Mit Integrationsprojekt Armut bekämpfen

Von: Anna Petra Thomas
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Gülsen Litherland, die Leiterin des KAI, hatte ihren Willkommensgruß in drei Sprachen mit Kreide auf eine Tafel gemalt. Foto: Anna Petra Thomas
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Nach den Eröffnungsreden wurde auch die KAI-Torte angeschnitten, von DRK-Ehrenamtskoordinatorin Ira Stormanns, Bürgermeister Wolfgang Dieder, Gülsen Litherland und DRK-Geschäftsführer Lothar Terodde (von links). Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. „Wir schaffen das! Ihr schafft das!“ Schiere Begeisterung sprach aus den Worten den Heinsberger Integrationsbeauftragten Wolfgang Paulus nach seinem Rundgang durch den neuen „Kristallisationspunkt gegen Armut durch Integration“ (KAI).

Eingerichtet hat ihn der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes in einem ehemals als Bildungszentrum genutzten Gebäude in der Rudolf-Diesel-Straße 19 in Heinsberg. Weitere KAIs sollen folgen in Erkelenz, Geilenkirchen und Hückelhoven.

Gewöhnungseffekt verhindern

Etwa ein Viertel des frisch renovierten, hell gestalteten Obergeschosses in diesem Gebäude nimmt die sogenannte Kleiderkammer ein, die allerdings auf den Besucher schon mehr wie ein kleines, geschmackvoll eingerichtetes Geschäft wirkt, nicht zuletzt dank integrierter Umkleidekabine. Für kleines Geld könnten bedürftige Menschen, vor allem Flüchtlinge, hier zusätzliche Bekleidung erhalten, erklärt KAI-Leiterin Gülsen Litherland.

Natürlich werde niemand weggeschickt, der dringend etwas benötige, ergänzt sie. Auch mit weiteren Sachleistungen etwa für Kinder, vom Kinderwagen bis zu Schultasche, würden Bedürftige unterstützt. „Aber die Menschen, die hierher kommen, wollen wir nicht daran gewöhnen, dass sie alles umsonst bekommen. Auch das ist Teil der Integration.“

Nähen, Basteln und Respekt

Weiter führt der Weg den Besucher über einen langen Flur ins kleine Frauencafé, wo sich Frauen zum Nähen und Basteln treffen. „Bitte klopfen“, steht an der Tür. „Und das wird auch respektiert“, betont Mitarbeiterin Josefine Paschadel. So würden sich die Frauen bei den gemeinsamen Treffen auch trauen, ihre Kopftücher auszuziehen. Taschen aus alten Jeans entstehen hier ebenso wie zum Beispiel neue Kinderbekleidung.

Es folgen zwei Büros, die ausreichend Platz bieten für Beratungsgespräche. Hier arbeitet neben Gülsen Litherland und Josefine Paschadel, die sich um die Verwaltung des KAI kümmert, zum Beispiel auch Ruth Hanrath, die sich in enger Kooperation mit dem Jobcenter darum bemüht, die Menschen aus dem KAI in Arbeit zu bringen.

Am Ende des Flures befinden sich zwei Schulungsräume, dazwischen noch ein kleiner Hort, in dem Kinder betreut werden, während die Eltern im Beratungsgespräch sind oder in unterschiedlichen Kursen Deutsch lernen. Angebote des DRK-Familienbildungswerks sollen bald hinzukommen.

Schließlich bietet das KAI eine große Küche mit einem Essplatz für acht Personen. „Aber auch hier finden schon Kurse statt“, sagt Litherland beim Rundgang. „Wir wachsen auch hier schon wieder aus unserem Rahmen heraus.“ Zwischen 60 und 70 bedürftige Menschen würden inzwischen pro Tag ins KAI kommen, berichtete sie.

Nach der Schließung der Notunterkunft Ende März hätten die Flüchtlinge das DRK am neuen Standort schnell gefunden. Betreut würden sie neben den vier hauptamtlichen Mitarbeitern von rund 15 Ehrenamtlern, die fast täglich vor Ort seien. Unterstützung bekommen Flüchtlinge hier zum Beispiel, wenn es um einen Arztbesuch oder andere Behördengänge geht, aber auch bei sogenannter Rückführung. Etwa zehn davon hat Litherland bisher begleitet.

DRK-Geschäftsführer Lothar Terodde dankte im Rahmen der offiziellen Eröffnung der Stadt Heinsberg. Mithilfe dieser Unterstützung habe man bereits im April, gleich nach Schließung der Notunterkunft, an neuer Stelle mit der Arbeit beginnen können. Dabei solle das KAI jedoch nicht nur ein Angebot für Flüchtlinge sein, betonte er. „Vielmehr ist eine Anlaufstelle entstanden für alle Menschen aus dem Quartier und darüber hinaus, die Hilfe und Unterstützung benötigen.“

Bürgermeister Wolfgang Dieder erinnerte noch einmal an den 11. August vergangenen Jahres, an dem er die Aufgabe erhalten hatte, innerhalb einer Woche eine Notunterkunft für 150 Menschen in Heinsberg einzurichten, die später auf 230 Plätze ausgebaut wurde. Er dankte vor allem Gülsen Litherland, die seinerzeit die Leitung der Notunterkunft mit einem Team des DRK übernahm.

„Die Integrationsarbeit hat zwar begonnen, wird uns künftig aber noch vor besondere Herausforderungen stellen“, erklärte der Bürgermeister. Der KAI sei in diesem Rahmen ein Sozialzentrum und eine Kontaktstelle für alle Bürger der Stadt Heinsberg.

Ausbildung als Grundlage

Paulus widmete sich in seiner Rede dem Begriff des Kristalls, der wachse und unterschiedliche Facetten auspräge, die sich jeweils ineinander spiegeln würden. So sei es auch im KAI. 1980 sogenannte Bedarfsgemeinschaften gebe es derzeit in Heinsberg, mit insgesamt 3800 Menschen, die Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld beziehen würden.

Die neue Regelung der Residenzpflicht und die Möglichkeit auch für geduldete Menschen, eine Ausbildung zu beginnen, wertete Paulus als gute Grundlagen für eine Integration. Mehr noch stehe der KAI auch für Inklusion, denn Armut sei inzwischen eine dauerhafte soziale Begleiterscheinung unserer Gesellschaft.

Begleitet wurde die Eröffnung des KAI von diversen Essensangeboten, bei denen sich die Besucher nach ihrem Rundgang stärken konnten, sowie von musikalischen Einlagen des Chores „All That Joy“.

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