Narren nehmen erste Rathäuser im Sturm

Von: anna/koe/hewi/gp
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Wassenbergs Bürgermeister Manfred Winkens (rechts) wollte eigentlich mit den beiden Prinzen von UKV, Thomas I. (Pöllen, 2.v.r.) und Dirk I. (Schmitz, 3.v.r.) um den Rathausschlüssel kämpfen, hatte die Rechnung jedoch ohne Kongo-Kinderprinz Louis I. (Muhr) gemacht. Der ging dazwischen, brach den Schlüssel in zwei Teile und nahm den größeren gleich für sich. Foto: anna
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Diese gut gelaunte „Zebraherde“ aus Afrika beschützte Hückelhovens Bürgermeister Bernd Jansen im Alten Rathaus von Ratheim – allerdings vergeblich. Foto: Koenigs
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In Wellen angreifend, angeführt von Wegbergs Prinz Thorsten I., versuchten Wegbergs Narren die Bastion Rathaus zu erstürmen. Foto: Passage
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In Erkelenz stürmten sich die jecken Wiever mit einem Rammbock den Weg ins Rathaus frei. Foto: Wichlatz

Wassenberg/Hückelhoven/Erkelenz/Wegberg. Die ersten Rathäuser wurden am Donnerstag im Sturm erobert. Mit einem halben Stündchen Sonne machten Sturm und Regen eine kleine Pause bei der Rathauserstürmung auf dem Roßtorplatz in Wassenberg. Der traditionelle Bretterzaun diente den Vertretern der Stadt wieder als Barrikade vor der Terrasse des Alten Rathauses.

Unten standen die Narren mit Vertretern der KG Kongo, der KG Effelder Kaffeemänn und des Uschbecker Karnevalsvereins. Erstmals lieferten sich nicht die jecken Männer, sondern mit Sabrina van Meegdenburg und Denise Kurpick zwei Kongo-Frauen das Wortgefecht mit Bürgermeister Manfred Winkens. „Wissen Eure Eltern überhaupt, dass Ihr hier seid?“, fragte dieser zunächst ganz süffisant. Zum Thema Glasfaser und Windräder im Birgelener Wald gingen beide Parteien sodann in den Schlagabtausch.

Nicht minder spotteten die beiden Frauen über die geplante Überdachung des Roßtorplatzes, während die Kongolesen dabei ihre blau-gelben Regenschirme als die Sparlösung aufspannten. Als „Plan B“ für den Schlemmer-Markt stellten sie dem Bürgermeister schließlich gar die Pommes-Bude vor dem Festzelt vor.

Bei der RKG „All onger eene Hoot“ aus Hückelhoven-Ratheim beschützte im Alten Rathaus eine Zebraherde aus Afrika den Bürgermeister Bernd Jansen. Im Rahmen der Flüchtlingswelle hatte das Stadtoberhaupt die Afrikaner im Alten Rathaus von Ratheim einquartiert. Hier feierten sie zusammen mit dem Bürgermeister und ließen es sich gut gehen, während draußen vor der Tür Prinz Robert schon den Schlüssel der Macht schwang. Sitzungspräsidentin Ramona Fister freute sich in ihrer Begrüßungsansprache, dass der „Sonnengott auf Seiten der RKG All onger eene Hoot ist“.

Bürgermeister Bernd Jansen machte zu Beginn des närrischen Treibens keinen Hehl daraus, dass er nicht gewillt war, sein närrisches Zuhause in der Hochetage des Rathauses zu verlassen. Da halfen auch die Grußworte der Sitzungspräsidentin Ramona für die „afrikanischen Flüchtlinge“ nichts. Einen bestimmten Aufgabenkatalog hatte sich die Sitzungspräsidentin für den Bürgermeister aufgespart. So sollte er beim Empfang der Tollitäten im Sitzungssaal des Rathauses dem Prinzen die Schuhe putzen, dem Bauern Luft zufächeln und der Jungfrau ein Blumenmeer bereiten. Recht kleinlaut räumte der Bürgermeister ein, diesen Aufgabenkatalog zu erfüllen.

Auch die Erkelenzer Möhnen ließen sich den traditionellen Rathaussturm nicht nehmen. Gestürmt wurde diesmal durch das Treppenhaus bis zur Brücke, die ins Stadtarchiv führt. Dort wartete Bürgermeister Peter Jansen, der ebenso wie seine Mannschaft aus Rat und Verwaltung als Schornsteinfeger angetreten war, um abzutreten. Mit ihrer Kostümierung erfüllten sie das einzige Dekret, das die Wiederholungstäter Prinz Michael und Prinzessin Ute erlassen hatten. Als verrußte Glücksbringer sollten Rat und Verwaltung ihren Beitrag leisten, damit der Rosenmontagszug in diesem Jahr nicht wieder dem Wetter zum Opfer fällt.

Von der Verwaltung aus ging es in blauweißer Begleitung und mit Musik gerade einmal 100 Meter weiter ins Foyer der Stadthalle, wo windstill und laut gefeiert wurde. Für die musikalischen Einlagen sorgten neben den Sängerinnen der Möhneleut auch die Stimmungsprofis von Hätzblatt. Die Band und die organisierten Möhnen hatten in diesem Jahr wieder gemeinsam das Lied geschrieben, mit dem Obermöhne Uschi Skibba und ihre Mistreiterinnen auftraten.

In der Stadthalle stimmten der Bundestagsabgeordnete Wilfried Oellers und die beiden Erkelenzer Ratsherren Thomas Eickels und Peter London spontan den Karnevalsklassiker „Wer soll das bezahlen“ an.

Wegbergs jecke Wiever hatten sich auf die Weiberfastnacht bestens vorbereitet. Im Gefolge von Prinz Thorsten, Bauer Bernd und Jungfrau Rosas waren sie bereit, das Rathaus zu erstürmen. Die jecke Streitmacht rückte unter Kriegsgeheul an. Doch Wegbergs Bürgermeister Michael Stock und seine Mitstreiter waren nicht bereit, der anrückenden Armada das Rathaus kampflos zu überlassen. Gewandet im Kostüm eines prächtigen Löwen stemmten sich der Bürgermeister und seine Mitstreiter gegen die immer wieder anrollende Streitmacht. Ständig von Sonja Opwis, Sitzungspräsidentin des weiblichen Wegberger Elferrates, angefeuert mit markigen Worten und Wegbergs Schlachtruf „Flöck op“ näherte sich die Narrenschar immer wieder dem Portal des Wegberger Rathauses. Schließlich war es geschafft.

Bürgermeister Stock und seine Mitstreiter gaben sich notgedrungen geschlagen. Gleichzeitig gab Wegbergs Erster Bürger das Motto für die tollen Tage aus: „Auf der Jagd nach schwarzen Zahlen, im Rudel wir durchs Schwalmtal jagen – Nicht nur im Wappen auch im Rathaus, fahren die Löwen ihre Krallen aus“, rief Stock den Narren zu.

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