Nachfolger für Regionaldekan nicht in Sicht

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Ob er um einen Nachfolger betet, hat uns Regionaldekan Gottfried Maria Graaff nicht gesagt, aber er hat schon eine Idee, wie sich vielleicht jemand finden ließe. Foto: Anna Petra Thomas

Kreis Heinsberg. Gottfried Maria Graaff (50), seit dem Jahr 2000 Pfarrer in Gangelt, ist seit Herbst 2010 zugleich Regionaldekan der Region Heinsberg im Bistum Aachen. Seine Amtszeit geht bis zum Herbst dieses Jahres. Am 18. Juni sollte eigentlich sein Nachfolger gewählt werden. Doch derzeit ist keiner in Sicht.

Bei der Vorschlagsversammlung des regionalen Pastoralrats im April konnte Graaff keinen Kandidaten für dieses Amt vorstellen. Zu dieser Problematik sprach unsere Mitarbeiterin Anna Petra Thomas mit dem Regionaldekan.

Warum stellen Sie sich nicht selbst für eine Wiederwahl zur Verfügung?

Graaff: Ich habe schon vor meiner Wahl im Herbst 2010 immer gesagt, dass ich mich nur für eine Amtszeit zur Verfügung stelle. Ich habe mich damals gerne zur Verfügung gestellt getreu dem Leitspruch, dass man nicht nur empfangen kann, sondern auch geben muss. Zudem werde ich ab Ende August auch hier in Gangelt nicht mehr als Pfarrer tätig sein.

Was machen Sie dann?

Graaff: Im Rahmen einer einjährigen Sabbatzeit werde ich eine einjährige Weiterbildung zum Psychotherapeuten in Aachen absolvieren und in der GdG Aachen-Nordwest priesterliche Dienste leisten.

Das ist aber ganz etwas anderes…

Graaff: Nein, Sozialarbeiter bin ich doch jetzt auch schon. Und diese Weiterbildung hat einen ganz wertvollen selbstreflektorischen Charakter. Ich möchte danach wieder rein als Seelsorger arbeiten und mich aus den Leitungsaufgaben und dem Pastoralmanagement zurückziehen. Das kann ich zwar, aber die Seelsorge ist mir als Schwerpunkt meiner priesterlichen Tätigkeit in den vergangenen Jahren so ziemlich abhandengekommen.

Sie sprachen von geben. Was haben Sie der Region denn in den zu Ende gehenden fünf Jahren als Regionaldekan geben können?

Graaff: Eigentlich einen Mix aus der Fortsetzung der Arbeit meines Vorgängers Winfried Müller und eigener Akzente. Wert gelegt habe ich wie Winfried Müller auf den Zusammenhalt des pastoralen Teams in der Region, auch auf das Füreinander-Dasein. Persönliche Akzente habe ich im regionalen Pastoralrat gesetzt mit Klausuren und in Bezug auf die lokale Kirchenentwicklung. Immer noch da ist die Idee eines Festes der Kulturen als Fortsetzung vom Fest des Glaubens, zu dem Winfried Müller in seiner Amtszeit eingeladen hatte.

Das wäre dann ein Thema für einen Nachfolger, der nicht in Sicht ist …

Graaff: Ich war eigentlich zunächst sehr zuversichtlich, dass sich ein Nachfolger finden würde. Zwischendrin sah es sogar mal so aus, dass wir eventuell zwei Kandidaten haben würden. Mit quasi allen Seelsorgern in den leitenden Funktionen habe ich gesprochen, aber alle haben abgewunken. Und ich muss sagen, für deren „Nein“ oder „Nicht jetzt“ habe ich absolutes Verständnis. In ihren GdGs sind sie alle völlig ausgelastet. Und einfach oben drauf, zu dem, was schon an Aufgaben da ist, geht nicht so einfach!

Wie geht es jetzt weiter?

Graaff: Der Ball liegt jetzt sozusagen beim Bischof im Feld. Der regionale Pastoralrat hat das Recht, dem Bischof Kandidaten zu benennen, die er für geeignet hält. Diese sogenannte Kandidaten-Liste segnet der Bischof ab oder verändert sie, so dass dann die Wahlversammlung aus der Liste dieser Kandidaten dem Bischof einen Priester zur Ernennung vorschlagen kann. Das ist die sogenannte Dekanswahl. Da wir aber gar keinen Kandidaten haben, haben wir zum einen das Protokoll der Wahlversammlung des Pastoralrats dem Bischof geschickt und zum anderen jetzt klar gemacht, dass es zum jetzigen Zeitpunkt keine Dekanswahl geben wird. Mein Gesprächspartner ist derzeit der Generalvikar. Ich gehe davon aus, dass er zur nächsten GdG-Leiter-Konferenz und zur nächsten Sitzung des regionalen Pastoralrats kommen wird. Wir brauchen entweder noch einmal Gespräche mit potenziellen Kandidaten oder Übergangsregelungen, und die sind bunt. Wir sind nach Aachen-Land, Aachen-Stadt und Krefeld bereits die vierte Region ohne Re-gionaldekan, wenn sich kein Nachfolger findet.

Dann könnte es wie in diesen drei Regionen doch auch ohne Regionaldekan weitergehen, oder?

Graaff: Weitergehen schon, aber gerade in der aktuellen Situation wäre eine Vertretung der Region wichtig. Im kommenden Jahr steht in Aachen ein Wechsel im Bischofsamt an, und da wäre es wichtig, dass die Region in Aachen eine Stimme hat. Umgekehrt wäre es für den neuen Bischof wichtig, in der Region einen Vertreter zu haben, der hier seine Aufgaben wahrnimmt und den Dienst der Einheit leistet.

Gäbe es denn vielleicht andere Möglichkeiten, diese Stimme zu haben ohne das Amt eines Regionaldekans mit seinen vielen zeitraubenden Aufgaben in der Region?

Graaff: Ich glaube, dass wir einen Dekan finden können, wenn ihm von Seiten der Bistumsleitung zum Beispiel ein Pfarrvikar im seelsorgerischen Bereich sowie ein Geschäftsführer, der ihm die Managementaufgaben auf der Verwaltungsebene abnimmt, zur Seite gestellt wird. Durch eine Entlastung im priesterlichen Dienst sowie eine personelle Unterstützung im Verwaltungs- und Managementbereich der GdG-Leitung könnte das Amt wieder attraktiv werden. Denn die Aufgaben sind vielseitig und reizvoll und für die Menschen und die Seelsorgerinnen und Seelsorger in der Region ist es gut, einen neuen Regionaldekan als unmittelbaren Ansprechpartner, Kristallisationspunkt und Sprachrohr zu haben. Der Zusammenhalt in unserer Region ist gut. Die Identität in unserer Region ist hoch. Die Zusammenarbeit ist vorbildlich. – Und das soll auch so bleiben…

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