Naturschauspieler werden: Ein außergewöhnliches Projekt

Von: Anna Petra Thomas
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Ein Naturschauspieler muss natürlich auch in der Lage sein, ein Tier darzustellen. Das übten die Teilnehmer im jüngsten Workshop im Kasteel Aerwinkel in Posterholt mit Theaterpädagogin Marianne Hermans (2. Reihe., 2.v.l.). Foto: Anna Petra Thomas (2), Landsmid/André Claassen (2)

Wassenberg/Wegberg/Roerdalen. Eigenartige Geräusche dringen durch die weiße Tür des Konferenzzentrums im Landgut Kasteel Aerwinkel in Posterholt: Da schreit ein Pfau, gurrt eine Taube, bellt ein Hund. Hinter der Tür bietet sich ein noch eindrucksvolleres Schauspiel: 15 Menschen, die sich wie Tiere bewegen und eben auch entsprechende Laute von sich geben.

Mittendrin Marianne Hermanns, die sie mit Fragen regelrecht bombardiert. „Wie setzt es seine Füße? Wie läuft es? Wie guckt es?“

Die Verwandlung in ein Tier und die Transformation zurück zum Menschen, der seinem Gegenüber mit Mimik und Gestik dennoch die Darstellung eines Tieres vermitteln kann, gehören zur der Ausbildung zum Naturschauspieler, die Teil des Projekts „Kulturgeschichte digital“ des Naturparks Maas-Schwalm-Nette ist.

Durchgeführt wird es im Rahmen des Interreg-Programms Deutschland-Nederland, finanziert durch die Europäische Union, das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes NRW, die niederländische Provinz Limburg und Projektpartner, zu denen aus dem Kreis Heinsberg auch die Städte Wassenberg und Wegberg, der Heinsberger Tourist-Service, der Naturpark Schwalm-Nette und die Naturschutzstation Wildenrath gehören.

Mehr als Wissen vermitteln

Das Konzept für diese Ausbildung hat André Classen entwickelt mit seinem Büro „Landsmid“, übersetzt „Landschmiede“, in dem er Verbindungen „schmiedet“ für die Natur. „Ich habe mir das Konzept ausgedacht weil ich es schade finde, dass die ‚üblichen‘ Naturexkursionen immer weniger Nachfrage finden, weil sie nur reines Wissen über die Natur vermitteln“, erklärt der Projektleiter, der auch noch als Dozent für Forstwirtschaft an einer Hochschule tätig ist. „Hinter jedem Baum, hinter fast allem, dem man in der Landschaft begegnet, versteckt sich eine Geschichte, aus der heraus sich eine Theatervorstellung entwickeln lässt“, sagt er. „Das macht die Natur dann wieder attraktiv.“

Insgesamt neun Wochenenden umfasst die Ausbildung, die im Oktober vergangenen Jahres mit Exkursionen in die Natur begonnen hat. Derzeit vermittelt die künstlerische Leiterin Marianna Hermanns den Teilnehmern wesentliche Kompetenzen des Theaterspiels und unterstützt sie bei der Inszenierung ihres ersten Stücks. Alle Stücke sollen dann Mitte Juni erstmals aufgeführt werden.

„Gerne in der Natur unterwegs“

Von den fünf deutschen Teilnehmerinnen kommen vier aus dem Kreis Heinsberg: die beiden Westblicke-Gästeführerinnen Berti Davids-Heinrichs aus Übach-Palenberg und Therese Wasch aus Dremmen, darüber hinaus Natascha Lenkeit-Langen aus Heinsberg und Simone Palloni aus Erkelenz. „Wir sind beide gerne in der Natur unterwegs“, begründet Berti Davids-Heinrichs die Teilnahme am Projekt, von dem sie schon jetzt, nach dem fünften von insgesamt neun Wochenend-Workshops, rundherum begeistert ist.

„Ich merke hier, dass das Spielen so viel Fantasie birgt“, sagt Berti David-Heinrichs, die heute als Biber unterwegs ist. Therese Wasch hat für sich die Taube ausgewählt. „Hier kommt oft etwas ganz anders heraus, als man es sich zunächst gedacht hat. Das ist klasse“, pflichtet sie ihrer Kollegin bei.

Theaterstück inszenieren

Beide haben schon angefangen, ihr eigenes Theaterstück zu inszenieren. Spielen soll es in Wassenberg und dort die Geschichte der Hexenverfolgung und -verbrennung zum Thema haben. „Dafür werden wir die hier erlernten Fähigkeiten sicherlich nutzen können“, sagte Berti Davids-Heinrichs. Sie wird in dem Stück, das in einem Rundgang verschiedene Spielstätten haben wird, in die Rolle eines Kräuterweibs und in die einer Hebamme schlüpfen.

Therese Wasch wird die Frau des Schreibers spielen, die für die Hexenverfolgung eintritt. Gleichzeitig werden beide aber auch die Rolle eines Erzählers übernehmen, immer dann, wenn sie einen Umhang tragen. „Das geht beides“, weiß Berti Davids-Heinrichs.

Im Juni wird auch ihr Stück, das die Teilnehmer schauspielerisch heranführen soll an die Geschichte des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, Premiere feiern.

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