Mit 86 Jahren nochmal Deutscher Meister

Von: helen
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Friedrich Mäurer in der Schwanenberger Turnhalle. Foto: helen

Erkelenz-Schwanenberg. Was muss man tun, um Deutscher Meister im Turnen zu werden? Das Leben von Friedrich Mäurer aus Schwanenberg verrät uns die Zutaten: Freude am Sport, Training, bewusste Ernährung und Kontinuität - sowie eine gute Priese Ehrgeiz und Humor.

1935 trat der heute 86-Jährige dem TV 1924 Schwanenberg bei. Da war er zwölf Jahre alt. Seitdem ist er seinen Turnkollegen treu geblieben. Er nahm überdies erfolgreich an Leichtathletikwettkämpfen teil, leitete sechs Jahre den Freizeitbereich Gymnastik und Volleyball der „Jedermann-Abteilung” und bereitet seit 25 Jahren Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf das Sportabzeichen vor, für das er auch die entsprechenden Prüfungen abnimmt. Dabei wurde die Sportlaufbahn hin und wieder von den Irrwegen des Lebens unterbrochen: Während der Kriegsjahre ging Friedrich Mäurer zur Marine. Der ganze Betrieb des TV Schwanenberg ruhte.

Als er 1946 aus Frankreich zurückkehrte, turnte er zunächst beim TV Tüschenbroich, bis sein Heimatverein 1948 den Betrieb wieder aufnahm. 1946 war auch das Jahr seiner Heirat mit Anneliese, die in den folgenden sechs Jahren drei Söhne zur Welt brachte. Klar, dass da der Sport neben dem Beruf des Lageristen und der Familie in den Hintergrund trat.

Erst in den sechziger Jahren nahm Mäurer wieder intensiv an Wettkämpfen, wie dem deutschen Turnfest oder den Rheinischen Meisterschaften teil, von denen einige erst in dieser Zeit aus der Taufe gehoben wurden. Die Rheinischen Meisterschaften sind gleichzeitig die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft. Und die hat der drahtige 86-Jährige in seiner Altersklasse in diesem Jahr in Frankfurt im Rahmen des Deutschen Turnfestes zum zweiten Mal gewonnen. Er behauptete sich dabei gegen sechs - deutlich „jüngere” - Mitkonkurrenten in seiner Altersklasse Ü80. Es war seine zweite Meisterschaft. Den ersten Titel als deutscher Seniorenmeister im Turnen errang Mäurer übrigens im Jahr 2007. „Das war in Limburg an der Lahn”. 84 Jahre „jung” war er da. „Was sind schon 84 Jahre?”, hatte er damals gelacht.

Und er lacht immer noch. „In Schwanenberg war das damals natürlich eine Sensation”, sagt er heute nicht ohne Stolz. Viel ist er rumgekommen mit dem Sport: Ob Berlin, Frankfurt oder Freiburg, ob in Einzel- oder Mannschaftswettkämpfen. „Wenn ich alle Urkunden zusammenlegen würde”, sagt er, „da könntest du ein Zimmer mit tapezieren”, beendet sein Sohn Norbert Mäurer, mit dem er früher viele Wanderurlaube unternahm, den Satz.

Obwohl es immer wieder auch andere Verpflichtungen gab: „Früher lag die Deutsche Meisterschaft genau in der Erntezeit”, erinnert Friedrich. Und so konnte er erst mit 60 Jahren anfangen, auch sportlich zu ernten. Als seine Frau dann in den 90er Jahren an Parkinson erkrankte, wurde er wieder woanders gebraucht. Er umsorgte sie bis zu ihrem Tod 2004. „Man kann ja nicht alles im Leben machen. Das ist nun mal so”, sagt der lebensfrohe Mann mit den leuchtenden Augen, an dem das Alter vorbeizuziehen scheint, akzeptierend.

Nicht nur er habe in den vergangenen Jahren gute Leistung gebracht. „Helmut Morjan hat eine beeindruckende turnerische Laufbahn hinter sich”, würdigt Mäurer den Mittfünfziger Vereinskollegen. „Leider ist er ewiger zweiter bei der Deutschen Meisterschaft. Beim Wahlwettkampf macht er aber immer den ersten.” „Mir hat Sport viel für mein Leben gebracht”, sagt der 86-Jährige, „vor allem Fitness.” Sieht man in seine strahlenden Augen, bevor er sich auf sein Fahrrad schwingt, um mal wieder einige Kilometer zu meistern, dann glaubt man ihm das sofort, den Deutschen Meister.
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