Erkelenz - Mittsommernachtslesung auf dem alten Friedhof

Mittsommernachtslesung auf dem alten Friedhof

Von: hewi
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Es ist schon ein besonderes Ambiente, wenn Autoren bei Kerzenschein auf dem alten Friedhof ihre Texte lesen. Foto: hewi

Erkelenz. Zu ungewöhnlicher Stunde und an ebenso ungewöhnlichem Ort trafen sich Literaturfreunde zur zwölften Erkelenzer Leseburg. Unter dem Motto „Leseburg on tour“ hatten die Macher um 22 Uhr auf den alten Friedhof an der Brückstraße eingeladen.

Dass es sich bei der „Mittsommernachtslesung“ um eine besondere Veranstaltung handelt, hat sich nach der Premiere im vergangenen Jahr herumgesprochen. Dementsprechend war die Lesung schnell ausverkauft. Herumgesprochen hatte sich auch, dass man sich seine Sitzunterlage, einen Schirm und Getränke selbst mitbringen sollte.

Denn auch wenn Kurt Lehmkuhl, Jörg Grätz sowie Felix und Helmut Wichlatz für ein abwechslungsreiches literarisches Programm sorgen – das Wetter können sie nicht beeinflussen. Und so hatten sie zwei Wochen zuvor nach dem Starkhagel, der über Erkelenz niedergegangen war, die Lesung kurzerhand verschieben müssen.

Campingstühle im Gepäck

Als kurz vor 22 Uhr das alte Gittertor zum Friedhof geöffnet wurde, standen die Zuhörer mit ihren Campingstühlen und Picknickdecken bereit. Diesmal trugen neben Helmut Wichlatz und Kurt Lehmkuhl die Heinsbergerin Margarete Kaiser sowie Jessica und Georg Schneiderwind aus Mönchengladbach mit ihren Texten zum Gelingen des Abends bei. Claudia Ingenillen aus Meerbusch war schon im Vorjahr dabei und hatte wieder zwei Geschichten im Gepäck, die zur leicht unheimlichen Atmosphäre auf dem Friedhof passten.

Margarete Kaiser steuerte die Geschichten „Stille Nacht, heilige Nacht“ sowie „Frühlingslust“ bei, in denen sie auf humorvolle und nahezu unschuldige Art mit erotischen Träumen und Begehrlichkeiten spielte. Claudia Ingenillen hatte sich schon im vergangenen Jahr als Autorin unheimlicher Geschichten mit Gänsehaut-Effekt empfohlen.

Diesem Anspruch wurde sie mit ihren neuen Geschichten „Nachtfahrt“ und „Regen“ gerecht. Helmut Wchlatz entführte mit „Laari“ in die frühe Steinzeit und ließ in „Komm, lass uns spielen“ den Horror der Ortschaften, die dem Tagebaubagger weichen müssen, real werden.

In Kurt Lehmkuhls Geschichte „Das letzte Bild“ gab es auch Grund zum Gruseln, doch endete sie versöhnlich und mit dem Hinweis, dass es sich dabei um eine wahre Begebenheit handelt. In „Die Zahlen des Lebens“ ging es um Lottoglück und zufriedenes Sterben im Kreise der Lieben. Ein wenig morbide waren einige der Geschichten also durchaus, und damit dem Ort und Anlass auch angemessen.

Neu dabei waren auch Georg und Jessica Schneiderwind. Sie präsentierten kurze Gedichte und Texte, die zum Nachdenken anregten. Einmal nahmen sie das Mediennutzungsverhalten der Menschen aufs Korn, ein anderes Mal die Liebe zum und langsam in Vergessenheit geratenen „ß“.

Durch ihre Kurzeinsätze zwischen den Beiträgen der anderen Autoren lockerten sie die Lesung auf und sorgten immer wieder für neue Akzente. Die Texte der Schneiderwinds sind als Buch unter dem Titel „Spuren vor der nächsten Welle“ im Erkelenzer Altius-Verlag erschienen.

Zwischen den literarischen Beiträgen hatte Hubert Rütten vom Heimatverein Gelegenheit, Wissenswertes über den alten Friedhof und seine Geschichte zu erzählen. Was er zu berichten wusste, könnte Stoff liefern für so manche Geschichte. So sei der Friedhof nach seiner Entwidmung auch Treffpunkt zwielichtiger Gestalten gewesen, die auf dem naturbelassenen Flecken mitten in der Stadt nachts ihr Unwesen trieben.

Dass man heute so viel weiß über den ehemaligen Friedhof, ist der Arbeit des Arbeitskreises „Friedhof Brückstraße“ zu verdanken, der sich als Teil des Erkelenzer Heimatvereins seit Jahren für den Erhalt der Gräber und die Erforschung der Friedhofsgeschichte engagiert. Die Einnahmen der Mittsommernachtslesung fließen in die ehrenamtliche Arbeit der Friedhofsforscher.

Um Mitternacht war der literarische Spuk zu Ende und das Friedhofstor fiel quietschend hinter den Besuchern ins Schloss. Im nächsten Jahr findet die Mittsommernachtslesung am 23. Juni 2017 statt – auch wenn die Nachfrage locker für mehrere Termine reichen würde.

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