Nach der Insolvenz: Was wird aus der Wassenberger Burg?

Von: Daniel Gerhards
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Seniorenzentrum, Flüchtlingsunterkunft, Bernsteinmuseum – Robert Soltyszeck hat schon viele Optionen für die Wassenberger Burg durchgespielt. Trotzdem ist die Zukunft des Wahrzeichens der Stadt weiter ungewiss. Fotos (2): Daniel Gerhards Foto: Daniel Gerhards

Wassenberg. Robert Soltyszeck sitzt in einem bequemen Sessel. Er ist noch einmal in die Burg gekommen, in der bis vor einigen Monaten das Hotel und Restaurant seiner Eltern untergebracht war. Soltyszeck ist alleine in der Burg, Hotel und Restaurant sind geschlossen, die Betreibergesellschaft ist insolvent. Was bleibt, ist das Gebäude – eines der Wahrzeichen von Wassenberg.

Soltyszeck sucht nach einer Lösung. „Einfach ist es nicht“, sagt er und schaut sich im Raum um. Für Burg-Eigentümer Soltyszeck gibt es zwei Optionen: Das Gebäude verkaufen oder etwas völlig anderes daraus machen. Nur eines sei keine Option: Das Hotel und das Restaurant nach altem Muster wieder zu eröffnen. Also kein „Weiter so“.

Ein Hotel mit 30 Zimmern könne man nicht mehr wirtschaftlich betreiben. Man habe die gleichen Fixkosten wie bei einem 100-Zimmer-Haus. Nur die Einnahmen seien geringer. Es geht dabei um Personalkosten für Rezeption, Küche und Service. Zuletzt arbeiteten in der Burg sechs Mitarbeiter, zu Spitzenzeiten waren es knapp 20.

Es sind aber nicht nur die Personalkosten, die dazu führten, dass die Burg in die Insolvenz ging. Die Rahmenbedingungen hätten sich zum Negativen gewandelt, sagt Soltyszeck. Firmen sparten sich Hotelkosten und ließen ihre Mitarbeiter zum Beispiel am Messeabend wieder nach Hause fliegen. Auch große Firmenfeiern gäbe es immer seltener. Und Seminare würden kaum noch abgehalten. Mit solchen Entwicklungen hatte der Betrieb zu kämpfen. Und er hat den Kampf verloren.

Soltyszeck hofft nun auf eine schnelle Lösung für die Burg mit den 30 Hotelzimmern, fünf Banketträumen, Restaurant und Terrasen – das alles auf einem 8100 Quadratmeter großen Grundstück. „Es muss etwas passieren. Wir wollen nicht in den Winter gehen, ohne eine Lösung gefunden zu haben. Das wäre für die Immobilie ungünstig“, sagt er.

Dass Soltyszeck in alle Richtungen denkt, zeigen die Optionen, die er in den vergangenen Wochen und Monaten durchgespielt hat. Er dachte darüber nach, junge Flüchtlinge in der Burg unterzubringen – nicht im Stile einer Massenunterkunft, sondern in dem eines „Integrationsheims“. Oder man könnte die Burg zum Seniorenzentrum umbauen, was mit „gigantischen Umbaumaßnahmen“ verbunden wäre.

Und es gibt noch eine Möglichkeit, die noch nicht ganz vom Tisch ist: eine Bernsteinausstellung. Die originalgetreue Nachbildung des Bernsteinzimmers solle aus dem Katharinenpalast in St. Petersburg nach Deutschland kommen, sagt Soltyszeck. Sie könne er sich gut in der Wassenberger Burg vorstellen. Es würde sich dabei um eine zwölf Jahre dauernde Ausstellung handeln. Ob diese Option realistisch ist, ist derzeit vollkommen offen.

Nun ist aber erst einmal der Insolvenzverwalter am Zug. Er werde demnächst damit beginnen, das bewegliche Inventar, das nicht zur Immobilie, sondern zum Hotelbetrieb gehört, zu verkaufen.

Den Insolvenzantrag hatte der Betrieb im Januar gestellt. Vorher, Mitte Dezember, waren Robert Soltyszeck und sein Bruder auf die Burg gekommen. Eigentlich, „um Urlaub zu machen“. Aber dann analysierten sie die wirtschaftliche Situation des Betriebs und schlossen ihn. Seitdem ist die Zukunft der Burg ungewiss.

Soltyszeck spricht darüber, dass die Stadt Wassenberg ihn bei seinen Bemühungen unterstütze, denn auch im Rathaus hofft man auf eine Lösung für das Wahrzeichen. Soltyszeck: „Das Denkmal erhalten? Sehr gerne. Aber das funktioniert nur mit einem wirtschaftlichen Nutzen. Sonst kann das keiner bezahlen.“

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