Mit über 50 noch „rot“ und trotzdem bei Verstand

Von: Rainer Herwartz
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Dr. Hans-Josef Voßenkaul macht jungen Leuten Mut, sich in der SPD zu engagieren. Foto: Herwartz

Heinsberg. „Tradition, soziale Gerechtigkeit und Solidarität!“ Wie aus der Pistole geschossen nennt Dr. Hans-Josef Voßenkaul die drei Begriffe, als er gefragt wird, was er ganz persönlich mit 150 Jahren SPD verbinde. „Ich glaube, wenn es die Sozialdemokratie nicht gäbe, müsste man sie erfinden“, schiebt er noch nach.

Der Heinsberger Ortsvereinsvorsitzende befindet sich am Donnerstag auf einer beruflichen Weiterbildung in Recklinghausen, während die SPD-Spitze sich und die Geschichte ihrer Partei medienwirksam feiert.

Vor fast 40 Jahren sei er als 16-Jähriger schon in die SPD eingetreten, erinnert sich Voßenkaul. „Ich war ein glühender Verehrer von Willy Brandt. Ich habe ein unglaubliches Gerechtigkeitsempfinden und kann es nicht vertragen, wenn Menschen wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Brandt war der Inbegriff für jemanden, der genau so fühlte.“

Besonders gefallen habe ihm die Arbeit der Arbeiterbildungsvereine. „In der Arbeiterbewegung wurde versucht, den Menschen Bildung angedeihen zu lassen, denn nur durch Bildung ist auch ein sozialer Aufstieg möglich.“

Wie seine Freunde darauf reagiert hätten, dass er schon als Teenager den Sozialdemokraten beitreten wollte? „Die haben immer bestätigt und geschätzt, dass ich ein politischer Mensch bin“, sagt der heutige SPD-Vorsitzende.

Bereut habe er den Schritt nie, meint Voßenkaul. Dennoch macht er keinen Hehl daraus, dass der Himmel nicht immer voller Geigen hing. „Ich habe auch mit der Sozialdemokratie gehadert. Als die Agenda 2010 kam, habe ich sogar darüber nachgedacht, auszutreten. Ich konnte es nie so mit der Basta-Politik. Auch der Nato-Doppelbeschluss war so ein Knackpunkt.“

Und warum ist er am Ende doch in der Partei geblieben? „Letztlich hat mich der Gedanke dazu bewogen, dass ich nichts von außen ändern kann, sondern nur von innen. Beispielsweise zeigt der Umgang der SPD mit den Rentenbeschlüssen, dass die Rente mit 67 zumindest wieder auf den Prüfstand soll, dass sich kämpfen lohnt.“ Am Widerstand könne man nur wachsen, glaubt Voßenkaul. „Das ist wie in einer guten Ehe.“

Jungen Leuten, die wie er schon in früh der SPD beitreten wollen, rät der studierte Psychologe daher auch: „Habt Durchhaltevermögen, Kampfgeist und Enthusiasmus. Und lasst euch nie sagen, das geht nicht.“

In seiner Jugendzeit habe der Satz die Runde gemacht: „Wer mit 20 nicht rot ist, hat kein Herz und wer mit 50 immer noch rot ist, der hat keinen Verstand.“ Das sei Blödsinn, bekräftigt Voßenkaul. Eine 150-jährige Geschichte spräche da wohl für sich.

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