Heinsberg - Nahversorger im Ort: Dorfläden könnten eine Lösung sein

Nahversorger im Ort: Dorfläden könnten eine Lösung sein

Von: Rainer Herwartz
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Holger Louis (links) und der Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung, Michael Dahmen, haben sich schon intensiv mit dem Thema Nahversorgung befasst. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. „Kilometerweit“ müssten sie fahren, die Bewohner von Uetterath, Randerath, Horst, Porselen und Dremmen, um sich mit Lebensmitteln versorgen zu können. Und sie wolle sich nun endlich einmal darüber beschweren, „dass es mit der Nahversorgung der Randbevölkerung von Heinsberg sehr schlecht aussieht“, schreibt die Porselener Seniorin an unsere Redaktion.

Nicht jeder besitze schließlich ein Auto oder Fahrrad. „Wie lange müssen wir noch warten, bis die Politiker aktiv werden?“, fragt die alte Dame.

Die Einkaufssituation in den genannten Orten ist derzeit in der Tat nicht komfortabel. Aber sind wirklich untätige Politiker schuld daran oder liegen die Gründe an anderen Zusammenhängen? Wir konfrontierten Michael Dahmen, den Leiter des Heinsberger Amtes für Wirtschaftsförderung, und seinen Kollegen Holger Louis mit den Fragen.

„Bei Uetterath stellt sich schon aufgrund der geringen Einwohnerzahl das Problem, wie man dort einen Einkaufsmarkt hinbekommen soll“, pickt sich Dahmen ein Beispiel heraus. In der Tat besitzt der Ort derzeit nur 394 Einwohner. Und letztlich regele der Markt, sprich die Nachfrage, ob es für ein Unternehmen wirtschaftlich reizvoll sei, sich dort niederzulassen.

„Weil das Marktaufkommen nicht da ist, werden die kleineren Orte, so ist die allgemeine Tendenz, ein Stück weit abgeschnitten.“ Für Horst (477 Einwohner), Porselen (1104), Randerath (1714) sehe es da ähnlich aus, glaubt Dahmen.

Dabei stehe Heinsberg noch vergleichsweise gut da. „Wir haben in Heinsberg nicht einen einzigen Ortsteil, bei dem eine fußläufige Erreichbarkeit eines Nahversorgers nicht gegeben wäre.“ Das bedeute, die zurückzulegende Fußstrecke liege bei maximal einem Kilometer. „Das hat im letzten Jahr die IHK-Studie ,Daseinsvorsorge im ländlichen Raum‘ nachgewiesen.“

In der Vorstellungsbroschüre einer großen Supermarktkette heiße es in diesem Zusammenhang: „Maßgeblich für die erfolgreiche Entwicklung eines Einzelhandelsstandortes sind vor allem die Größe und die Lage.“ Hinzu komme, so meint Holger Louis: „Je kleiner das Einzugsgebiet ist, desto geringer ist auch die Angebotsvielfalt.“

Im Umkehrschluss bedeutet dies, sollte in einem kleinen Ort ein SB-Markt eröffnen, wird dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit den Großteil der Bevölkerung mit seinen wenigen und billigen Produkten nicht zufriedenstellen. „Die Wenigen, die letztlich mit dem Angebot zufrieden wären, reichen dann in der Summe nicht aus, um einen solchen Markt überleben zu lassen.“

Ein Ort wie Dremmen allerdings biete mit seinen immerhin 3839 Einwohnern laut Dahmen „vermutlich stabile Voraussetzungen, eine qualitativ bessere Nahversorgung zu erreichen“.

Eine probate Lösungsalternative, „um wieder Nahversorgung in kleine Dörfer zu bekommen, sind Initiativen aus der meist gut funktionierenden Dorfbevölkerung heraus“. Dahmen hat auch gleich ein Beispiel parat: einen Dorfladen wie in Kohlscheid-Pannesheide. Hier ist ein Laden entstanden, wo die Menschen ihren täglichen Bedarf an Lebensmitteln decken können.

Die Frischwaren kommen dabei von Bauern, Bäckereien und Metzgereien aus der Nähe und erhalten so auch noch Arbeitsplätze in der Region. Auf Wunsch werde der Einkauf sogar nach Hause gebracht. Eine solche Einrichtung gebe es auch in Solingen, ergänzt Holger Louis. Zu 90 Prozent würden die Läden aus der Bevölkerung heraus betrieben als eine Art Genossenschaft.

Ganz nebenbei entwickele sich ein solcher Laden noch zu einem sozialen Treffpunkt im Dorf, der die Menschen zu einem kleinen Schwätzchen einlädt und dem Wir-Gefühl im Ort wieder neues Leben einhauchen könne.

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