Hückelhoven - Nachbarschaftsstreit: Anwohner zeigt Fußballverein rote Karte

Nachbarschaftsstreit: Anwohner zeigt Fußballverein rote Karte

Von: Rainer Herwartz und Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
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Beim SV Roland Millich ist das Verhältnis zwischen dem Sportverein und einem Nachbarn, der sich durch Lärm und Verunreinigungen gestört fühlt, heftig in Schieflage geraten. Foto: Daniel Gerhards

Hückelhoven. So genau kann eigentlich niemand mehr sagen, wann der Nachbarschaftsstreit zwischen dem Sportverein SV Roland Millich in Hückelhoven und einem in der direkten Nähe wohnenden Anwohner der Gronewaldstraße seinen Ursprung genommen hat.

Lärmbelästigungen und Verunreinigungen stehen als Gründe im Raum. Fest steht mittlerweile, dass der Streit so weit eskalierte, dass es zu einer Anzeige bei der Polizei kam, weil die Spieler der ersten Mannschaft beim Training von 20 bis 30 Männern am Sportplatz in der Schlee bedroht worden sein sollen. Die Polizei bestätigte die Anzeige vom 17. Oktober auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die Stadt Hückelhoven als Eigentümer des Geländes sieht sich in Zugzwang und präsentierte jetzt durch Bürgermeister Bernd Jansen (CDU) und den Ersten Beigeordneten Helmut Holländer auf einer außerordentlichen Vereinsversammlung einen Lösungsvorschlag, von dem sie glauben, dass er die verfahrene Situation wieder schlichten könnte.

„Wir sind etwas eingeschränkt in unserem Vereinsleben durch die Nachbarschaft. Es sind einige Dinge passiert, einige Vorfälle“, erklärte der Finanzvorstand des Vereins, Frank Blume. Von Übergriffen wollte er bei der Begrüßung der Vereinsmitglieder und der Stadtspitze aber nicht sprechen. Auch Bürgermeister Jansen bestätigte, dass sich in den vergangenen Monaten „die Dinge hochgeschaukelt“ hätten.

Es habe gemeinsame Termine der streitenden Parteien im Rathaus gegeben und Einzelgespräche. Geführt habe dies allerdings zu nichts. „Ein Konsens konnte nicht gefunden werden.“

Veranstaltungen mit erhöhtem Lärmpegel und ein reger Pkw-Verkehr nach 22 Uhr auf dem Gelände des Vereinsheims hatten den Anwohner, der sich zwischenzeitlich durch den Heinsberger Rechtsanwalt Wilhelm Krebs vertreten lässt, emotional auf die Barrikaden gebracht.

Einsatz wegen Ruhestörung

Das Gebäude, so erläuterte Helmut Holländer, sei 1974 als Sportlerheim mit Vereins- und Jugendraum genehmigt worden. Es habe in der Vergangenheit nur dann hin und wieder Beschwerden gegeben, wenn es an Dritte für private Feiern vermietet worden sei. Der letzte Polizeieinsatz wegen Ruhestörung in diesem Zusammenhang datiere aus dem Jahr 2016. Deshalb seien letztlich auch durch die Stadt private Feiern Dritter fortan untersagt worden. Geholfen habe dies allerdings nicht wirklich.

Nur etwa zwei Monate sei es „gut gegangen“, meinte Holländer. Immer wieder sei es zu Polizeieinsätzen wegen Ruhestörungen nach 22 Uhr gekommen. An den bisherigen Höhepunkt der Entgleisungen erinnert sich Holländer noch gut. „Am Christihimmelfahrtstag, dem Vatertag, ist es hier drunter und drüber gegangen. Der Nachbar hat mich angerufen und war so erregt, dass ich dachte, der stirbt gleich.“ Als sich Holländer umgehend selbst ein Bild vom Geschehen machte, habe er feststellen müssen, dass der Mann nicht übertrieben hatte.

Rund 100 Männer, schätzt er, hätten im zum Teil stark alkoholisierten Zustand herumgegrölt und viele an der nahen Böschung ihre Notdurft verrichtet. „Seit dieser Zeit war der Nachbar besonders empfindlich.“ Nicht zuletzt deshalb achte der Ordnungsdienst der Stadt mittlerweile penibel darauf, dass am Sportlerheim ab 22 Uhr die Nachtruheregelungen nach Vorgabe des Emissionsschutzgesetzes eingehalten würden. Ein von der Stadt beauftragter Gutachter habe ermittelt, dass es zudem schlicht nicht möglich sei, aufgrund der gesetzlichen Regelungen hier nach 22 Uhr noch Autoverkehr stattfinden zu lassen.

„Das Emissionsschutzgesetz ist eindeutig auf der Seite des Anwohners. Wir sind zu der Erkenntnis gelangt, dass wir den Parkplatz verlegen müssen“, sagte Holländer. Und den neuen Standort stellte er den überraschten Vereinsmitgliedern auch gleich vor. Er soll nun an der L 117, am anderen Ende des Sportplatzes liegen und 27 bis 30 Stellplätze bieten. Etwa 40.000 Euro soll die Maßnahme kosten und schon im April nächsten Jahres fertiggestellt werden. Über eine Treppenanlage oder Rampe, die parallel zur Aschenbahn verlaufe, werde dann das Sportlerheim erreichbar sein.

Wegfall der Einnahmequelle

Im Haushalt für das kommende Jahr stehen ohnehin bereits 35.000 Euro für den SV Roland Millich bereit. Mit diesem Geld sollte ursprünglich ein Anbau an das Vereinsheim finanziert werden. Davon habe der Verein aber wieder etwas Abstand genommen, sagte Holländer, so dass die Stadt dieses Geld für den neuen Parkplatz nutzen könne.

Obwohl die Vereinsmitglieder von Roland Millich dem Vorschlag zustimmten, glaubten nicht alle daran, dass damit sämtliche Probleme behoben seien. Durch die gesetzte „Deadline“ um 22 Uhr für den Betrieb des Sportlerheimes mit Ausschank und das grundsätzliche Verbot, die Räumlichkeiten an Dritte für Feiern zu vermieten, befürchteten einige Mitglieder den Wegfall einer letztlich auch für den Klassenerhalt wichtigen Einnahmequelle.

Bürgermeister Jansen teilte die Befürchtungen allerdings nicht. „Ich glaube nicht, dass der Verkauf hier nach 22 Uhr nötig ist, um die Klasse zu halten.“

Ob der Nachbar des SV Roland Millich den Vorschlag der Stadt ebenso positiv aufnimmt und dies wohl zum Glätten der Wogen ausreicht? Sein Anwalt Wilhelm Krebs sagte auf Nachfrage am Freitag nur soviel: „Es ist ein großer Komplex, von dem hier die Beeinträchtigungen ausgehen, es ist nicht nur der Weg zum Parkplatz.“ Im Hinblick auf die eingangs schon erwähnte Anzeige wegen Bedrohung, solle er von seinem Mandanten mitteilen: „Mit dubiosen Dingen habe ich nichts zu tun.“

Helmut Holländer will sich am nächsten Dienstag nun mit dem betroffenen Anwohner und seinem Anwalt treffen. „Unser Ziel ist, einen Kompromiss zu finden“, sagte Holländer. Wünschenswert wäre es für alle Beteiligten.

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