Mitfahrerbänke: Trampen für Senioren

Von: ger/agsb
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Gute Erfahrungen: Baesweilers Bürgermeister Dr. Willi Linkens spricht von positiver Resonanz auf die vor zwei bis drei Monaten aufgestellten Bänke. Foto: Stefan Schaum

Selfkant. Salopp gesagt sind Mitfahrerbänke so etwas wie die Seniorenvariante des Trampens: Statt mit erhobenem Daumen am Straßenrand zu stehen, können dort vor allem ältere Menschen auf eine Mitfahrgelegenheit warten. Bundesweit greift der Trend der speziell gekennzeichneten Sitzbänke dort um sich, wo der Bus nur noch selten fährt. Die SPD möchte solche Bänke in der Gemeinde Selfkant aufstellen.

Mit Klappschildern statt auf einem Stück Karton kann die neue Generation der Tramper an den Bänken oft anzeigen, wo es hingehen soll. Statt Paris, Berlin oder München steht dort meist das Einkaufszentrum oder der Nachbarort. Solche Mitfahrbänke könnten künftig auch im Selfkant stehen.

An der L228 und der B56

Die Mobilität gilt für den ländlichen Raum als Zukunftsthema. Nicht nur für den Selfkant, sondern für unsere gesamte Region. Weil die immer älter werdenden Menschen aus kleinen Ortsteilen zum Einkaufen oder für den Arztbesuch immer häufiger einige Kilometer fahren müssen, stellt sich die Frage, wie man sie an die Nahversorgung anbindet. In den kommenden Jahren wird sich zeigen, ob man auf dem Land ohne eigenes Auto tatsächlich aufgeschmissen ist. Müssen Ärzte und Händler künftig mobil sein und die Dörfer abklappern? Oder sind per Telefon zu ordernde Multibusse, Verleihe für Lastenräder und Mitfahrerbänke tatsächlich eine sinnvolle Alternative zum eigenen Pkw?

In der Gemeinde Selfkant hat die SPD nun vorgeschlagen, drei bis vier Mitfahrbänke an der L228 und der B56 aufzustellen. „Die Mobilität wird gerade für ältere und jüngere Bürger wegen der schlechten Anbindung des ÖPNV immer mehr zum Problem“, begründet Fraktionsvorsitzender Willi Peters den Antrag. Die Mitfahrbänke seien in einigen Eifelorten erprobt und könnten „Erleichterungen“ bringen. Im jüngsten Bau-, Verkehrs- und Umweltausschuss der Gemeinde Selfkant wurde das Thema allerdings vertagt. Die Politik hätte gern weitere Informationen.

Gute Erfahrungen in Baesweiler

Frank Bienwald von der Verwaltung sprach in der Sitzung über die laufenden Projekte in der Südeifel und in Baesweiler. In der Eifel sei das Projekt sehr gut angelaufen. Aus Baesweiler habe die Gemeinde noch keine Informationen über Erfahrungswerte zum Projekt bekommen, da es erst seit kurzer Zeit laufe.

Baesweilers Bürgermeister Dr. Willi Linkens (CDU) sagte auf Anfrage unserer Zeitung, dass die ersten Erfahrungen mit den seit zwei bis drei Monaten vorhandenen Mitfahrbänken jedoch durchaus positiv seien. „Ich habe schon von einigen Leuten gehört, dass sie überraschend schnell mitgenommen wurden“, sagt Linkens. Mit den Bänken wolle man erreichen, dass vor allem Autofahrer, die Bekannte, Nachbarn oder Freunde auf den Bänken sitzen sehen, anhalten und die Leute mitnehmen. Dass Fremde anhalten und Leute mitnehmen, sei weniger Ziel der Ideengeber in der Baesweiler Verwaltung. Linkens geht davon aus, dass die Mitfahrbänke in den Sommermonaten noch stärker genutzt werden. Zum Beispiel, um zu Veranstaltungen zu fahren.

Wie gut die Bänke funktionieren zeige ein Beispiel aus dem kleinen Ortsteil Floverich. Dort habe sich ein Mann auf die Bank gesetzt – und innerhalb kürzester Zeit hätten drei Autofahrer angehalten, um ihn mitzunehmen. „Dabei wollte der gar nicht mitfahren. Der hat sich einfach so auf die Bank gesetzt“, sagt Linkens. Deshalb plane man, zusätzlich zu den Schildern mit den Namen der Stadtteile auch ein weißes, unbeschriebenes Schild anzubringen. Damit keiner anhält, wenn man nur auf der Bank sitzt, um sich auszuruhen.

Die Stadt Baesweiler hat für sieben Bänke in den sieben Stadtteilen und die dazugehörigen Klappschilder rund 9000 Euro ausgegeben. Im Selfkant sieht man das Thema aber nicht unkritisch: Martin Busch (CDU), Vorsitzender im zuständigen Ausschuss, gab zu bedenken, dass Kinder durch die Bänke dazu verleitet werden könnten, zu Fremden ins Auto zu steigen. Busch könne sich vorstellen, dass sich Schüler zum Beispiel auf die Mitfahrbank setzen, wenn sie ihren Schulbus verpassen.

„Keine Insellösung“

Grundsätzlich mache es aus Sicht der Verwaltung wenig Sinn, das Projekt nur in der Gemeinde Selfkant an den Start zu bringen. Sollten die Bänke aufgestellt werden, dann „gemeindeübergreifend“. Also keine „Insellösung“.

Unter anderem, weil CDU-Fraktionsvorsitzender Heinz Stassen noch einige offene Fragen bezüglich der Kosten und der Orte, an denen die Bänke demnächst stehen könnten, sah, wurde die weitere Diskussion vertagt. Die SPD möchte in der nächsten Sitzungsrunde Antworten auf diese und andere Fragen liefern.

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