Mittelalterfestival: Zum Abschied noch mal mit viel Fantasie

Von: Anna Petra Thomas
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Die Fechtgruppe „Fictum“ aus Tschechien war auch beim zehnten Mittelalterlich Phantasie Spectaculum in Wassenberg wieder einer der Höhepunkte des Programms. Foto: Anna Petra Thomas
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Schön war es in Wassenberg, aber Gisbert Hiller will kürzer treten. Das zehnte Festival auch das letzte. Foto: Anna Petra Thomas
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Faunisch: St. Brandanarius von der Band „Cultus Ferox“ spielte nicht nur Dudelsack, sondern auch Horn. Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg. Edle Ritter, adlige Damen, hässliche Gesellen oder andere fantasievoll gekleidete Zeitgenossen nahmen auch in diesem Jahr für zwei Tage den Weg durch die Wassenberger Innenstadt, um am Fuße des mächtigen Bergfrieds für zwei Tage ins Mittelalter abzutauchen.

Zum zehnten Mal hatte das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum (MPS) hier Station gemacht, allerdings auch zum letzten Mal, wie dessen Leiter Gisbert Hiller in einem Gespräch mit unserer Zeitung eindeutig klarmachte.

Während Georg Hensges, Vorsitzender des Gewerbevereins, noch am Freitag erklärt hatte, man sei in Verhandlungen, erteilte Hiller in einem persönlichen Gespräch, zu dem er erst nach einigem Zögern bereit war, einem weiteren Festival in Wassenberg am Wochenende eine Absage. „Das hier ist Jubiläum und zugleich Abschied!“, betonte er.

Vor zehn Jahren habe der Gewerbeverein ihn angesprochen und das Spectaculum nach Wassenberg geholt. Auch in den Folgejahren sei er immer sehr gut unterstützt worden, durch den Gewerbeverein und durch die Stadt. Nicht minder lobte er die Toleranz, ja gar Gastfreundschaft, die das Festival durch die Anwohner genossen habe. „Wir sind dankbar, dass wir hier so laut sein konnten, mitten in der Stadt, bis ein Uhr morgens“, sagte er.

Jahr für Jahr habe sich das Festival weiter entwickelt. Es habe allerdings nie zu den Top Ten der Tournee gehört. Seit einigen Jahren gab es in Wassenberg zudem, einzigartig für die Spectaculum-Tournee, eine sogenannte Gruselgasse. Diese musste aber in diesem Jahr schon entfallen, weil der dafür zuständige Marktmeister aufgehört habe, so Hiller. Jetzt sei komplett Schluss und das habe ganz alleine gesundheitliche Gründe. Er sie inzwischen 60 Jahre alt und habe sich durch den „Megastress“ des Jobs gleich mehrere Herzkrankheiten „eingefangen“, erklärte er. Und es sei auch keiner da, der in seine Fußstapfen treten wolle. „Das möchte sich keiner antun.“

Nicht nur in Wassenberg, sondern auch in Dresden, in Basthorst bei Hamburg und in Remeringhausen bei Hannover werde es daher im kommenden Jahr kein Festival mehr geben, vor allem um sich und seiner Crew mehr Verschnaufpausen zu gönnen. „Es hilft ja nichts, wenn man so lange macht bis man umfällt.“ Eventuell würden noch zwei weitere Termine wegfallen. Kurzfristig solle das Festival auf 18 Termine, langfristig auf „gesunde“ 12 bis 14 Termine reduziert werden. Wassenberg habe es da eben getroffen, da dies einer der jüngeren Termine sei. In anderen Orten gebe es das Spectaculum schon seit 20 oder gar 25 Jahren.

Spekulationen, Wassenberg werde aufgegeben wegen zu weit entfernter Campingmöglichkeiten oder wegen zu vielen Problemen beim Aufbau von 2500 Tonnen Material mitten in der Stadt widersprach Hiller ebenfalls. „Damit haben wir uns arrangiert“, betonte er. Erstmals sprach er jedoch in Zahlen das finanzielle Risiko oder auch das Wetterrisiko an, dass für ihn mit jedem Festival verbunden ist. Alleine die beiden Tage in Wassenberg würden für MPS eine Investition von rund 300.000 Euro bedeuten.

Die Fans des Spectaculums, vor allem die aus der hiesigen Region, machte die Nachricht vom letzten Mal in Wassenberg sehr traurig. „Das ist sehr, sehr schade“, sagte Michael Koßlar, der als Heinsberg Ritter des Hochmittelalters auf dem Festivalgelände unterwegs war. Dennoch genoss er wie die vielen anderen Teilnehmer und Besucher auch die beiden letzten Festival-Tage in Wassenberg.

Auf dem Programm standen Gaukler, historische Spiele, Tänze oder Kämpfe, wie immer mit der Fechtgruppe „Fictum“ aus Tschechien als einem der Höhepunkte des Programms. In ihren Reihen kämpfte mit Andrea Heissler Klaudy als Gast erstmals eine Frau. „Ich habe mit meinen roten Haaren als Kind schon immer kämpfen müssen“, erklärt die zierliche Grundschullehrerin den Grund für ihr ungewöhnliches Hobby, das sie in ihrer Heimat auch als Stuntfrau bei Spielfilmaufnahmen auslebt.

Bekannte Gesichter wie Bruder Rectus waren ebenso auf dem Gelände unterwegs wie der hässliche Hans als Bettler. Nicht zu vergessen das Musikprogramm, das sich auch dieses Mal wieder sehen lassen konnte mit gleich fünf bekannten Bands aus der Mittelalterszene, mit Cultus Ferox, Versengold und Faun am Samstag sowie Saor Patrol und Cobblestones am Sonntag.

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