Mobile Jugendarbeit: Es dreht sich alles um das Vertrauen

Von: Daniel Gerhards
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Streetworker mit tierischer Unterstützung: Tobias Storms und sein Hund Sky kümmern sich um die mobile Jugendarbeit in Oberbruch. Foto: Daniel Gerhards

Heinsberg-Oberbruch. Wenn Tobias Storms demnächst in Oberbruch auf der Straße unterwegs ist, dann ist einer immer dabei: Hund Sky begleitet den neuen Leiter der mobilen Jugendarbeit in Oberbruch. Und Sky ist ein Türöffner. Über den Hund kommt Storms oft leichter mit Jugendlichen ins Gespräch. Beste Startvoraussetzungen also.

Dass Tobias Storms nun in Oberbruch unterwegs ist, hängt vor allem damit zusammen, dass die Stadt Heinsberg der Ansicht ist, dass die Jugendlichen im Stadtteil seine Unterstützung brauchen. Von den 1228 Kindern und Jugendlichen, die in Oberbruch wohnen, bezieht mehr als ein Drittel Hartz-IV-Leistungen.

Das bleibt nicht ohne Folgen. In Oberbruch kommt es bei vielen Jugendlichen zu Problemen. Zuletzt begleitete das Jugendamt mehr als 60 Kinder und Jugendliche mit seiner Hilfe zur Erziehung, und mehr als 30 Kinder wurden von der Jugendgerichtshilfe betreut. Die Stadt finanziert die mobile Jugendarbeit nun.

Für Tobias Storms, 37 Jahre, kommt es erst einmal darauf an, die Jugendlichen in Oberbruch kennenzulernen, er muss herausfinden, wo sich die jungen Leute treffen, und sein Gesicht muss bekannt werden. „Es geht darum, Vertrauen aufzubauen“, sagt er. Er wolle sich nicht aufdrängen, erstmal nur seine Karte abgeben. Manche Jugendliche sind offen, manche eher verschlossen. Bei manchen dauert der Prozess länger, bei anderen geht es schnell.

Später will Storms dann bei den Jugendlichen mit Freizeitangeboten punkten. Badminton-Ausrüstung, Fußballtore und einen ganzen Sack voller Bälle will er mit auf seine Tour durch Oberbruch nehmen. Später könne er sich auch vorstellen, Tagesausflüge oder Graffiti-Projekte anzubieten. „Das kommt darauf an, was die Jugendlichen hier in Oberbruch wollen“, sagt Storms. Das möchte er mit der Zeit herausfinden.

Für die evangelische Gemeinde war es gar nicht so einfach, jemanden wie Tobias Storms zu finden. Seine Stelle war bereits zum 1. Juli des vergangenen Jahres ausgeschrieben. „Wir haben uns unfreiwillig viel Zeit gelassen, die Stelle zu besetzen“, sagt Pfarrer Sebastian Walde. Aber der Markt für Sozialarbeiter und Sozialpädagogen sei übersichtlich.

„Und wir wollten jemanden mit der fachlichen Qualifikation und Erfahrung“, sagt Walde. Beides bringe Storms mit. Er habe zuletzt sechseinhalb Jahre lang in einem offenen Jugendtreff in Jülich gearbeitet. Vorher machte er mobile Jugendarbeit in Linnich. Beide Jobs waren wie sein neuer bei der Evangelischen Kirche angesiedelt. Man kennt sich also. Und schätzt sich.

Schule, Familie, Liebeskummer

Natürlich besteht Storms‘ Job in Oberbruch nicht nur daraus, nette Gespräche mit den Jugendlichen zu führen und ihnen ein paar Tore zum Fußballspielen aufzustellen. Es geht auch um handfeste Probleme. Stress in der Schule, Ärger in der Familie oder Liebeskummer.

„Ich bin dafür ein Ansprechpartner. Die Jugendlichen müssen wissen, dass alles, was sie mir sagen, zu 100 Prozent bei mir bleibt“, sagt er. Im sozial schwierigen Umfeld bekämen die Kinder und Jugendlichen in ihren Familien oft nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen, weil die Eltern mit ihren eigenen Problemen beschäftigt seien. „Die Oase ist für viele Kinder ein Familienersatz“, sagt Walde.

Und als Mitglied dieser großen Ersatzfamilie soll Storms zum Beispiel auch bei der Berufsorientierung helfen oder bei Suchtfragen an Beratungsstellen vermitteln. Das könnte die Hemmschwelle der Jugendlichen senken, professionelle Hilfe zuzulassen.

Bis es um solche Fragen geht, drehen Tobias Storms und Hund Sky noch ein paar Runden durch Oberbruch. Sie machen sich ein Bild. Einen Namen für das mobile Team gibt es jedenfalls schon: In Anlehnung an den Star-Wars-Helden nennen sie sich: Sky-Walker.

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