Nach 40 Jahren auf dem Wochenmarkt ist nun Schluss

Von: Daniel Gerhards
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Der letzte Tag als Markthändler: Toni von Krüchten (Mitte) geht nach 40 Jahren auf dem Heinsberger Markt in Ruhestand. Auch zur Freude seiner Frau Marianne (r.). Sein Nachfolger Alexander Tholen (l.) hilft schon kräftig mit. Foto: Daniel Gerhards

Heinsberg. An diesem Morgen musste Toni von Krüchten etliche Hände schütteln. Jedes Mal begleitet von einem guten Wunsch für seine Zukunft. Es war Toni von Krüchtens letzter Tag als Händler auf dem Heinsberger Wochenmarkt. 40 Jahre stand er dort, bei Wind und Wetter und verkaufte Obst und Gemüse. Zu jeder Jahreszeit, bei jedem Wetter. Jetzt geht er in Rente.

1977 hat er den Stand übernommen. In Sachen Verkauf auf dem Wochenmarkt war Toni von Krüchten, der aus Kirchhoven stammt und in Heinsberg lebt, familiär vorbelastet. Sein Opa verkaufte Eier und Geflügel auf Wochenmärkten, unter anderem in Aachen.

Er sei schon in den 20er und 30er Jahren mit vollen Körben per Bus und Straßenbahn in die Kaiserstadt gefahren. Toni von Krüchtens Eltern traten in die Fußstapfen des Großvaters. Er selbst habe dann auf Obst und Gemüse gesetzt, das er auf den Wochenmärkten in Heinsberg und Stolberg verkaufte.

Und so viel habe sich in den vergangenen 40 Jahren gar nicht getan, zumindest nicht bei seinen Waren: „Das Angebot ist immer noch das gleiche wie vor 40 Jahren“, sagt er. Er habe immer noch zum Großteil die selben Lieferanten, zum Beispiel für Blumenkohl, Spitzkohl und Wirsing aus der Region oder für Pfirsiche aus Frankreich.

Die Hochzeit ist vorbei

Ein paar Dinge haben sich dann aber doch geändert. „Die richtige Hochzeit ist vorbei“, sagt er. Früher sei sein Stand noch einmal drei Meter breiter gewesen, und man habe mit acht Verkäufern bedient. „Der Knick ist in den vergangenen 20 Jahren gekommen, weil die Filialisten immer weiter in das Geschäft mit Obst und Gemüse hineingedrängt sind“, sagt Toni von Krüchten. Zwar hätten diese immer schon frische Waren angeboten, aber die Qualität sei dort eben auch gestiegen.

Toni von Krüchten hat auch 21 Jahre lang ein Geschäft in Heinsberg geführt, in dem er Obst, Gemüse und Käse verkaufte. Und nun, mit 65 Jahren, geht er in Rente. Einige Male wird er seinem Nachfolger noch aushelfen. Alexander Tholen aus Waldfeucht übernimmt den Stand. Er ist 23 Jahre alt und verkauft nun auch Obst und Gemüse vom Hof seiner Familie. Zwei bis drei Monate will ihm Toni von Krüchten noch unter die Arme greifen.

Und dann ist es vorbei mit dem frühen Aufstehen und den langen Arbeitstagen. Am Freitag begann sein Tag um 3.30 Uhr. Dann ging es ins Lager. Um 5 Uhr kam er auf den Markt. Alles musste gepackt und aufgebaut werden. Um 13 Uhr war dann auf dem Markt Schluss.

Bis alles wieder im Lager und in der Kühlung verstaut ist, kann es 15.30 Uhr werden. Zwölfstundentage sind also normal, vor Feiertagen, in der Spargel- und Erdbeerzeit können da auch noch ein paar „Überstunden“ hinzukommen. „Viele Leute wissen gar nicht, was alles dazugehört. Die sehen uns ja nur, wenn wir hier verkaufen“, sagt Toni von Krüchten.

„Das ist der Luxus an dem Job“

Und die Zeit auf dem Markt, der Umgang mit den Kunden, das sei sowieso das Schönste an der Arbeit, findet Nachfolger Alexander Tholen. „Es macht Spaß, mit den Leuten umzugehen. Das ist der Luxus an dem Job“, sagt er.

Toni von Krüchten arbeitet indes weiter. Er packt Kartoffeln, Trauben und Apfelsinen ein. So wie immer. Bis auch sein letzter Tag auf dem Heinsberger Wochenmarkt zu Ende geht.

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