Mit Schallwellen die Geheimnisse der Burg lüften

Von: Helmut Wichlatz
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Yvonne Krellmann und Gunnar Triltzsch bei der Arbeit, Richard Grätz beobachtet sie dabei und ist gespannt, was es wohl alles unterhalb der Erkelenzer Burg gibt. Foto: Wichlatz

Erkelenz. Was befindet sich unter der Burg in Erkelenz? Um diese Frage ranken Geschichten und Mythen. Jetzt wurde ihr mit Hilfe eines Radargerätes auf den Grund gegangen. Der Burghof und der Bereich vor den Mauern wurden erforscht.

Dabei konnten die „Freunde der Burg“ auf Hilfe aus Salem am Bodensee rechnen. Denn das Unternehmen Radar System Technik brachte ein neues Verfahren zum Einsatz, um den Mythen um die Burg auf den Grund zu gehen. Dafür wird der Boden unter der Burg und um die herum bis in die Tiefe von fünf Metern mittels Radar vermessen und erfasst.

Dafür ziehen Yvonne Krellmann und Gunnar Triltzsch einen Schlitten in genau festgelegten Bahnen über das zu untersuchende Areal. Auf dem Schlitten ist das Radargerät montiert, das Schallwellen in zwei unterschiedlichen Frequenzbereichen in das Erdreich leitet. Das Verfahren findet auch im Straßen- oder Bergbau sowie in der Archäologie Anwendung.

Anhand der Reflexionen, die auf einem Bildschirm dargestellt werden, können Rückschlüsse gezogen werden, was sich da unten befindet und ob sich eine weitere Erforschung lohnt. Der Kontakt zu dem Unternehmen kam durch Jörg Grätz zustande, der sich ebenfalls bei den „Freunden der Burg“ engagiert und sich sicher ist, dass unter der Burg eine Menge zu entdecken ist.

„Über die Römer in Erkelenz und Umgebung wissen wir heute mehr als über die Zeit des Mittelalters“, erklärt Peter Fellmin. Der Vorsitzende des Fördervereins und seine Mitstreiter setzen sich dafür ein, die Burg stärker ins Bewusstsein der Bürger zu rücken. Dafür muss man allerdings wissen, was es mit dem Gemäuer, dessen wechselhafte Geschichte bis ins frühe 14. Jahrhundert zurückreicht, auf sich hat.

Das ist nicht so einfach, denn verwertbare Bau- oder Lagepläne existieren von der Wehranlage nicht mehr, deren Reste man in Erkelenz nicht ohne Stolz als „Burg“ bezeichnet. „Sie wurde als Vorrats- und Waffenburg angelegt“, betont Fellmin. „Aus diesem Grunde gehen wir davon aus, dass es unterirdische Gewölbe gibt, die nach dem Krieg oder bei anderen Gelegenheiten zugeschüttet wurden.“

Genaueres wird man in rund einem Monat wissen, wenn die Messungen und Querschnitte zu einem dreidimensional dargestellten Gesamtbild zusammengesetzt worden sind. Eine Furt und ein Graben wurden bereits nachgewiesen. Über weitere Gänge gibt es nur Spekulationen.

„Es soll einen Fluchtgang von der Burg zur Leonhardskapelle gegeben haben“, weiß Richard Grätz. Auch nach dem Krieg wurden bei Kanalarbeiten Gewölbe gefunden, die gesprengt und zugeschüttet wurden. Solche Fehler will man heute nicht mehr machen.

Dabei ist der Umgang mit der Burg nicht einfach. Denn natürlich haben die Stadt Erkelenz und die Denkmalsbehörde ein Wort mitzureden. Derzeit geht es aber erst einmal um den Erhalt der Substanz, betont auch Willi Wortmann vom Heimatverein der Erkelenzer Lande.

Ein neues Dach soll verhindern, dass weiterhin Regen ins Mauerwerk eindringt, was unweigerlich zum Verfall des Bauwerkes führen würde. Über das Pyramidendach, das die Mauern vor Nässe schützen soll, müsse noch im Stadtrat entschieden werden.

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