Michael Kurth: Nach 26.000 Kilometern auf Platz 21 gelandet

Von: Kurt Lehmkuhl
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Geschafft! Michael Kurth gehörte 2012 zu den besten deutschen Rennradprofis.

Erkelenz. Wer rund 26.000 Kilometer im Laufe eines Jahres auf dem Rennrad zurückgelegt hat, der wirft den „Drahtesel“ im Dezember in die Ecke – sollte man meinen. Ist aber nicht; jedenfalls nicht bei Michael Kurth. Er sitzt (wieder) fest im Sattel als Radsportler und hat im Januar da weitergemacht, wo er im Dezember aufgehört hat: beim Training für eine anstrengende und lange Rennsaison.

Das Rennradfahren hat er von der Pike an beim RV Diana Oberbruch unter der Anleitung von Hans Matwew gelernt. Schon als Jugendlicher fuhr er Siege in Serie ein und war sogar Gewinner der prestigeträchtigen Kids-Tour in Berlin. Doch nach dem Wechsel ins Erwachsenen-Lager war der Podestplatz nicht immer der ständige Begleiter. Die Zahl der Siege und guten Plätze war durchschnittlich.

Das Jahr 2012 sollte dann das Jahr der Entscheidung sein. „Entweder packe ich es, oder ich muss mir Gedanken machen, ob ich mit dem Radsport weitermache“, sagt Kurth.

Und das Jahr 2012 brachte eine Entscheidung: Die Leistung und die Ergebnisse stellen eindeutig fest: Michael Kurth gehört zu den besten deutschen Radprofis. In der Rangliste zum Jahresabschluss belegte er Platz 21 unter rund 1000 gelisteten Profis. Das ist das in Zahlen und Fakten ablesbare Ergebnis von rund 20.000 Trainings- und rund 6000 Rennkilometern bei 52 Wettkampftagen.

„Seit 1993 bin ich Rennen gefahren, und bin im Prinzip nach einem schweren Sturz 2010 nur aus Gewohnheit dabei geblieben, nicht mehr aus Begeisterung.“ Das Rennrad blieb damals häufiger in der Garage stehen und musste den Laufschuhen weichen. Aber so richtig zufrieden war der in Oberbruch aufgewachsene und nun in Erkelenz wohnende Kurth nicht mit dem, was er machte. „Erst 2011 habe ich wieder zielgerichteter trainiert.“ Die zweite Saisonhälfte brachte sogar erste Erfolge. „Da habe ich mir gesagt, 2012 heißt es hop oder top. Und 2012 wurde das beste Jahr meiner Karriere.“

Inzwischen ist er beim Stolberger Kontinentalrennstall im dritten Jahr als Profi unter Vertrag; wobei der Begriff Profi mehr verspricht, als er hält. „Das Studium der Sonderpädagogik hat einen höheren Stellenwert“, sagt der nunmehr 26-Jährige. Und trotz des Studiums, das inzwischen in der Prüfungsphase ist, schwang sich Kurth zu neuen sportlichen Erfolgen auf.

Mit einem Sieg im Frühjahr beim traditionsreichen Köln-Schuld-Frechen begann die Saison, die nach fünf Siegen und 28 Platzierungen im In- und Ausland mit einem Achtungserfolg bei der Tour de Hainan in China im November endete. Bei acht von neun Zielankünften war Kurth ganz vorne, nur bei der Königsetappe, da hatte er Pech, als beim Anstieg zum Ziel die Gabel seinen Rennrades brach und er auf einem viel zu kleinen Ersatzrad hinter dem Feld herfahren musste. So blieb als „Zählbares“ neben vielen Wertungspunkten Platz drei in der Sprintwertung.

Das Pech konnte nicht demotivieren, im Gegenteil, es sollte motivieren.

Mehr noch motiviert Kurth ein anderer Umstand, eine soziale Komponente: „Wir sind im Laufe des Jahres als Mannschaft immer mehr zusammengewachsen“, meint er, und was ihn noch mehr freut: „Wir bleiben als Team Quantec-Indeland zusammen.“ Ohnehin betrachtet Kurth den Rennradsport als Mannschaftssport. „Du kannst nur siegen, wenn Deine Mannschaft Dir hilft.“

Und diese Hilfe ist da. „Das ganze Team hat eine coole Saison gehabt.“ Die Superstimmung habe ihn in seinem Beschluss bestätigt, ein weiteres Jahr auf dem Rennrad zu verbringen. Kurth hätte wechseln können, etwa zu einem höherklassigen Team in Österreich. Aber er bleibt lieber bei dem Team in Stolberg. „Die anderen Angebote waren mit meinem Studium und den Examen nicht vereinbar.“

Wenn er in diesen Tagen wieder auf dem Rennrad trainiert, hat er klare Verhältnisse. Im November will er sein Studium mit dem Examen beendet haben und ein Referendariat beginnen, in der Zwischenzeit arbeitet er zwei Tage die Woche aushilfsweise in einer Schule von Hephata in Mönchengladbach und an den Wochenenden stehen die Rennen an. Dann will Kurth nicht nur beim „Heimspiel“ in Oberbruch oder in Wegberg jubeln, er will international der Beachtung gerecht werden, die ihm inzwischen gezollt wird; bei großen UCI-Rennen in Belgien und den Niederlanden, aber auch bei einigen Rundstreckenrennen in Ländern, die die meisten Radfahrer nur als Touristen besuchen.

Die Mexiko-Tour steht ebenso auf dem Terminkalender wie die China-Rundfahrt und Etappenrennen in Thailand, Südkorea und Brasilien. Und Ende 2013 wird Michael Kurth wieder Bilanz ziehen und entscheiden, ob er noch ein Jahr dran hängt. Ausschlaggebend dafür sind aber nicht nur Platzierungen, sondern die Stimmung im Team, denn Kurth ist und bleibt ein Teamspieler, auch wenn er als Erster über die Ziellinie sprintet.

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