Heinsberg - Naturschutz am Lago Laprello: Gibt es eine Insellösung?

Naturschutz am Lago Laprello: Gibt es eine Insellösung?

Von: Rainer Herwartz
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Wird die Kiesinsel im Hintergrund der Aussichtsplattform (links) zukünftig zum Naturschutzbereich Nordsee gehören oder wird sie vom Rest des Nordsees abgekoppelt? Die Stadt Heinsberg hofft darauf. Foto: defi
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Wird die Kiesinsel im Hintergrund der Aussichtsplattform (links) zukünftig zum Naturschutzbereich Nordsee gehören oder wird sie vom Rest des Nordsees abgekoppelt? Die Stadt Heinsberg hofft darauf. Foto: defi
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Dieses kleine Blesshuhn starb, weil ein illegaler Angler am Nordsee auf Fischzug ging.

Heinsberg. Wird der Bereich des Nordsees am Lago Laprello nun komplett zum Naturschutzgebiet erklärt oder nicht? Die Entscheidung, von der viele schon glaubten, sie sei längst zugunsten des Naturschutzes gefallen, ist bis heute nicht abschließend erfolgt.

Erst am 18. Dezember wird der Kreistag dem Prozedere entsprechend wohl die Offenlage der Landschaftsplanungen beschließen, wonach die Öffentlichkeit, also auch die Träger öffentlicher Belange wie die Stadt Heinsberg, ihr Veto einlegen kann. Und die Stadt wird diese Chance nutzen.

Die Kiesfläche, die dem Südsee zugewandt ist am Ende des Steges, der Nord- und Südsee teilt, soll nach dem Wunsch der Stadt eine Sonderstellung erhalten. Wir haben uns lediglich auf diese mögliche Eventfläche beschränkt und möchten, dass diese aus der naturschutzgebietlichen Festsetzung herausgenommen wird“, erklärt Bürgermeister Wolfgang Dieder.

Nicht alles konnte so umgesetzt werden wie es der Masterplan im Rahmen der Euregionale 2008 vorgesehen hatte. Für den zweiten Bauabschnitt des Laprell-Geländes, den Bereich des Nordsees, war demnach zwar eine naturbezogene Nutzung vorgesehen. Auf der Inselfläche zwischen den beiden Seen sollten aber künftig Freizeitevents, Konzerte oder ähnliche Veranstaltungen stattfinden. Doch ein landschaftspflegerisches Gutachten stellte ein außergewöhnlich gutes Potenzial für die Entwicklung des Natur- und Artenschutzes fest, was dem Vorhaben dauerhaft einen Strich durch die Rechnung machen könnte.

„Das Naturschutzgebiet umfasst die Nördliche Wasserfläche sowie die Uferseiten des Lago Laprello. Und zwar den Bereich, der durch den Damm von der südlichen Wasserfläche getrennt ist“, erläutert Kreis-Pressesprecher Ulrich Hollwitz. „Zielsetzung für die Fläche ist nach der Abgrabungsgenehmigung und Rekultivierungsplanung die Entwicklung als Naturschutzsee.

Nach dem landesweiten Biotop-Verbundkataster ist dieses Gebiet als Biotop-Verbundfläche mit regionaler Bedeutung ausgewiesen.“ Die Wasserfläche sei ein Winterrastgebiet für Wasservögel und Lebensraum für zahlreiche gefährdete Tiere, sagt Hollwitz. Als Beispiel nennt er den Haubentaucher, den Grünspecht, die Bachstelze und verschiedene Fledermausarten, die es zu schützen gelte.

Für die Stadt dürfte dies in ihren Bestrebungen zu einer harten Nuss werden. Hollwitz macht schon jetzt deutlich: „Die Einrichtung einer Eventfläche ist mit der Rekultivierungsplanung und der vorgesehenen Zweckbestimmung als Naturschutzsee nicht vereinbar. Denn nach der Rekultivierungsplanung ist für den Lago Laprello Süd Vorrang für die Freizeit- und Erholungsnutzung eingeräumt.“

Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder ist jedoch nicht der Meinung, dass die vom Land vorgegebene Landschaftsplanung hier keine Möglichkeit eines Kompromisses offenlässt. „Landschaftsplanung ist letztlich Hoheit der Kreise, ebenso wie der Kommunen. Dabei muss sich der Kreis zwar an den Vorgaben der Landes- und Regionalplanung orientieren. Diese Planungen sind allerdings nicht parzellenscharf. Deshalb hat der Kreis meiner Meinung nach durchaus die Möglichkeit, den bezeichneten Bereich auszuklammern.“ Dass dafür möglichst in der näheren Umgebung eine Ausgleichsfläche geschaffen werden müsse, sei klar.

Die Sozialdemokraten hatten sich im Februar 2010 vor dem Hintergrund der Landschaftsschutzregelung gegen den Kauf des Nordsees ausgesprochen. 291 000 Euro, die zu 70 Prozent gefördert wurden, hatten Grund und Boden gekostet. Die SPD fragte sich, warum die Stadt den Nordsee überhaupt noch kaufen wolle, da doch der damalige Eigentümer ebenso den neuen Auflagen des Naturschutzes unterliegen würde und letztlich eine andere Nutzung ja nicht in Frage käme. Auch dass es kurzsichtig sei, nicht zu kaufen, weil man ja nie wisse, was in „20 oder 50 Jahren“ der Fall sei, wie CDU-Ratsherr Michael Dörstelmann seinerzeit meinte, überzeugte die Sozialdemokraten nicht.

Und wie beurteilt SPD-Fraktionschef Ralf Herberg die Sache heute. „Ich würde es bedauern, wenn die für zukünftige Events angedachte Fläche nicht mehr für diese Zwecke genutzt werden könnte.“ Grundsätzlich meint er jedoch: „Wir stehen nach wie vor zu unserer damaligen Entscheidung und fragen uns, warum der Nordsee überhaupt gekauft wurde.“ Bürgermeister Dieder hatte 2010 in der Ratssitzung erklärt, dass der Kauf zur verkehrstechnischen Umplanung der Fritz-Bauer-Straße im Bereich der Einmündung zum Dammweg unabdingbar sei.

Welche Entscheidung auf Kreisebene letztlich gefällt wird, bleibt abzuwarten. Fest steht allerdings, dass es schon jetzt einige Zeitgenossen offenbar mit dem Naturschutz im Bereich des Nordsees nicht so genau nehmen. Auf einer Strecke von etwa fünf Metern wurde der umgebende Zaun fein-säuberlich durchtrennt – vielleicht um dem unerlaubten Angeln nachzukommen. Ein Blesshuhn, das sich in einem Angelhaken verfing, bezahlte dies bereits mit seinem Leben.

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