Heinsberg - Nach Fusion: Am 17. Oktober kommt die neue Bank

Nach Fusion: Am 17. Oktober kommt die neue Bank

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Auf den Internetseiten beider Banken können sich die Kunden schon über die neue Volksbank Heinsberg informieren. Foto: defi
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Kurt Hauser, Thomas Giessing, Klaus Dieter Kroll und Dirk Cormann (von links) werden die Geschicke der neuen Volksbank Heinsberg eG leiten.

Heinsberg. Im Januar dieses Jahres hatten die Vorstände der beiden Heinsberger Traditionsbanken erstmals offiziell gegenüber unserer Zeitung erklärt, dass sie sich intensiv mit dem Gedanken tragen zu fusionieren. Jetzt, ein halbes Jahr und jede Menge organisatorischer und planerischer Arbeit später, dürfte der Verschmelzung zwischen der Heinsberger Volksbank AG und der Raiffeisenbank Heinsberg nichts mehr im Wege stehen.

Unser Redakteur Rainer Herwartz sprach mit den Vorständen der Volksbank, Dirk Cormann und Kurt Hauser sowie den Vorständen der Raiffeisenbank, Klaus-Dieter Kroll und Thomas Giessing über den Stand der Dinge.

Die Aktionäre der Heinsberger Volksbank und die gewählten Vertreter der Raiffeisenbank haben mit 95 Prozent der Stimmen für die Fusion beider Banken votiert. Haben Sie mit dieser überwältigenden Mehrheit gerechnet?

Dirk Cormann: „Da es eher sehr ungewöhnlich ist, dass sich eine Aktiengesellschaft und eine Genossenschaft zusammenschließen, haben wir natürlich zuerst mit einigen Vorbehalten gerechnet. Je tiefer wir aber mit unseren Mitgliedern und Aktionären in die Kommunikation eingetreten sind, umso zuversichtlicher waren wir, dass wir nicht nur argumentativ gute Arbeit geleistet haben, sondern auch glaubwürdig unsere vollste Überzeugung zum gemeinsamen Weg zum Ausdruck gebracht haben.

Wir waren und sind von den Vorteilen einer Verschmelzung so überzeugt, dass wir sachlich von der großen Zustimmung überzeugt waren, die emotionale Komponente auf Seiten der Aktionäre und Mitglieder haben wir dabei natürlich nicht außer Acht gelassen. Und deshalb ist es uns wichtig, ein großes Dankeschön an diejenigen zu richten, die mit dieser erfreulich hohen Zustimmung in der Haupt- bzw. Vertreterversammlung den Weg für unsere neue Bank geebnet haben.“

Das neue Institut wird ja nun Volksbank Heinsberg eG heißen. Gab es da keine Befindlichkeitsprobleme bei den Raiffeisen-Bänkern?

Thomas Giessing: „Nein, nicht wirklich! Der neue Name spiegelt die Entwicklung unseres Hauses von einer früher einmal eher ländlich strukturierten und mit Warengeschäft auf die Landwirtschaft fokussierten Bank hin zu einem Geldinstitut, das aufgrund der gewachsenen Kundenstruktur ganz nah mit allen Menschen in ihrer Region verwurzelt ist, wider. Mit unserem neuen Zusatz im Logo ‚Persönlich – Fair – Genossenschaftlich’ entsprechen wir nach unserem Selbstverständnis einer Volksbank, die ihre Mitglieder und Kunden persönlich kennt, sie so behandelt, wie wir selbst behandelt werden möchten und die ihrem genossenschaftlichen Förderauftrag verpflichtet ist.“

Der Vorstand der Volksbank Heinsberg eG besteht künftig aus Dirk Cormann, Thomas Giessing, Kurt Hauser und Klaus-Dieter Kroll. Alle Vorstände bleiben also in Amt und Würden. In den darunter angesiedelten Führungsebenen dürfte die Jobverteilung wohl nicht ganz so einfach sein. Nicht alles kann doppelt besetzt werden. Wurden da bereits einvernehmliche Lösungen gefunden?

Klaus-Dieter Kroll: „Oh ja, sehr einvernehmlich sogar. Das können wir besten Gewissens behaupten. Die demographische Struktur der bisherigen Banken kommt uns da sehr zugute, denn es werden in absehbarer Zeit einige Führungskräfte in den Ruhestand gehen. Hieraus ergeben sich Chancen für geplante und anstehende Personalentscheidungen. Und diese einvernehmlichen Lösungen gibt es nicht nur auf der Führungsebene. Allen unseren Mitarbeitern haben wir ja nicht nur fest zugesagt, dass es keine fusionsbedingten Kündigungen gibt, ganz im Gegenteil – jetzt bieten sich noch mehr Möglichkeiten der Weiterbildung oder Spezialisierung.“

Ein weiterer Aspekt ist die Logistik. Bislang hat ja jede Bank sämtliche Abwicklungsprozesse selbstständig gesteuert. Nun müssen Prozesse zusammengeführt werden, auch räumlich. Wird es da größere Umbauarbeiten geben?

Kurt Hauser: „An der Zusammenführung der Abwicklungsprozesse wird intensiv gearbeitet, viele unserer Mitarbeiter sind hierin einbezogen und engagieren sich sehr intensiv. Hier arbeiten die Kolleginnen und Kollegen der beiden Häuser schon seit längerer Zeit in verschiedenen Projektgruppen sehr vertrauensvoll zusammen, und das wird auch noch eine ganz schöne Zeit in Anspruchnehmen. Umbauarbeiten wird es keine geben, denn alle Räumlichkeiten – jetzt also 23 Filialen – sind in allerbestem Zustand. Veränderungen sind lediglich kosmetischer Natur, wie beispielsweise beim Ändern des Firmenlogos. Fakt ist, dass wir die Verwaltungsbereiche auf die Siemensstraße konzentrieren werden und dass an beiden Heinsberger Standorten die gewohnte Beratungsqualität beibehalten wird.“

Lässt sich in dem Zusammenhang schon beziffern, wie viel Geld die beiden Banken zunächst einmal in die Hand nehmen müssen, bevor sie künftig gemeinsam ihr Geld verdienen?

Dirk Cormann: „Wie viel Geld man in die Hand nehmen muss, das kann man zum jetzigen Zeitpunkt nicht wirklich quantifizieren. Neben direkten Fusionskosten muss man natürlich die Mehrarbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Waagschale werfen. Aber da wir keine großartigen Umbaukosten haben, bleibt die Summe, die wir ausgeben, um gemeinsam erfolgreich zu sein, überschaubar und vertretbar und wird durch die erwarteten Synergieeffekte des Zusammenschlusses schnell überkompensiert.“

Steht der Stichtag für den Start der fusionierten Bank eigentlich schon fest?

Thomas Giessing: „Die Eintragung der Verschmelzung – also die rechtliche Fusion – wird voraussichtlich bis zum 30. August erfolgen. Die technische Fusion – also die Migration beider Kundendaten auf ein System – soll am 17. Oktober vollzogen werden. Ab diesem Zeitpunkt wird für alle Mitglieder und Kunden die neue Volksbank Heinsberg eG im Tagesgeschäft erlebbar. Wir werden unsere Mitglieder und Kunden über alle diese Dinge und über die wirklich nur kleinen Veränderungen, die auf sie zukommen werden, natürlich noch schriftlich informieren. Uns ist wichtig, dass keine Fragen offen bleiben.“

Es gibt noch kleine Institute aus dem Volksbanken- und Raiffeisenbankenbereich in der Region, die eisern an ihrer Selbstständigkeit festhalten wollen. Halten Sie das auf Dauer für realistisch oder steuert am Ende doch alles auf ein großes Kreditinstitut zu?

Klaus-Dieter Kroll: „Mit Blick auf unsere Mitglieder, Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter haben wir uns für die Fusion, als die nachhaltig beste Entwicklung entschieden. Das haben unsere Aktionäre und Mitglieder ja auch so gesehen, obwohl sie wussten, dass jedes Haus für sich so gesund aufgestellt war, dass jede Bank für sich hätte weiterarbeiten können wie bisher. Wir sind davon überzeugt, dass wir den richtigen Schritt gegangen sind. Wie andere Banken auf die Herausforderungen der Zukunft reagieren, muss jede Bank für sich strategisch einschätzen und danach handeln.“

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