Heinsberg-Oberbruch - Mundstuhl liefert abwechslungsreiche, kurzweilige Unterhaltung

Mundstuhl liefert abwechslungsreiche, kurzweilige Unterhaltung

Von: Stefan Reiners
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Ande Werner und Lars Niedereichholz boten ihren Fans in der Oberbrucher Festhalle als Comedy-Duo Mundstuhl jede Menge Spaß ohne Längen und Atempause. Foto: Reiners
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Ande Werner und Lars Niedereichholz boten ihren Fans in der Oberbrucher Festhalle als Comedy-Duo Mundstuhl jede Menge Spaß ohne Längen und Atempause. Foto: Reiners

Heinsberg-Oberbruch. Vor nahezu ausverkauftem Saal wurde am Samstag in der Festhalle in Oberbuch das Beste aus 50 Jahren Mundstuhl gegeben. Dass „Mundstuhl“ ein Frankfurter Komiker-Duo ist, bestehend aus Lars Niedereichholz und Ande Werner, hat sich schon seit Mitte der 90er Jahre deutschlandweit herumgesprochen.

Mit dem Gerücht, der Bandname resultiere aus einer durchzechten Nacht und dem anschließenden Gefühl, bzw. Geschmack im Mund, räumten die beiden im persönlichen Gespräch kurz vor Konzertbeginn noch endgültig auf.

„Tatsächlich war es so“, eröffnete Lars, „dass der Name schon auf unsere Großväter zurückzuführen ist. Meiner war Zahnarzt und hat auf einer Polarexpedition den Matrosen die Zähne gemacht. Daher nannten die den nur „Dr. Mund“. Der zum Namen fehlende Stuhl komme von seinem Großvater, ergänzte Ande. Dieser sei so von den Amazonasindianern genannt worden, „Stuul“ heiße so etwas wie „Großer, weißer Gott.“

Das ist sie also, die exklusive „Heinsberger Wahrheit“ um die Entstehung des Namens, nach der die Komiker schon so oft gefragt wurden, dass sie sich irgendwann schworen, keine Geschichte hierzu zweimal zu erzählen.

Wesentlich näher an der Realität war da wohl die Schilderung, wie die damals aktiven Hardrocker, die zwar in verschiedenen Bands spielten, aber gemeinsam tourten, letztlich auf die Idee kamen, Comedy zu machen. „Beide Bands waren gut. Gute Musiker, gute Songs“, so Lars, der mit seiner Formation „The Automanic“ 1994 den Deutschen Rockpreis und die damit verbundene Studioproduktion gewann, „ aber im Grunde hat‘s keine Sau interessiert. Nachdem 1995 dann endgültig feststand, dass es mit der Musik einfach nix wird, kam bei mir – angeregt durch das damals auf RTL startende „Samstag Nacht“ und die daraus resultierende Comedy-Schwemme – die Idee, das auch zu machen“, schickte er in feinstem hessischen Dialekt hinterher.

„Mit dem Ande hatte es damals schon gut funktioniert, deshalb hab ich den dann angerufen“. Und der Angesprochene bestätigte: „Ich war damals in drei Bands, hab sechsmal die Woche geprobt, ich wollte es einfach wissen, unbedingt auf die Bühne und damit Geld verdienen. Warum nicht Comedy?“

Von da an sei es rasend schnell gegangen und schon kurze Zeit später habe man die gleichen Clubs, wo vorher mit den Bands knapp zwanzig Leute kamen, als „Mundstuhl“ komplett gefüllt, so dass sogar noch etliche nach Hause geschickt werden mussten.

Warum das so ist, zeigten Lars und Ande anschließend im zweistündigen Programm „Mütze, Glatze! Simply the Pest; 50 Jahre Mundstuhl“ bravourös. Der Saal feierte 120 Minuten lang ohne jeden Leerlauf. Abwechslungsreiche, kurzweilige Unterhaltung, dank häufig wechselnder Charaktere, mit einem Humor, den man schon auch mögen muss, nicht immer politisch korrekt oder jugendfrei und gerne auch mal albern („50 Jahre klingt einfach besser als 20!“). Der Auftritt der „Zwei Ossi Schlampen“ Peggy & Sandy bediente nun wirklich jedes Klischee, von der 32-jährigen Hartz-IV-Oma bis zum Nazi-Kevin, und zelebrierte den sächsischen Dialekt geradezu bei Fragen wie: „Fährt er‘n Pölö öder ‘n Gölf?“. Dragan & Alder, mit ihrem am Akzent unverkennbaren Migrationshintergrund, beriefen sich stolz auf dreißig Jahre Berufsschulerfahrung und diskutierten – natürlich – über Handys und Autos. Erfrischend war der Auftritt von Torben und Malte, dem ökologisch korrekten Frutarier-Duo „No Pressure“ mit dem Mitsing-Integrationslied „Nett zu farbigen Menschen“.

Liebe zum Detail

Aber egal, welche Figur Lars und Ande gerade darstellten, sie machten es mit Liebe zum Detail, echter Hingabe und vor allem mit Spaß an der Sache. Das sah man und das spürte man.

Auch weniger geschmackvolle Gags, wie die Einspielung des im Rollstuhl sitzenden Christopher Reeves während der Diskussion, ob Superman der stärkste Held sei oder der Anblick zweier eher weniger trainierten, fast 50-jährigen nackten Pobacken, konnte man den beiden Comedians nicht wirklich krumm nehmen. Ebenso wie eine als Sketch verpackte mehrminütige Werbeveranstaltung in eigener Sache, bei der eigene T-Shirts und Bücher angepriesen wurden. Das ist eben „Mundstuhl“.

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