„Müssen dringend neuen Wohnraum schaffen“

Von: Ingo Kalauz
Letzte Aktualisierung:
Symbol Baustelle Bauarbeiter Bauen Bau Bauhelm Helm dpa
Die Stadt Hückelhoven will Mehrfamilienhäuser in Doveren, Brachelen-Tenholt, Hilfarth und Altmyhl errichten. Symbolfoto: dpa

Hückelhoven. Es klang fast, als sei Helmut Holländer noch immer ziemlich erschöpft: Für alle Beteiligten sei 2015 ein „Krisenjahr“ gewesen; man habe die „Mammutaufgabe“ besonders im zweiten Halbjahr nur im „Krisenmodus“ bewältigen können; an manchen Tagen habe man morgens nicht gewusst, ob die Aufgaben bis zum Abend bewältigt werden konnten; oft habe man „bis Mitternacht“ durchgearbeitet.

Helmut Holländer ist Kämmerer der Stadt Hückelhoven. In der Sitzung des Sozialausschusses redete er allerdings nicht über den verzwickten Hindernislauf bei der Aufstellung des Haushaltes für das laufende Jahr; Holländer ergriff zu Punkt 3 der Tagesordnung „Bericht über die Flüchtlingssituation in Hückelhoven“ das Wort. Der Mann ist nämlich auch Erster Beigeordneter der Stadt.

Und in dieser Eigenschaft konnte er den Ausschussmitgliedern nach offenbar aufreibenden Wochen und Monaten („In einer Woche haben wir einmal 63 Flüchtlinge zugewiesen gekriegt; da ging es drunter und drüber“) jetzt Entspannung signalisieren: „Wir haben heute die Zusage erhalten, dass wir bis zum 31. März keine neuen Flüchtlinge zugewiesen bekommen“.

Das verschaffe vor allem den Mitarbeitern des Sozialamtes Luft, „neuen Wohnraum zu akquirieren und einzurichten“. Man könne, so Holländer, nun „vom Krisenmodus in den Normalbetrieb“ umschalten: „Vom 1. Januar bis heute haben wir erst 25 Flüchtlinge neu zugewiesen bekommen.“ Durchatmen.

Rückzieher gemacht

Aber: Da der Wohnungsmarkt in Hückelhoven angespannt ist, wird es immer schwieriger, vorhandenen Wohnraum anzumieten. Für die Unterbringung von Familien und allein reisenden Frauen hat die Stadt zusätzlich zu den bereits genutzten 26 städtischen Wohnungen 70 weitere angemietet. „Wir müssen dringend neuen Wohnraum für die Unterbringung von Flüchtlingen schaffen, denn wir wollen an unserem Ziel festhalten, die Flüchtlinge dezentral unterzubringen“, sagte Holländer.

Deshalb werde derzeit als weitere Unterkunft für allein reisende junge Männer die Immobilie an der Ottostraße 15 in Baal umgebaut. Dort, in der Halle eines ehemaligen Kostümverleihs – die überdies als städtisches Lager für Einrichtungs- und Ausstattungsgegenstände für die Flüchtlingsunterkünfte sowie als zusätzlicher Standort für die Hückelhovener Tafel genutzt werden soll –, werden im Regelbetrieb bis zu 70 Personen untergebracht. Die Gesamtkosten für das Projekt beziffert Holländer mit 540.000 Euro.

Obwohl man mit dem Standort für ein Mehrfamilienhaus im Neubaugebiet an der Korbmacherstraße in Hilfarth ziemlich auf die Nase gefallen ist und einen Rückzieher machen musste, hält man dennoch an dem Bau von solchen Häusern fest. Sie sollen zunächst der Unterbringung von Flüchtlingsfamilien dienen und später als Wohnraumangebot auf dem freien Markt angeboten werden.

Holländer sprach von „wegweisenden Entscheidungen“ als er „aufgrund der in der Vergangenheit gemachten Diskussionen“ dafür folgende Standorte nannte: In Doveren am Junkerberg soll ein Neunfamilienhaus gebaut werden. Die Kosten dafür sind mit 1,215 Millionen Euro angesetzt, Baubeginn soll im Mai/Juni, auf alle Fälle noch vor den Sommerferien sein;in Brachelen-Tenholt soll ebenfalls ein Neunfamilienhaus entstehen.

Die Kosten hierfür liegen nach den neuesten Planungen bei 1,25 Millionen Euro; auch hier soll im Mai/Juni, spätestens aber noch vor den Sommerferien mit dem Bau begonnen werden; in Hilfarth an der Erlenstraße soll ein Neun- oder Zehnfamilienhaus durch die Stadt oder einen privaten Investor gebaut werden.

Sollte die Stadt selbst bauen, wird dies frühestens 2017 sein; in Altmyhl auf dem ehemaligen Zechenparkplatz gegenüber dem alten SJ-Verwaltungsgebäude wird durch Privatinvestoren ein Zehnfamilienhaus entstehen, die Planungen dafür sollen im Frühjahr vorgelegt werden.

Helmut Holländer rechnet für diese Bauvorhaben nicht mit ähnlichen Protesten wie es bei dem in Hilfarth an der Korbmacherstraße der Fall war: „Es wird keinen Standort geben, für den es keine Einwendungen gibt“, sagte der Beigeordnete, betonte aber im gleichen Atemzug: „Das müssen wir aushalten.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert