Wassenberg - Mit Aktfotografie zum kritischen Diskurs

Mit Aktfotografie zum kritischen Diskurs

Von: Johannes Bindels
Letzte Aktualisierung:
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Ausstellung bis zum 1. Oktober: Helmut Heutz zwischen seinen Exponaten im Bergfried in Wassenberg. Foto: Johannes Bindels

Wassenberg. „Faktum“ nennt der Gerderather Fotograf Helmut Heutz seine Ausstellung im Bergfried in Wassenberg, die mit einer Vernissage eröffnet wurde. Der Titel ist ein Kunstwort, in dem das Wort Akt steckt. Seine Ausstellungsexponate schreibt Heutz dem Genre der künstlerischen Aktfotografie zu.

Der Akt ist die künstlerische Darstellung des nackten Menschenkörpers und hat eine lange Tradition in der Kunst. Helmut Heutz sagt zu seiner Entwicklung als Fotograf, dass er den Schwerpunkt seiner Fotografie im Genre der künstlerischen Aktfotografie sehe. „Ich will den Akt nicht im Sinne des klassischen Motivs der bildenden Kunst darstellen, sondern ihn auch als Instrument einer zeitkritischen Auseinandersetzung zwischen Mensch und Umwelt einsetzen.“

In seinen insgesamt 25 zum Teil großformatigen Exponaten sind die Akte Bestandteil einer Gesamtaussage und nicht Gegenstand reiner Nacktheit. Jede Nähe zur Pornografie vermeidet und lehnt er ab. Er habe die Aktfotografie zur Auseinandersetzung mit zeitkritischen Themen gewählt und nutze den Akt nicht als Gag, sondern als Aufhänger für eine Botschaft, betont Heutz. Vor allem aber möchte er die Aufmerksamkeit der Betrachter erlangen, die er mit seinen gesellschaftskritischen Botschaften konfrontiert.

Die Themen reichen vom Protest gegen die Atomkraft über die Gefahren der Suchtmittel bis zur Entfremdung durch unterdrückendes Milieu. Ein Bild widmet er dem Thema Demenz, auch aus Betroffenheit der eigenen Familie. Alle Bilder sind schwarz-weiß und handwerklich ebenso gekonnt umgesetzt wie sie ästhetisch gelungen sind.

Feingliedrige Zwischentöne

Die Palette der Grautöne mit großer Bandbreite nutzend, schafft Heutz feingliedrige Zwischentöne. Jedoch scheut Heutz sich nicht, auch auf Mitteltöne zu verzichten und mit harten Kontrasten wie beim Foto zum Thema Demenz zu arbeiten. Gerade bei diesem Bild wird auch ein Widerspruch sichtbar zwischen dem Anspruch, die Demenz als gesellschaftlich relevantes Thema mit der Aktfotografie zu vermitteln, und dem, was tatsächlich auf dem Bild zu sehen ist.

Die im Sessel sitzende weibliche Person ist sichtbar nicht dement. Damit kommt der formulierte Anspruch, mittels fotografischer Gestaltung für ein aktuelles Gesellschaftsthema zu interessieren, an seine Grenzen. Helmut Heutz löst im Gespräch den Widerspruch so auf, dass er aus Respekt vor einer wirklich von der Erkrankung betroffenen Person und ihrer eingeschränkten Entscheidungsfähigkeit, sich als Akt zur Verfügung zu stellen, verzichtet und auf Darstellerinnen zurückgegriffen hat.

Wenn es ihm gelinge, Bilder zu schaffen, die den Betrachter zum kritischen Nachdenken bringen und Raum bieten für eigene Interpretationen, dann habe er sein Ziel erreicht, so Heutz. Er halte es mit Helmut Newton, verweist er auf sein berühmtes Fotografen-Vorbild und dessen Zitat auf einer Informationstafel: „Es gibt Bilder, die misslingen. Aber ich mache Bilder nicht, um sie in die Schublade zu tun. Sie sollen gesehen werden. Ob man sie liebt oder nicht, ist mir vollkommen egal.“

Gesehen werden können die Fotografien von Helmut Heutz noch bis zum 1. Oktober jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr im Bergfried.

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