Erkelenz - „Mundwinkel hoch“: Bernd Stelter in der ausverkauften Stadthalle

„Mundwinkel hoch“: Bernd Stelter in der ausverkauften Stadthalle

Von: mb
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Erkelenz. Bernd Stelter – ein Stimmungsaufheller mit nur einer einzigen Nebenwirkung: Die Mundwinkel gehen nach oben. Mit seinem Programm „Mundwinkel hoch“ gastierte der beliebte Entertainer in der ausverkauften Erkelenzer Stadthalle („Hütte voll – toll!“) und bot eine Fülle von Rezepten und Möglichkeiten, das Leben lächelnd zu betrachten.

In der Welt-Zufriedenheitsstudie liegt Deutschland nur auf Platz 47 – gleich hinter Ruanda. Dabei hätten gerade wir Deutschen allen Grund, „rumzulaufen, wie Lothar Matthäus im Mädcheninternat.“ Den Beweis tritt „Berniebärchen“ äußerst sportlich als Stand-Up-Comedian und Sänger, als Lästermaul und Geschichtenerzähler an. Seine Beweiskette ist lückenlos und führt durch alle Lebensbereiche. Mutig stemmt er sich dem „Angsthasen-Gen“ entgegen. „Ich hänge mich erst auf, wenn alle Stricke reißen.“

Wie ein roter Faden zieht sich Helmut durchs Programm. Helmut besucht den Yoga-Kurs, ist esoterisch angehaucht und ein Mann voller Lebensweisheiten. Er weiß, dass ein Sturz aus dem Spagat Männern kein Glück bringt und dass meditieren immer noch besser ist, als rumsitzen und nichts tun. Auch, wenn der Druckfehler auf Seite 68 des Kamasutra ihm wieder einmal einen neuen Verband beschert – Helmut lässt sich nicht unterkriegen und die Zuschauer an seinen „unbeschreiblichen Momenten“ teilhaben.

Ganz andere Probleme hat Herr Wiegand aus Osnabrück, dessen Familie sich beharrlich weigert, so zu sein wie die Familien im Nachmittagsprogramm des Privatfernsehens. Keine Drogen, keine brennenden Autos, keine Seitensprünge, keine Vorladung bei Richter Hold - nicht einmal Magersucht. Aber auch für ihn hält das Leben ein Lächeln bereit: Sein Dackel ist ein Kampfhund – er kämpft mit Übergewicht und hohen Bordsteinkanten.

Urkomisch die moderne Interpretation von Märchen. Als „Ische mit dem roten Hut“ kommt Rotkäppchen als eine Art „Essen auf Rädern“ in den Wald und der Froschkönig bietet Textvorlagen, da „klappt sich die Rückbank im Opel-Corsa von alleine um – eine Art Bunga-Bunga-Flatrate“. Längst schon belässt es das Publikum nicht mehr beim Lächeln und ist bei schallendem Gelächter angekommen. Papst-Wahl, Pferdefleisch-Skandal („Dein Essen wiehert mich an“), der Problem-Peer aus NRW, Fitnessstudio und Frauenzeitschriften – humorfreie Zonen gibt es nicht. England will aus der EU austreten? „Dann geht doch“, schmettert Stelter selbstbewusst, „aber vorher schickt ihr den Podolski zurück!“

Zu Hochform läuft der Comedian auf, wenn er dem deutschen Schlager nachtrauert. Anrührend seine Songs „Fliegen wie Ikarus“ nach bester deutscher Liedermachertradition „Das ist die Nacht“ und „Ich bin ein Clown“. Bernd Stelter zieht alle Register, wird erst nach mehreren Zugaben von der Bühne gelassen und stellt sich dann noch den Fragen aus dem Publikum. „Wann kommen sie wieder?“ Das ist so ziemlich die schönste Frage, die man einem Künstler stellen kann, der erst vor zwei Minuten sein Programm beendet hat. Und der Mann mit den „drei Haaren auf der Brust“ zieht die Mundwinkel noch ein bisschen höher.

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