Neue Impulse für Psychotherapie in Afrika

Von: Anna Petra Thomas
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Zum Start des ersten Kurses gab es eine Geburtstagstorte, die Erzbischof Ignatius Kaigama im Beisein von Toni Görtz (rechts) anschnitt. Foto: Anna Petra Thomas
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Erzbischof Ignatius Kaigama beim Start des Ausbildungskurses für die künftigen Lehrer von Psychotherapeuten. Der Erzbischof segnete die Teilnehmer für ihre neue und bisher ungewöhnliche Aufgabe in der afrikanischen Kirche. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg-Karken. Für Menschen, die hier in Deutschland in eine traumatische Situation geraten, gibt es ganz selbstverständlich psychologische Hilfe. Anders in Afrika, wo Toni Görtz aus Karken für das internationale katholische Missionswerk Missio tätig ist. Hier gibt es derzeit noch fast gar keine Psychotherapeuten, die sich um Menschen in derart schwierigen Lebenssituationen kümmern.

„Du musst mehr beten“

Das soll sich jetzt ändern. Toni Görtz, der nicht nur seit 1982 für Missio in Afrika und Asien tätig ist, sondern zugleich freiberuflich als psychologischer Berater arbeitet, hat ein Konzept entwickelt, mit dem zunächst in Nairobi Lehrer für künftige Psychotherapeuten in Afrika ausgebildet werden. Zehn Tage verbringt er dafür derzeit jeden Monat in Afrika.

Angefangen habe alles in einem Gespräch mit Ignatius Kaigama, dem Erzbischof von Jos in Nigeria, erzählt Görtz. Seine Hilflosigkeit habe der Geistliche ihm gestanden, wenn Priester oder Schwestern zu ihm kämen. „Du musst mehr beten“, sei derzeit noch seine Antwort auf ihr „Ich kann nicht mehr“, und doch wisse er, wie wenig hilfreich dieser Ratschlag sei.

Plan war zu kostspielig

Görtz erzählte dem Erzbischof von Institutionen in Deutschland, in denen es professionelle psychologische Hilfe gibt und von seiner eigenen psychologischen Arbeit. So entstand die Idee, auch in Afrika Zentren aufzubauen, in denen Psychotherapeuten für die Arbeit mit Priestern und Ordensschwestern ausgebildet werden. Seit diesem Gespräch vor fünf Jahren ist viel geschehen. Zunächst habe der Erzbischof versucht, ein eigenes Zentrum in seinem Bistum zu bauen. „Dieser Plan erwies sich jedoch als zu kostspielig“, sagt Görtz. Er selbst verfolgte dann das Ziel, Ausbildungszentren für zukünftige Therapeuten in existierenden Institutionen einzurichten. „So entstehen fast keine Baukosten, und es muss kein Personal eingestellt werden außer für die Lehre.“ Drei mögliche Zentren wurden gefunden in Gambia, Kenia und Uganda. Später soll noch eines in Ghana hinzukommen. Schwieriger war jedoch die inhaltliche Ausrichtung. „Die Ausbildung kann nicht einfach von Europa nach Afrika übertragen werden“, so Görtz. „Die kulturellen Unterschiede müssen berücksichtigt werden“, ebenso wie die spezielle Zielgruppe der Priester und Schwestern. Ein Lösungsansatz ergab sich in einem Dialog mit Len Kofler, dem Gründer von St. Anselm im englischen Kent. Er habe schon 1982 erfolgreich Psychologie und Spiritualität zusammengeführt, um kirchlichem Personal in schwierigen Lebenssituationen zu helfen.

Psycho Spiritual Institut

So entstand schließlich sein eigenes Konzept der psycho-spirituellen Therapieausbildung. Formell wurde in Abuja in Nigeria das „Psycho Spiritual Institut“ (PSI) gegründet. Bevor jedoch mit der Ausbildung von Therapeuten begonnen werden kann, werden Lehrer benötigt, die hier unterrichten können. Und so leitet Görtz derzeit in Nairobi einen Ausbildungskurs mit zwölf Priestern und Schwestern aus Afrika, die alle in irgendeiner Form in England oder Amerika schon Psychologie oder „Counselling“ studiert haben. Er bereitet sie auf ihre zukünftige Aufgabe vor, die neuen Zentren zu leiten und dort Psychologen auszubilden.

Die Referenten für die mehr als 20 unterschiedlichen Themenfelder und Therapierichtungen fand Görtz in Amerika, Irland, Österreich und Schweden. Er selbst unterrichtet unter anderem Traumatherapie und Familienstellen.

Im August kommenden Jahres soll das erste Ausbildungszentrum in Nairobi eröffnet werden. „In Schritten von sechs Monaten sollen dann zunächst wenigstens zwei weitere Zentren folgen“, so seine Planung.

Eine wesentliche Aufgabe für die kommenden Monate ist für ihn daher auch, Bischöfe und Ordensobere, aber auch Priester und Schwestern in Afrika über das neue Ausbildungsangebot zu informieren.

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