben durch die Hoftür gelugt – und wir fanden es schön hier.“ Was schon ziemlich erstaunlich ist, denn Friederike Lambrich ist in Ockenfels bei Linz geboren, mit dem Rhein und den Weinbergen drumherum und darüber im Blick groß geworden. „Ja, hier ist alles platt. Aber ich fahre gerne mit dem Rad. Und dafür ist es ideal“, sagt sie.

Wie kommt eine so hübsche, junge, aufgeschlossene, mit beiden Beinen im Leben stehende Frau wie sie in dieser doch sehr hedonistischen Zeit dazu, den Beruf der Pfarrerin anzustreben? „Ich bin in einer Evangelischen Kirchengemeinde groß geworden“, sagt sie. „Als ich dann mit 14 zu einem Auslandsjahr in Michigan in den USA war, habe ich gesehen, wie die Menschen dort ihren Glauben ganz ungezwungen leben. Da ist bei mir die Idee gewachsen, dass ich meinen Glauben auch zu meinem Beruf machen kann. So kam schließlich eines zum anderen.“ Es wuchs in ihr zunächst der Studien-, dann der Berufswunsch. „Gut, dass ich evangelisch bin“ sagt sie. „Da gibt es im Blick auf den Beruf nicht so viele Zwänge wie bei den Katholiken.“ Und gerade für eine Frau deutlich mehr Perspektiven...

Borussia, Comics, Spiele

Sie machte in ihrer Heimat Abitur, studierte in Heidelberg, Leipzig und Bonn Theologie („Griechisch und Hebräisch zu lernen war für mich kein Problem, Latein hatte ich ja schon in der Schule...“), war anschließend fünf Jahre im Vikariat („Das ist so was wie das Referendariat bei den Lehrern...“) in einer Kirchengemeinde in Meerbusch und machte dann zweieinhalb Jahre Probedienst in Willich. „Da habe ich auch schon Gottesdienste gehalten, Taufen und Beerdigungen gemacht, war aber nicht siegelberechtigt und hatte auch kein Stimmrecht im Presbyterium“, sagt sie.

In dieser Zeit hat sie das „Fest der Begegnung“ am Brückenkopfpark in Jülich im Rahmen des Reformationsjubiläums organisiert. Und so auch den ersten Kontakt zum Kirchenkreis Jülich geknüpft. So kam, wie Friederike Lambrich sagt, „eines zum anderen“. Und jetzt ist sie Pfarrerin in Lövenich und Baal.

Ja, für sie sei der Beruf auch Berufung: „Wenn ich nicht Pfarrerin wäre, würde ich mich so sehr in meiner Gemeinde engagieren, dass ich mich fragen würde: Warum machst du das nicht zu deinem Beruf?“ Wenn man es auf einen Punkt bringen wolle, dann könne sie sagen: „Ich bin Pfarrerin geworden, um Menschen im Leben wie im Glauben zu begleiten.“ Das, versichert Friederike Lambrich, sei „eine tolle Aufgabe“.

Zusammen mit ihrem Mann richtet sie sich seit einigen Tagen schon im Pfarrhaus an der Hofkirche in Lövenich häuslich ein, gerade wird das Treppenhaus gestrichen. „Mein Mann ist freiberuflicher Schriftsteller und war mit dem Umzug hierher nach Lövenich sofort einverstanden“, sagt sie.

Und was machen die beiden in der Zeit, in der Friederike Lambrich nicht als „Chef“ der Kirchengemeinde aktiv ist? „Wir sind beide Borussen-Fans, mein Mann hat eine Dauerkarte für den Borussia-Park, ich begleite ihn sehr oft dorthin“, sagt sie lächelnd. Und dann hat sie ein Hobby, das auf den ersten Blick befremdlich wirkt: „Ich habe eine absolute Leidenschaft für Superhelden, für Comics, für Comicfiguren.“ Es gehe in diesen Plots ja immer auch darum, „die Welt zu retten“. So gesehen ist auch dies ein originär theologisches Thema... „Und wir verbringen viel Zeit mit Spielen, fahren oft auf Spielemessen und haben Spielgruppen in unserem Freundeskreis“, ergänzt Friederike Lambrich.

Ob ihr dafür künftig noch genügend Zeit bleibt? „Ich bin als Pfarrerin der einzige Ansprechpartner für die Gemeindemitglieder, das ist mir schon bewusst“, sagt sie. Wie zur Bestätigung klingelt (zum wievielten Mal während des Gespräches eigentlich?) das Telefon. Da sie keine Kinder habe, sei sie für die Urlaubsplanung ja nicht auf die Schulferien angewiesen...

Aber das ist jetzt nicht so wichtig. Jetzt steht erstmal der kommende Sonntag rot im Terminkalender angestrichen: Der Einführungsgottesdienst in der Evangelischen Kirche in Baal beginnt um 15 Uhr.

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