Erkelenz-Lövenich - Milchbauern erklären den Grünen die Misere

Milchbauern erklären den Grünen die Misere

Von: Helmut Wichlatz
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Milchbauer Heribert Peters im Gespräch mit Christel Honold-Ziegahn, Maria Meurer und Dr. Ruth Seidl von den Grünen. Foto: Wichlatz

Erkelenz-Lövenich. Die Landtagsfraktion der Grünen nutzt die sogenannten „Ausschwärmtage“, um im Land präsent zu sein, auf brisante Themen hinzuweisen und sich vor Ort der Diskussion zu stellen. Diesmal stand die Situation der deutschen Milchbauern auf dem Programm.

Unter dem Motto „Milchbauern in der Krise unterstützen – Krisenursachen bekämpfen“ machten sich die Parlamentarier vor Ort ein Bild und mussten auch einige Kritik einstecken. So auch Dr. Ruth Seidl.

Die aus Wassenberg stammende grüne Landtagsabgeordnete war auf Einladung von Heribert und Brigitte Peters auf den Dingbuchenhof bei Lövenich gekommen. Begleitet wurde sie von Christel Honold-Ziegahn und der Kreistagsfraktionsvorsitzenden Maria Meurer. Was sie zu hören bekamen, klingt beunruhigend.

Die Milchbauern bangen um ihre Existenzgrundlage. Denn der Milchpreis hat sich gegenüber dem Vorjahr von rund 40 auf knapp 20 Cent pro Liter nahezu halbiert und ein Ende der Abwärtsspirale ist nach Ansicht von Heribert Peters und seinen Kollegen nicht in Sicht.

Um noch wirtschaftlich über die Runden zu kommen, müsse bei den derzeitigen Milchpreisen noch mehr produziert werden, wodurch jedoch der Abnahmepreis immer mehr sinke. Daher müsse europaweit ein Umdenken stattfinden und die Produktionsmenge bei gleichzeitigen Kompensationszahlungen reduziert werden.

Die EU ist der weltweit größte Milchproduzent. Doch leider wird das Thema der Milchproduktion in den einzelnen Ländern unterschiedlich gehandhabt, wie Milchbauer Paul Rademacher aus Aachen betonte. Irland habe seine Milchproduktion verdoppelt und die Niederlande seit dem vergangenen Jahr um rund 15 Prozent gesteigert.

In Frankreich hingegen habe es eine Initiative zur Drosselung der Milchproduktion gegeben, was Rademacher als richtigen Weg bezeichnete. In Deutschland hingegen sei derzeit keine klare Linie in der Politik zu erkennen. Bei den derzeitigen Milchpreisen erwirtschafte ein Hof mit rund 160 Kühen ein Minus von 25.000 Euro monatlich. „Wenn das so weitergeht, wird die Hälfte der Milchbauern in einem Jahr aufgegeben haben“, erklärte er.

Kredite zur Überbrückung seien auch keine Hilfe, da sie zurückgezahlt werden müssen. Langfristig müsse ein Umdenken stattfinden, um die Milchproduktion in Deutschland zu sichern. Im vergangenen Jahr hätten allein in NRW über 200 Milchbauern die Produktion an den Nagel gehängt, weil es sich nicht mehr lohnt. Rademacher und Peters setzen auf eine europäische Lösung, da die Einzelstaaten kaum etwas bewirken könnten.

Dies ist auch nach Ansicht Seidls der richtige Weg. Sie versprach, dass die Länder bei dem Thema Druck auf den Bund ausüben würden. „Deutschland als Europas größter Milchproduzent muss ein Zeichen setzen und die europäische Linie mitbestimmen“, erklärte sie. Dazu sei ein Bekenntnis zur Milchwirtschaft nötig, das einhergehe mit guter Tierhaltung und nachhaltiger Produktion.

Die Milch, die an die Molkereien verkauft wird, müsse zwangsläufiger teurer und die Abnahmemenge niedriger werden. Eine erneute Milchquote lehnte sie ebenso wie die Milchbauern ab. Von den Molkereien wird eine gestaffelte Bonuszahlung an die Milchbauern, die weniger liefern, erwartet. Darüber hinaus müssten die Molkereien von staatlicher Seite in die weitere Finanzierung von Notprogrammen eingebunden werden.

Die Soforthilfen vom Bund sollten nach Ansicht der Grünen bis zu drei Cent pro Liter betragen, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden. Darüber hinaus müsse sich die Bundesregierung auf europäischer Ebene für ein gemeinsames Vorgehen einsetzen.

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