„Miss Piggy´s BBQ“ grillt auch in Waldfeucht am leckersten

Von: Anna Petra Thomas
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Auch das Aussehen zählt. Punkte von 1 („disqualified“) bis 9 („excellent“) gibt es von den Juroren. Die Europameister Scott und Lyndsey Lane (rechtes Foto) bei der Vorbereitung ihrer Spare Ribs. Kleine „Schönheitsreparaturen“ werden mit der Schere durchgeführt. Foto: anna
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Auch das Aussehen zählt. Punkte von 1 („disqualified“) bis 9 („excellent“) gibt es von den Juroren. Die Europameister Scott und Lyndsey Lane (rechtes Foto) bei der Vorbereitung ihrer Spare Ribs. Kleine „Schönheitsreparaturen“ werden mit der Schere durchgeführt. Foto: anna

Waldfeucht-Haaren. Als Roman Schellartz aus Haaren vor einigen Jahren so richtig anfing, sich fürs Grillen zu interessieren, gab es in Europa gerade einmal zwei Festivals für passionierte Freunde des guten Geschmacks vom Rost. Heute sind es 18, und eines davon, das „Euregio BBQ Festival“, organisiert er.

Zum zweiten Mal kamen jetzt auf der Wiese in Haaren, auf der auch das jährliche Oktoberfest stattfindet, 22 Teilnehmer aus insgesamt zehn Staaten zusammen, um sich im Grillen zu messen. Angereist waren sie samt Grill und allem, was dazugehört, aus Belgien, Dänemark, Großbritannien Norwegen, Österreich, Schweden und Tschechien, natürlich auch aus Deutschland und sogar eigens aus den USA, um den Juroren der „Kansas Barbeque Society“ ihre Grillkunst zu beweisen.

Vier Aufgaben galt es im Halbstundentakt zu lösen und in einer Kunststoffschale auf einem Salatbett am Juryzelt abzugeben: Hähnchen, Schweinerippen (Spare Ribs), Schweineschulter (Pulled Pork) und die über Nacht viele Stunden lang vorbereitete Rinderbrust. Im Juryzelt bewerteten 24 von der „Kansas Barbecue Society“ zertifizierte Juroren Aussehen, Geschmack und Zartheit des Fleischs in neun Abstufungen von „excellent“ bis „disqualified“.

Ganz besonders stolz war Schellartz darauf, auch die Europameister 2014 und aktuell führenden Briten begrüßen zu können. Als „Miss Piggy´s BBQ“ sind Scott und Lyndsey Lane aus dem englischen Leicestershire in der Szene ein Begriff. Und doch bodenständig, im wahrsten Sinne des Wortes in ihrem Zelt, wo nur die Wiese der Boden ist, wo es auf den ersten Blick ganz ruhig zugeht und bei genauerem Hinsehen doch jeder Handgriff wie nach einem Uhrwerk getaktet eingeübt zu sein scheint.

„21“, sagt Lyndsey ihrem Mann, der beginnt, die vier Rippenbögen zu zerteilen, nach jeder Rippe ein Stück. Neun Minuten bleiben bis zu nächsten Abgabetermin bei der Jury. Ganz gerade schneidet Scott mit einem elektrischen Messer. Wo ein Stückchen hängenbleibt, nimmt er die Schere zur Hilfe. „Demnächst bringe ich noch einen Rasierer mit“, scherzt Lyndsey Lane.

Dann kommt die Qual der Wahl. Zerschnitten liegen die Mittelsteile der vier Rippenbögen auf dem Tisch. Nur sechs Stückchen dürfen in die Box für die Jury. Der Rest kommt in eine große Schüssel und wird an die Zuschauer verteilt, die allesamt begeistert sind von der Grillkunst der beiden Engländer.

„Wir lieben es einfach“, sagt Lindsey, die in einer Schule als Sozialarbeiterin tätig ist. Ihr Mann ist selbstständiger Ingenieur. „Erst war es ein Hobby, mittlerweile ist es schon ein wenig Besessenheit. Aber es ist ein schönes Hobby. Wir reisen und kochen und schließen viele neue Freundschaften.“ Auch in die USA hat sie das Grillen im Wettbewerb schon geführt, bis nach Alaska sogar.

Nicht ganz preiswert ist das Ganze aber auch. Rund 28 000 britische Pfund hätten sie im vergangenen Jahr für ihr Hobby ausgegeben, verrät Lyndsey, aber auch 17 000 Pfund wieder eingenommen. Auch an den ganz großen Wettbewerben, die bis zu 90 Starter haben, nehmen die beiden teil. Dagegen ist der Wettbewerb in Haaren eher klein, „aber Roman ist einer der besten Organisatoren, vor allem aber der freundlichste“, erklärt Scott, der Roman Schellartz schon „Uncle Roman“ nennt.

„Und kleinere Wettbewerbe wie dieser hier sind doch viel persönlicher“, ergänzt Lindsey. „Alle hier sind sehr freundlich.“ Und geben gerne Auskunft zum Thema Grillen. Um ihre Gewürzmischungen machen allerdings alle ein Geheimnis.

Die Zeit läuft weiter. Was von den Rippchen der beiden Lanes übrig war, ist vom Publikum in nicht einmal einer Sekunde weggeschnappt. Für die beiden Briten geht es wie für die anderen 21 Teilnehmer in den nächsten 30 Minuten die gegrillte Schweineschulter in köstliches „Pulled Pork“ zu verwandeln.

Und am Ende hat auch in Haaren das Team „Miss Piggy´s BBQ“ aus England mit Scott und Lyndsey Lane wieder die Nase vorn und ist seinem zweiten Europameister-Titel wieder ein Stückchen näher. „Aber sechs Wettbewerbe stehen ja noch aus“, sagt Lyndsey ganz bescheiden. Auf Platz zwei kam „BBQ Wiesel“ aus Deutschland. Dritte wurden „De Filous“ aus Belgien.

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