Erdmännchen Freisteller

Mord in Wassenberg: Polizei nimmt Verdächtige fest

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
Männerleiche Wassenberger Wald
Links hinter diesem Gebäudeeingang wurde die Leiche des Mannes durch den Jagdaufseher gefunden. Foto: Georg Schmitz

Wassenberg. Der Mord an dem 46-jährigen Bonner, dessen Leiche am 23. Oktober in einer Bauruine in der Nähe des Heesweges gefunden wurde, steht offenbar kurz vor der Aufklärung. Das behauptet jedenfalls der Aachener Oberstaatsanwalt Peter Jansen. Grund für seine Zuversicht ist die Festnahme von zwei dringend tatverdächtigen Männern.

Einer ist 65 Jahre alt und stammt aus Wassenberg, der zweite ist ein 44-jähriger Wegberger. „Die beiden Personen stehen im Verdacht, sich sowohl an dieser Tat als auch an einem Gewaltdelikt zum Nachteil des Bruders des Getöteten, eines 50-jährigen Arztes aus Wassenberg, beteiligt zu haben”, heißt es in offiziellem Amtsdeutsch.

Was die ermittelnden Behörden gegenüber der Öffentlichkeit bislang verschwiegen hatten: Der Arzt Michael D. war bereits zwei Tage bevor der Tote gefunden wurde in ein anderes Waldstück gelockt und dort durch die beiden Männer mit Schlägen gegen den Kopf schwer verletzt worden.

Als Motiv für beide Taten kämen finanzielle Streitigkeiten in Betracht, so die Staatsanwaltschaft. Auf Nachfrage unserer Zeitung geht Jansen dann ins Detail. Demnach bestand zwischen dem 65-jährigen Wassenberger und dem Arzt zunächst wohl eine durchaus freundschaftliche Beziehung, die später auch in eine geschäftliche münden sollte.

„Der Arzt hat dem 65-Jährigen Geld zur Verfügung gestellt, das dieser versprach, gewinnbringend anzulegen.” Insgesamt soll es sich dabei um die stattliche Summe von zwei Millionen Euro gehandelt haben, die in mehreren Teilbeträgen in die Tasche des 65-Jährigen geflossen seien. Auch die Eltern des Arztes und seines getöteten Bruders hätten einen Teil ihres Vermögens in den scheinbar lukrativen Deal gesteckt.

Was jedoch zu diesem Zeitpunkt niemand aus der Familie des Arztes ahnte: der 65-jährige Wassenberger ist bereits wegen mehrerer Betrugsdelikte in der Vergangenheit rechtskräftig verurteilt worden. Das von ihm so überaus reizvoll geschilderte Geschäft, zu dem laut Oberstaatsanwalt Jansen auch die Investition in Antiquitäten und Gold gehörte, war nichts weiter als eine Seifenblase.

So zog die Zeit ins Land und die Familie des Arztes wurde langsam ungeduldig ob der tollen Renditen, die fließen sollten, von denen aber weit und breit nichts zu sehen war. „Der Arzt und sein Bruder haben dann auf die Rückzahlung des Geldes gedrängt”, sagt Peter Jansen. Möglicherweise das Todesurteil für den 46 Jahre alten Mann aus Bonn.

Die Staatsanwaltschaft, die mittlerweile bewirkte, dass das Amtsgericht Aachen gegen den 65-jährigen Wassenberger und seinen 44-jährigen Helfer aus Wegberg Haftbefehl wegen des Verdachts des Mordes und des versuchten Mordes erließ, glaubt, dass die beiden Brüder mundtot gemacht werden sollten, um die zwei Millionen Euro nicht zurückzahlen zu müssen und den Gang des Arztes zur Polizei zu verhindern.

Bei dem Arzt, der zwei Tage vor dem Fund der Leiche bereits brutal zusammengeschlagen worden war, schien die Rechnung der Täter zunächst aufzugehen. „Die Erkenntnis, dass es sich um ein und dieselben Täter handelt, ist erst in den letzten Tagen gekommen”, erklärt Jansen. Möglicherweise aus Angst, so vermutet er, sei der Arzt bei der Aufklärung des Falles zunächst nicht übermäßig hilfreich gewesen.

Der Bruder hatte die Schläge auf seinen Kopf nicht überlebt. Waren die Rechtsmediziner der Uni Köln bislang unsicher, wo er zu Tode gekommen sei, so dürfte mittlerweile feststehen, dass er auf dem kleinen Waldparkplatz am Heesweg erschlagen worden ist. Die Ermittler waren davon ausgegangen, dass an dieser Stelle mehr Blut hätte gefunden werden müssen.

Doch der 44-jährige Tatverdächtige aus Wegberg hatte laut Oberstaatsanwalt Jansen in den Verhören eingeräumt, dass die Tat auf dem Parkplatz erfolgt sei. Wirklich geständig sind die beiden in U-Haft sitzenden Männer jedoch nicht. „Der 65-Jährige schweigt zu den Vorwürfen”, sagt Jansen. „Und der 44-Jährige erklärt zwar, mit am Tatort gewesen zu sein, er habe den Bruder des Arztes aber nicht erschlagen.”

Auf die Frage, ob er zuversichtlich sei, dass der Fall bald restlos aufgeklärt ist, lächelt Peter Jansen. „Sonst hätten wir die Presse nicht über die Verhaftung informiert.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.