Musikalische Entdeckungsreise durch die Jahrhunderte

Von: defi
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Geistliche Volkslieder standen auf dem Programm des Offenen Singens in der Christuskirche Heinsberg. Zum Lutherjahr wurde Liedgut aus fünf Jahrhunderten angestimmt. Foto: Dettmar Fischer

Heinsberg. Es herrschte Markttreiben in Heinsberg an einem sonnigen Tag im Jahre des Herrn 1524. In der Christuskirche kamen Menschen zusammen, um gemeinsam Lieder zu singen. Das Jahr 1524 und das Markttreiben waren fiktiv. Der Rest kam hin.

Die Sonne schien draußen vor der Kirchentür an der Erzbischof-Philipp-Straße, und es wurden geistliche Volkslieder gesungen, die einen Bogen spannten über fünf Jahrhunderte. Der Wilhelm-Wilms-Projektchor stimmte unter der Leitung von Kantor Willi Kann die Lieder an.

Schulamtsdirektor Christoph Esser schlüpfte in die Rolle eines mittelalterlichen Barden und griff zur Gitarre. Die Besucher taten stimmlich ihres Bestes, um den schönen Liedern Gehör zu verschaffen. Astrid Brausten, Presbyterin der Evangelischen Kirchengemeinde Heinsberg, hatte die Idee gehabt, das Offene Singen in der Christuskirche dieses Mal unter ein Motto zu stellen: Martin Luther, das geistliche Volkslied und seine Verbreitung bis heute.

Gleich zu Beginn wurden die Gäste eingestimmt, das Geschehen auf einem Marktplatz zur Zeit des großen Reformators Martin Luther suggeriert. Sabine Walinski, Dieter Nuske und Juliane Reiter gingen Marktschreier darstellend mit ihren Warenkörben rund.

Die Entdeckungsreise durch die Jahrhunderte wurde anschaulich auch durch die Textpassagen, die Astrid Brausten zusammen mit Laura Dohmen vortrug. Brausten: „Die Freiheit des Christenmenschen allein durch Gottes Gnade – das war die Kernbotschaft Luthers, die über seine Schriften und weitaus mehr über seine Lieder die Herzen der Menschen erreichte.“

1523 – ein produktives Jahr

1523 hatte Luther selber zu Feder und Laute gegriffen und in Ermangelung geeigneter Dichter das Lied „Nun freut euch, lieben Christen g´mein“ niedergeschrieben. Chor und Publikum stimmten es gemeinsam an. Es war ein produktives Jahr für den Komponisten Luther. In weniger als einem Jahr schrieb er 29 der 34 von ihm überlieferten Lieder. „Ein feste Burg ist unser Gott“ stammt ebenfalls von Luther, es war eines der fünf Nachzügler, entstanden 1529.

„Ich singe Dir mein Herz und Mund“, getextet von Paul Gerhardt im Jahr 1653, setzte die Reise fort. Laura Dohmen stellte den Liedschöpfer vor: „Beim Blick auf sein von Leiderfahrungen geprägtes Leben sollte man vermuten, dass Trauer und Zweifel sich in seinen Texten widerspiegeln. Dennoch: Nicht Klage, sondern tiefes Gottvertrauen und eine fröhliche Dankbarkeit ist der Grundton in seinen Liedern.“

„Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben“ war ein weiteres gesungenes Beispiel für Paul Gerhards und vielleicht auch manches Sängers Gottvertrauen. Über einige schöne Lieder wie Matthias Claudius´ „Der Mond ist aufgegangen“ gelangten die Zeitreisenden in die Gegenwart. Der Kanon „Herr, bleibe bei uns“ wurde angestimmt.

Kantor Willi Kann war inzwischen so überzeugt von Chor und Mitsängern, dass er dreistimmig singen ließ – und es klappte.

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