Mit Tempo 30 „angebraust“: Treffen der Traktorenfans

Von: Anna Petra Thomas
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750 Kilometer hatten die Traktorfreunde aus dem österreichischen Hörbranz am Bodensee in drei Tagesetappen zurückgelegt. Foto: Anna Petra Thomas
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Viel Spaß hatten die Oldtimer-Freunde aus Limbricht bei Sittard in ihrem Fahrerlager. Als es kalt wurde im Fahrerlager, befeuerten die Camper einfach ihre „kleine Berta“, einen mitgebrachten Ofen. Foto: Anna Petra Thomas
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Die alten Motorrad-Schätzchen fanden bei Sturm und Regen am Samstag Unterschlupf in einem Zelt. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg-Waldenrath. „Ernst, aber nicht hoffnungslos!“ Und doch noch mit einem Schmunzeln im Gesicht beschrieb Thomas Schweizer am Samstag die Lage beim sechsten Treffen für Traktoren und Oldtimer in Waldenrath. Immerhin war die Zahl derjenigen, die sich trotz des angesagten Sturms mit Regen zum Campen auf dem Veranstaltungsgelände entschieden hatten, mit rund 110 nicht rückläufig.

„Nur die Tagesgäste und vor allem die Besucher fehlen uns natürlich heute“, erklärte der Vorsitzende des Heimatvereins Waldenrath, der das Treffen alle zwei Jahre auf den Wiesen am Ortsrand ausrichtet. Das sah dann am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein am Vormittag schon wieder ganz anders aus, wobei sich da natürlich einige von weit her angereiste Teilnehmer schon wieder auf den Heimweg machen mussten.

750 Kilometer angereist

Weil vor zwei Jahren bei einem großen Regenschauer einige der alten Motorradschätzchen ihren Dienst verweigert hatten, waren sie dieses Mal vorsorglich unter einem Zeltdach ausgestellt. „Die Trecker halten so durch“, lachte Schweizer. Und wie sie das taten. Gar aus dem österreichischen Vorarlberg waren sechs Gespanne, je ein alter Traktor mit einem kleinen Wohnwagen hintendran, sicher in Waldenrath angekommen. Rund 750 Kilometer hatten die Freunde aus Hörbranz am Bodensee in drei Tagesetappen zurückgelegt.

Alle fünf Jahre würden sie gemeinsam eine große Tour fahren, erzählte Franz Stöckeler, der selbst ganz stolz seinen feuerwehrroten Steyr 182, Baujahr 1956, 36 PS präsentierte. „Es grüßen Euch! Die fidelen Traktorfreunde aus Herbranz am Bodensee“ stand auf dem großen Schild zu lesen, das er auf seinem Traktor befestigt hatte. Obendrüber wehte natürlich eine kleine rot-weiße Flagge mit Bundeswappen. Noch acht Jahre älter war der grüne Steyr 180 gleich nebenan, der ebenfalls tapfer bis nach Waldenrath durchgehalten hatte, jetzt aber rein vorsorglich einen neuen Keilriemen bekam.

In der Schlepperpost, einem Fachmagazin für Freunde von Oldtimer-Traktoren, hatten die sechs Freunde von dem Treffen in Waldenrath gelesen. „Ausgezeichnet!“ fanden sie‘s hier. „Wir sind hier so herzlich empfangen worden wie selten irgendwo zuvor“, sagte Stöckeler. „Aber Ihr solltet hier mal die Windmaschinen abstellen!“, lachte er. Erst am heutigen Vormittag geht es für die sechs Freunde weiter, mit Teilnehmerurkunde, Aufkleber und je einer Heinsberger Zeitung im Gepäck, „damit wir zu Hause auch belegen können, dass wir tatsächlich hier waren!“

Weitere 1000 Kilometer liegen in den nächsten Tagen vor ihnen, über die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich bis nach Freiburg und dann durch den Hochschwarzwald zurück an den Bodensee. „Wir fahren nicht, wir brausen… mit rund 30 Stundenkilometern“, scherzte er weiter. „Dabei sieht man jede Maus am Straßenrand!“

Ganz gemächlich Richtung Waldenrath getuckert waren auch in diesem Jahr wieder die niederländischen Freunde aus Limbricht in der Nähe von Sittard. Sie hatten gleich auf der anderen Seite des Wirtschaftsweges in einem großen Zelt ihr Fahrerlager aufgeschlagen. Daneben ihre Zugmaschinen, ihre selbst gebauten Planwagen und ein ganz besonderes Schätzchen: ein alter Zigeunerwagen, den Leon Tummers mit seiner mittlerweile verstorbenen Frau bis aufs Gerippe zerlegt und wieder ganz neu aufgebaut hat. Wer lieb fragte, den ließ er auch einen Blick ins Innere werfen. Unglaublich erschien dem Besucher dann, dass er sich tatsächlich in einem rollenden Zuhause befinden sollte.

Eigentlich habe er geplant, nach seiner Verrentung zusammen mit seiner Frau auf Tour zu gehen. Nachdem sie nun verstorben sei, würde er den Wagen am liebsten verkaufen, gestand er. Als es langsam kühler wurde im Fahrerlager der Niederländer, wussten sie schnell Rat. Sie holten einfach ihre „kleine Berta“ aus der Zugmaschine von Tummers. Der kleine „Heizkörper“ kriegte flugs vier Beine und hintendran ein langes, gebogenes Ofenrohr. Durch die Klappe auf der anderen Seite wurde er zunächst mit alten Zeitungen und dann mit kleinen Holzscheiten gefüttert. Richtig gemütlich wurde es dann im Zelt. Und dennoch trieb es auch die Limburger Freunde am Abend Richtung Ausschank. Gab es doch da die berühmten Waldenrather Spiegeleier auf Toast.

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